Holzminden (04.06.2011). Eigentlich heißt es doch, die Schweizer seien etwas zurückhaltend – und ganz besonders die Berner. „Stimmt nicht“, sagt Alexander Käberich. „Die Schweizer, die wir von der Big Band Holzminden kenne, sind voll abgegangen.“ Der Leiter der Big Band ist gerade mit seinem Orchester von seiner Schweiz-Tournee zurückgekehrt. „Es war toll“ schwärmt er. „Und das Konzert ein ganz besonderes Erlebnis.“
Zum zehnjährigen Jubiläum der Big Band Holzminden in diesem Jahr gehörte auch eine Konzertfahrt in die Schweiz. In der Hauptstadt der Eidgenossenschaft sollten die Holzmindener Jazzer auf Einladung der Ambo Unterhaltungsband ein Konzert geben. Im Sommer 2009 waren die Schweizer zu Gast in Holzminden und hatten bei ihrem Auftritt auf dem Marktplatz einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Zwei Jahre später stand der Gegenbesuch aus Holzminden ins Haus.
Nach der Generalprobe im Altendorfer Hof machten sich die Musiker von der Weser auf den Weg in die Schweiz. Ziel der Fahrt war das Berner Gewerkschaftshaus. Hier sollten Ambo und Big Band ein Konzert vor 200 Leuten geben – mehr passen in dieses Veranstaltungshaus nicht hinein. Der Empfang in Bern war absolut herzlich. „Total offen, sehr nett und einfach locker war das alles“, berichtete Käberich. Und das Konzert selbst war perfekt vorbereitet, bis zur Maßgabe der Stücke. „Genau acht Stücke sollten wir spielen, mehr nicht.“ Doch diese acht Stücke reichten aus, um aus netten Schweizern eine Truppe jubelnder Jazz- und Swing-Fans zu machen.
„Fly me to the moon“, „Hello“ und „Jump“ sorgten schon von Konzertbeginn an für Beifallsstürme. „Die Band hat sich an diesem Abend selbst übertroffen“, berichtete der Bandleader. Die Begeisterung der Musiker steckte die Zuschauer an, und die volle Gunst des Publikums spornte das Orchester zu absoluten Höchstleistungen an. „Es war so, als würde das Orchester einen Meter über dem Boden schweben“, so Käberich. Ganz ausgelassen und komplett untypisch für die Schweiz wurde es dann am Ende des Konzertes. Zwei Zugaben mussten die Holzmindener geben. Beim Klassiker „Peter Gunn Theme“ hielt es dann niemanden mehr auf den Stühlen.
Saxophonist Thomas Dittner marschierte bei seinem Solo über die Tische, angefeuert von enthusiastischen Schweizern, und blies so kräftig mit seinem Horn, dass „Peter Gunn“ auch außerhalb des Gewerkschaftshauses zu hören war. Langer Beifall belohnte am Ende die glücklichen und zufriedenen Musiker aus Holzminden.
„Das Konzert wird für uns alle unvergesslich bleiben“, sagte Käberich in der Nachschau. Die Kontakte mit der Schweizer Band wurden beim Gastspiel intensiviert. So wurde die Ambo Unterhaltungsband zu einem weiteren Besuch in die Stadt der Düfte und Aromen eingeladen. „Diese Einladung wurde gleich freudig angenommen“, freute sich die Big Band. Für die Musiker aus Holzminden gehörte die Fahrt in die Schweiz zum Vorbereitungsprogramm für das große Jubiläumskonzert „10 Jahre Big Band Holzminden“ am 14. Oktober in der Stadthalle Holzminden.
Die Konzerttour in die Schweiz wurde aber nicht nur zu einem unvergesslichen Musikerlebnis. Auch die Gastgeber lernte man besser kennen. So erfuhren die Holzmindener den außergewöhnlichen Hintergrund dieses sehr professionell auftretenden Orchesters. 1923 wurde die Unterhaltungsband als „Arbeitermusik Bern-Ostermundigen“, kurz Ambo, gegründet. Die Schweiz war vor 90 Jahren Schauplatz von sozialen Kämpfen und dem Aufbegehren der Arbeiter für mehr soziale Gerechtigkeit. Die Musiker verstanden sich damals auch als Teil der Arbeiterbewegung und Kämpfer für Solidarität. Heute ist Ambo ein spielstarkes und pfiffiges Orchester, das 30 Musiker aus der Region Bern vereint. Sie alle treten immer wieder auf und bringen Jazz, Swing, Rock und Pop zu Gehör. Und demnächst werden sie wieder in Holzminden zu hören sein. „Dann werden wir als Fans im Publikum stehen“, verspricht Alexander Käberich für die Big Band Holzminden. (fhm)

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