
Polle (08.05.10). „In meinen Augen ist es ein Erfolgsmodell“, sagt Gemeindedirektor Willi Bost. Zehn Jahre, die Polle positiv verändert haben. Zehn Jahre, die in Zeiten der allgemeinen Veränderung den Ort zum Vorteil aller umgestaltet haben. Seit 2000 ist der Flecken Polle in der Dorferneuerung. Dieses Programm, das gemeinsam vom Amt für Landentwicklung Hannover, der Gemeinde Polle, den aktiven Bürgern im Arbeitskreis Dorferneuerung sowie beteiligten Planungsbüros und Firmen durchgeführt wurde, hat Polle ein neues Gesicht gegeben.
Die Dorferneuerung begann nach dem offiziellen Programmbeginn im Jahr 2000 zwei Jahre später mit der Sanierung des Amtshauses und der Gestaltung des Burghofes. Im gleichen Jahr wurde schon die Grundschule in das Dorferneuerungsprogramm einbezogen. Diese Maßnahmen, die insgesamt 150.000 Euro kosteten, wurden mit 45.000 Euro bezuschusst. In den folgenden Jahren wurden der Spritzenplatz, Burg-, Mittel- und Hintere Straße, Kloster-, Moor- und Doktorgasse saniert. Diese Projekte bildeten den Löwenanteil der Dorferneuerung mit 680.000 Euro. Knapp 300.000 Euro waren davon Fördergelder des Landes und der Europäischen Union. Mit der Unteren Mittelstraße und der Postgasse sowie dem Sandsteindach des Amtshauses fand die Dorferneuerung in Polle 2008 und 2009 seinen – vorläufigen – Abschluss. Denn es geht weiter mit der Dorferneuerung, das Programm wurde für Polle in dieser Woche verlängert. Die Förderrahmen wurde von 950.000 auf 1,07 Millionen Euro erhöht, die Maßnahme selbst um weitere drei Jahre verlängert. Als nächstes stehen die Bergstraße, Hohe Brücke und der Generationenspielplatz „Im Teich“ auf der Tagesordnung der Dorferneuerung in Polle.
Insgesamt entstanden in den vergangenen zehn Jahren im Rahmen der Dorferneuerung Baukosten in Höhe von knapp 1,2 Millionen Euro. Der Eigentanteil belief sich auf 690.000 Euro, die Fördermittel flossen in Höhe von 510.000 Euro. Zu den öffentlichen Maßnahmen kamen insgesamt 65 private Vorhaben, die ebenfalls mit Geldern der Dorferneuerung gefördert wurden. Die Idee dieses Projektes, gemeinsam öffentliche und private Maßnahmen zu unterstützen und damit anzuregen, hat in Polle einen großen Erfolg gehabt. Schon jetzt stehen weitere Interessenten für die nächsten Monate bereit.
Am Anfang der Dorferneuerung standen viele Gespräche, Ideen, Diskussionen, Verhandlungen und auch Streitgespräche. Wie soll Polle in der Zukunft aussehen? Wie wollen wir in unserem Ort leben? Wie stellen wir uns auf die Veränderungen ein? Wie sollen Häuser und Straßen aussehen? Wie können wir das Leben hier ein wenig besser machen? Die Arbeit mit dem Planungsbüro Krupka, die Unterstützung des Amtes für Landentwicklung und das Engagement vieler Poller Bürger stellten die Konzeption der Dorferneuerung zusammen, die heute in ihren Ausarbeitungen jeden Tag zu erleben ist.
Polle, so war es der Wunsch aller, soll für alle Generationen, Ort des Lebens, der Begegnung, des Miteinanders sein. Ein gutes Beispiel für die sehr gelungene Umsetzung dieser Idee ist der Spritzenplatz. Vor zehn Jahren noch diente er als große Parkfläche, jetzt ist er nach der Umgestaltung ein echtes Kommunikationszentrum mitten im Ort. Die Neugestaltung der Straßen hat viele Bürger dazu veranlasst, auch ihre Haus- und Hofeinfahrten zu verändern. Das neue Bild zeigt Polle als ansehnliche, feine Gemeinde mit vielen schönen Ecken in einer herrlichen Landschaft.
Nicht nur die äußerliche Veränderung durch die Dorferneuerung ist ein wichtiger Prozess für den Ort. Mit der Verschönerung und Verbesserung des Umfeldes tritt auch eine Steigerung der Lebens- und Wohnqualität ein. Von Anfang an wurde bei der Dorferneuerung Polle darauf geachtet, dieses Projekt als Maßnahme zur Erhaltung und Verbesserung der Infrastruktur zu sehen. Und gerade das ist erreicht worden. Die Menschen werden älter und weniger, und das gerade in den ländlichen Gebieten des Weserberglands. In Polle hat man einen Weg gefunden, den Menschen zu zeigen, wie man sich ein schönes Lebensfeld schaffen kann. Dazu dient die Dorferneuerung, die den Ort nicht nur einen Schritt, sondern einen großen Sprung nach vorn gebracht hat. (fhm)

© Täglicher Anzeiger Holzminden