Holzminden (18.04.09). Hat es Sinn, sich für seine Stadt zu engagieren? Mit QIN, der Quartiersinitiative Niedersachsen, haben die Holzmindener ein ganz klares Ja formuliert. Hier, in der Stadt der Sinne, haben es die Menschen selbst in die Hand genommen, haben mit „Holzminden macht Sinn“ quasi QIN-Geschichte geschrieben. Nicht Kommune oder Stadtmarketing haben für Holzminden – gleich zweimal! – den Wettbewerb des Sozialministeriums gewonnen und viel Geld in die Stadt geholt, sondern der Arbeitskreis „Holzminden macht‘s“, in dem sich eine Vielzahl von Gruppen und Institutionen zusammengeschlossen haben. Jetzt wird erste QIN-Bilanz gezogen. Am 24. April ist die Landes-Delegation in Holzminden zu Gast und wird sich anschauen, was in Holzminden Sinn macht.
Leer stehende Läden, verschmutzte Innenstadt-Straßen, triste Ecken – es wurde Zeit, etwas zu tun in Holzminden. Für das QIN-Projekt „Holzminden macht Sinn“ gelang es das erste Mal, fast alle Akteure – von der örtlichen Wirtschaft über die Vereine bis hin zu den Bildungseinrichtungen – an einen Tisch zu holen mit dem Ziel, den Abwärtstrend umzukehren. Gemeinsam wurden Projekte entwickelt, Projektpaten benannt. Die hoch gesteckten Ziele machte sich auch die im Februar 2008 neu formierte Stadtmarketing Holzminden GmbH zu eigen, die die Projekt-Steuerung übernahm. Und die HAWK begleitet das QIN-Projekt wissenschaftlich.
Aufenthaltsqualität steigern
Angeschafft wurden drei große Sonnenschirme, die großflächig Schatten spenden. Gerade Familien mit kleinen Kindern sind in den Sommermonaten sehr froh über diese Schirme. Und ein Riesensandkasten wurde aufgebaut. Auf einer Fläche von knapp 60 Quadratmetern tummeln sich in den Sommermonaten Tag für Tag unzählige Kinder auf der Sandfläche. Sechs Blumenkübel werten die Obere Straße optisch auf. Da Patenschaften für die Blumenkübel vergeben wurden, ist die Pflege sichergestellt. Außerdem zeigt Holzminden Flagge: Vier große Flaggen mit dem Stadtwappen wehen in der Stadt. Je zwei Flaggen sind zentral am Haarmannplatz gehisst worden und zwei weitere zieren, für Bürger und Besucher gut sichtbar, das Torhaus und den Floßanlegerplatz am Weserkai.
Pfad der Düfte
Der „Duftende Stadtrundgang“ ist weiter ausgebaut worden. Drei Duftstelen sind dazu gekommen. Statt bisher 15 kann man nun 18 verschiedene Düfte im Innenstadtbereich erleben. Alle Stelen sind an bedeutenden Plätzen oder Gebäuden installiert worden. Hinweistafeln vermitteln dem Besucher Wissenswertes über Gebäude und Düfte. Im Bereich der Fußgängerzone wurde ein Band aus farbigen Pflastersteinen (blau und weiß) in den Boden eingelassen und verbindet sieben Stelen im Innenstadtbereich.
Elektronischer Stadtrundgang
Holzminden mit allen Sinnen erfahren. Nach dem duftenden Stadtrundgang gibt es nun auch den akustischen Weg durch die Stadt und die Geschichte Holzmindens. Der zwölfte Jahrgang des Campe-Gymnasiums hat die Historie Holzmindens digital aufbereitet. Mit einem MP3-Player oder dem Handy kann man auf eine interessante und aufschlussreiche Reise gehen und mehr über Holzminden erfahren.
Beleuchtungskonzept
Im Bereich der Neuen Straße, des Marktes, der Kirchstraße, der Johannisstraße und der Mittleren Straße wurde ein Beleuchtungskonzept umgesetzt. In der Neuen Straße wurden Beleuchtungskörper in den Fußweg eingelassen, die die klassizistischen Gebäude anstrahlen und die Neue Straße deutlich aufwerten. Die Kreisverwaltung als Hausbesitzer hat sich an den Kosten für den Einbau der Beleuchtungskörper beteiligt. Ebenfalls durch Strahler ausgeleuchtet werden das Silo am Weserkai und die Förderschule an der Weser. Dieses Bild wird durch eine neue Illumination der Bäume rund um den Marktplatz zusätzlich abgerundet. An lauen Sommerabenden kann die Bevölkerung jetzt sein mediterranes Flair noch intensiver genießen. Ein Lichterlebnis der besonderen Art kann der Besucher der Parkanlagen an den Teichen genießen, denn am Wehr wurden Beleuchtungskörper in das Wasser eingelassen, die von unten Wasser und Wehr lichttechnisch in Szene setzen.
Stadt-Leit-System
Unter dem Stadt-Leit-System sind drei Informationssäulen zu verstehen. Diese sind am Johannismarkt, Markt und Treidelpfad installiert worden. Als Wegweiser zeigen sie wichtige Anlaufstellen und Gebäude sowie Sehenswürdigkeiten auf.
Marktsommer
Im Rahmen der kulturellen Veranstaltungsreihe „Sommernachtstraum“ wurden während der Sommermonate Musikdarbietungen auf dem Marktplatz angeboten. Jeweils an den Sonnabenden spielten verschiedene Musikbands. Für die Besucher des Marktes waren die unterschiedlichen Events jeweils kostenlos. Besonderes Highlight war das Göttinger Symphonie Orchester, das mit einem großen Open-Air-Konzert die Veranstaltungsreihe abschloss. Eine Zuschauerzahl von rund 1.200 spricht eine ganz deutliche Sprache. Aufgrund des großen Erfolgs soll dieser Kulturevent zu einer festen Institution werden. Für den Marktsommer und andere Events wurde eine transportable Bühne angeschafft. Innerhalb kürzester Zeit ist diese Bühne auf- und wieder abgebaut.
Fassadengestaltung
Die marode Fassade eines leer stehenden Geschäftshauses wurde mit Unterstützung eines QIN-Projektes grundlegend saniert. Ein gerade von der Weserseite aus schon von weitem sichtbarer Schandfleck, der die gesamte Fußgängerzone negativ beeinflusste, konnte so behoben werden.
Saubere Innenstadt
Ein weiteres QIN-Projekt war die Aktion „Saubere Innenstadt“, bei dem sich die Wirtschaftsjunioren mit Projekten aktiv eingebracht haben. So wurden 17 Abfallkörbe an verschiedene Schulen in Holzminden verteilt. Mit Eifer und sehr viel Phantasie haben die Jugendlichen die Mülleimer gestaltet. Die Aktion trug den Titel „Coole Papierkörbe“ und sollte gerade Jugendliche für eine saubere Innenstadt sensibilisieren. Eine große Resonanz fand die Aktion „Putzmunter“. Über 100 Bürger übernahmen eine ihnen zugeteilte Parzelle der Innenstadt. Deutlich wurde, wie groß die Identifikation der Bürger mit der Stadt und der Wille zur Aufwertung des Stadtbildes ist. Diese Aktion wurde 2007 zum ersten Mal durchgeführt und erfreute sich in 2008 einer noch größeren Resonanz, so dass nun in jedem Jahr zu einem gemeinsamen „Frühjahrsputz“ aufgerufen werden soll. Auch an die Vierbeiner und ihre Besitzer wurde gedacht, denn es wurden zwei sogenannte Dog Stations und zusätzliche Beutelbehälter installiert. Drei neue, übersichtlich gestaltete Hinweisschilder weisen mittlerweile auf die großen Parkplätze in und am Rand der Innenstadt hin. Positioniert an den Hauptverkehrsknotenpunkten, geben die groß gehaltenen Schilder eine gute Orientierungshilfe auch für Auswärtige, die in Holzminden eine geeignete Parkmöglichkeit suchen. Weiterhin ist ein Parkplatz-Flyer erarbeitet worden, der alle Parkmöglichkeiten im Überblick auf einem übersichtlichen Stadtplan wiedergibt. Zusätzlich können Besucher und auch Mitbürger diesem Flyer entnehmen, auf welchen Parkflächen das Parken kostenlos ist und auf welchen Parkplätzen nur gegen Gebühr gehalten werden kann.
Azubi-Laden
Um Jugendlichen einen ersten Einblick in das Berufsleben und gleichzeitig unersetzbare Praxiserfahrung zu vermitteln, wurde im Rahmen von QIN ein Azubi-Shop im Kaufhaus Schwager eröffnet. Vier Wochen konnten dort Schüler der Höheren Handelsschule, Fachbereich Wirtschaft, in die Wirtschaftsabläufe eines großen Einzelhandelsunternehmens Einblick nehmen. Von der Warenbestellung, der Kalkulation bis hin zu Verkauf und Endabrechnung mussten die Schüler alles in Eigenregie erfüllen. Dabei wurden sie aktiv vom Kaufhaus Schwager sowie den Betreuern aus der Lehrerschaft unterstützt. Aufgrund des großen Erfolgs und der Überzeugung, dass es sich hierbei um ein lohnenswertes Projekt handelt, wird es mehrmals im Jahr wiederholt. Zumal auch die Mitbürger tatkräftig dieses Projekt unterstützen konnten, indem sie bei den Schülern einkauften und so ihre Verbundenheit zeigten.
Kinderbetreuung
Der Arbeitskreis „Holzminden macht’s“ hat sich der Notwendigkeit einer funktionierenden Kinderbetreuung in der Stadt angenommen. Dabei handelt es sich um den Betreuungsbedarf für Familien, die in die Innenstadt kommen, um dort ihre Einkäufe zu erledigen. Zu diesem Zweck wurde ein Teilbereich der ungenutzten dritten Etage des Kaufhauses Schwager mit Unterstützung der Volksbank Weserbergland und der Öffentlichen Versicherung ausgewählt und umgestaltet. Umgesetzt wird dieses Projekt durch den Ausbildungszweig zum Sozialassistenten an der Berufsbildenden Schule in Holzminden. Auszubildende dieses Fachbereichs übernehmen freitags in der Zeit von 13.30 Uhr bis 18 Uhr und sonnabends in der Zeit von 10 bis 16 Uhr die Betreuung der Kinder. Die Räumlichkeiten konnten dank des großzügigen Sponsorings und der QIN-Mittel mit Spielgerät und Kindermobiliar ausgestattet werden. Hier können Eltern ihre Kinder gegen ein geringes Entgelt betreuen lassen. Im so genannten „Kiwula“ tummeln sich seit der Eröffnung viele Kinder verschiedenen Alters, und entspannte Eltern können beruhigt ihre Besorgungen erledigen und wissen ihre Sprösslinge gut aufgehoben.
Wohnort Innenstadt
Im Auftrag des Arbeitskreises „Holzminden macht’s“ hat die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) – Fakultät Soziale Arbeit – eine Studie zur Wohnsituation in Holzmindens Innenstadt erstellt. Untersucht wurde dabei speziell das Quartier zwischen Weser und Haarmannplatz mit dem Ziel, Potenziale zu erkennen und Schwachstellen aufzudecken. Jede Stadt profitiert von einer lebendigen Innenstadt. Um Handlungsempfehlungen zu erarbeiten, wurde es zunächst als notwendig erachtet, den Ist-Zustand in der Holzmindener Innenstadt zu beleuchten. Durch das Gutachten wurde umfangreiches Datenmaterial über Bevölkerungsstruktur und Wohnverhalten ausgewertet, und insbesondere wurde auf die Lebenssituation der Studenten, Migranten und der älteren Teile der Bevölkerung eingegangen (demografischer Wandel). Die wachsende Zahl der Studenten, die einen nicht unerheblichen Anteil an der Zahl der Innenstadtbewohner ausmachen, erfordert ein Umdenken bei der Wohnraumplanung. Gleiches lässt sich auf die Generation 60+ übertragen, für die der Lebensraum Innenstadt mit zunehmender Immobilität an Attraktivität gewinnt (barrierefreies Wohnen). Weiterhin wurden die Einzelhandelsstruktur, der öffentliche Nahverkehr sowie der Mietspiegel betrachtet und als positiv, aber ausbaufähig bewertet. Es steht jetzt ein Katalog mit Handlungsempfehlungen zur Verfügung, der es ermöglicht, die Holzmindener Innenstadt weiter zu einem attraktiven Wohnstandort auszubauen. Dieses Gutachten bietet sehr viel wissenschaftlich belegtes Potenzial, so dass der Arbeitskreis bereits konkrete Überlegungen anstellt, sich mit einem Konzept zum Thema „Wohnort Innenstadt“ für QIN 2009/2010 zu bewerben.
Innenstadtoasen
Oft von der Öffentlichkeit unentdeckt und dabei doch so zauberhaft. Das sind die versteckten Innenhöfe der Häuser in der Innenstadt, die in vielen Fällen von den Besitzern zu regelrechten kleinen Paradiesen gestaltet wurden. Damit auch die Öffentlichkeit einmal einen Blick hinter die hohen Hausmauern werfen kann, wurde der Ideenwettbewerb „Oasen der Innenstadt“ ins Leben gerufen. Eigentümer besonders schön gestalteter Innenhöfe, die sehr viel Atmosphäre besitzen, waren aufgerufen, diese kleinen Hinterhofparadiese im Bild fest zu halten und verbunden mit einer Kurzbeschreibung bei der Stadtmarketing GmbH vorzustellen. Der schönste Innenhof wurde prämiert.
Fahrradtourismus
150.000 Fahrradtouristen passieren jährlich den Weserradweg als beliebtesten Fernradwanderweg Deutschlands. Damit die nicht nur die wunderschöne Fahrradstrecke entlang der Weser nutzen, sondern auch die Möglichkeit bekommen, die Innenstadt zu besuchen, wurden nun Fahrradboxen errichtet, die es ermöglichen, das eigene Fahrrad sicher zu verschließen. Diese Boxen wurden in handwerklicher Leistung von den Schülern der Berufsbildenden Schulen, Fachbereich Technik, gestaltet und erstellt. Vom Fahrradweg und dem Weserkai sehr gut einsehbar ist so im Bereich des Johannismarktes das erste Holzmindener Parkhaus für Fahrräder entstanden. Neben der Unterstellmöglichkeit für die Fahrräder ist eine Infotafel errichtet worden, die die wichtigsten Stadtinformationen für Besucher bereithält. Zusätzlich stellten die Schüler eine Bank auf, die zu einem ersten Verschnaufen und Rasten einlädt. Das Fahrradparkhaus erfreut sich großer Beliebtheit.
Außerdem wurde ein Infoflyer für Fahrradtouristen aufgelegt, der alle notwendigen Informationen und Hinweise für Fahrradtouristen komprimiert und detailliert enthält und es so Besuchern der Stadt schnell ermöglicht, Sehenswürdigkeiten und Punkte mit touristischem Interesse, aber auch Übernachtungsmöglichkeiten oder Gastronomiebetriebe zu erreichen. Als Begrüßung in der Stadt der Düfte und Aromen wird dieser Flyer zusammen mit einer Phiole des Holzminden-Duftes „Ouvertüre“ an die Fahrradtouristen verteilt.
City-Leit-System
Dieses Projekt befindet sich zurzeit in der Umsetzungsphase. Ziel ist es, Einwohnern, Touristen und Besuchern ein interaktives Infosystem zur Verfügung zu stellen, durch das mit wenig Aufwand wichtige Stadtinformationen abgefragt und vermittelt werden können. Fest installiert im Marktbereich, wird das Stadt-Leit-System über einen Großbildschirm Daten über Gastronomie, Übernachtungsmöglichkeiten und den Veranstaltungskalender wiedergeben, die von Anwendern mittels Mausklick abgefragt werden können. Komprimiert und gut übersichtlich können auf einen Blick beziehungsweise Klick die wichtigsten und individuell interessantesten Daten abgerufen werden. Dieses Informationsmedium stellt nicht nur für Besucher und Touristen eine nützliche Orientierungshilfe dar, sondern verschafft auch Einheimischen einen guten Überblick über das Service- und Dienstleistungsangebot der Innenstadt.
Damit sich Bürger und Besucher kurz und schnell über das Leben und bunte Treiben auf dem Markt informieren können, wurde außerdem eine weitere Webcam am Marktplatz installiert, die Bildmaterial liefert und regelmäßig dokumentiert, dass der Marktplatz in Holzminden ein zentraler Treffpunkt für Bürger und Besucher ist, die hier zusammenkommen und damit der Innenstadt Flair geben. (bs)

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