Kreis Holzminden (05.05.01). Ende April beginnen in der Umgebung von Holzminden neben anderen Frühlingsblumen auch die Orchideen zu blühen. Die häufigste und zugleich die erste im Jahreslauf ist das stattliche Knabenkraut. Man findet es auf sonnigen Wiesen, in den Obstplantagen und auch im lichten Laubwald meistens auf den Kuppen der Berge.
Durch ihre Häufigkeit sind diese Blumen bei vielen Naturfreunden bekannt, auch wenn viele Wanderer nicht wissen, dass sie zu den Orchideen gehören. Eine andere Pflanze ist wohl als Orchidee bekannt und wenn sie Mitte Mai auf dem Burgberg blüht, setzt ein wahrer Tourismusstrom zum Burgberg ein: der Frauenschuh.
Dass es außer diesen zwei Erdorchideen aber noch 25 weitere in unserer Region gibt, ist weithin unbekannt. Dabei sind die anderen keineswegs weniger schön und auffällig. So blüht ebenfalls Anfang Mai das Purpurknabenkraut mit bis zu 80 cm hohen Blütenständen in allen Rottönen. Man findet es vor allem an den Berghängen in lichten Laubwäldern. Dort ist es schon im Februar an seinen großen Blattrosetten zu erkennen.
Fast ebenso groß und kräftig in Form und Farbe ist das Helmknabenkraut, welches zwei Wochen später aufblüht.
Anfang Mai findet man nun jede Woche neue Blüten, die zu den Erdorchideen gehören: Auf sonnigen Wiesen steht zu Hunderten das dreizähnige Knabenkraut, die Fliegenragwurz, grünliche Waldhyazinthe, dass große Zweiblatt, die Bienenragwurz und die Vogelnestwurz. Diese steht auch in den Laubwäldern und ist eine ganz besondere Pflanze, weil sie kein Blattgrün entwickelt. Ihre goldbraunen Blütenstände bieten im Sonnenlicht einen schönen Anblick.
Aber nicht nur auf trockenen Standorten finden wir Orchideen. In den Quellsümpfen am Burgberg und am Holzberg bei Stadtoldendorf blüht Mitte Mai das breitblättrige Knabenkraut und im Juni die Sumpfstendelwurz.
In den Wäldern sind inzwischen die drei Schwestern Waldvögelein aufgeblüht: das erste ist das schwertblättrige, danach das weiße und im Juni das rote, welches mit seinen zierlichen roten Blüten eine besondere Schönheit unserer Wälder ist.
Von der großen Familie der Stendelwurzarten gibt es in unserer Landschaft sieben verschiedene. Die erste im Jahr ist Ende Mai die braunrote Stendelwurz, die man leicht an ihren dunklen Blüten erkennen kann. Die schönste ist sicherlich die schon genannte Sumpfstendelwurz. Alle anderen sind nicht sehr auffällig, weil ihre Blüten im Wesentlichen grün sind. Die breitblättrige Stendelwurz ist zwar meistens sehr groß ñ sie erreicht eine Höhe bis zu einem Meter ñ aber ihre Blüten sind weißlich grün und daher nicht sehr auffällig.
Mitte Juni blüht auf den nach Süden geneigten Bergwiesen die Mückenhändelwurz. Ihre hellroten langen Blütenrispen mit zahllosen kleinen rosa Blütchen überragen auch das längste Gras und man kann sie schon von weitem erkennen.
Eine große Besonderheit ist in unserer Landschaft die Pyramidenspitzorchis. Sie steht nur auf einer Wiese mit wenigen Exemplaren und ist mit ihrem tiefroten Blütenstand eine große Schönheit.
Alle unsere Orchideen sind geschützt. Sie sind in Ihrem Bestand gefährdet und einige sogar schon vom Aussterben bedroht. Es ist strickt verboten, diese Blüten zu pflücken oder sie auszugraben. Das Ausgraben hat auch gar keinen Sinn, weil die Pflanzen sehr spezielle Bodenverhältnisse brauchen und in den Garten verpflanzt zum Absterben verurteilt sind.
Im Arbeitskreis Heimische Orchideen sind wir der Ansicht, dass man nur schützen kann, was man auch kennt. Deshalb veranstalten wir Führungen und Vorträge, um die Schönheiten der Natur vielen Wanderern bekannt zu machen. Diese Veranstaltungen werden stets bekannt gegeben, und Gäste sind immer willkommen. Weitere Auskünfte können Sie beim Arbeitskreis Heimische Orchideen unter Telefon 05531/5764 bekommen. (Wilfried Mohrmann)