Zum Inhaltsbereich springen
Samstag, 31. Juli 2010




TAH-Fotogalerie

Öffnet Fotogalerie

Brückenfest in Lauenförde und Beverungen

mehr

Öffnet Fotogalerie

200 Schafe überqueren
Fähre

mehr

Öffnet Fotogalerie

Experimente bei der Kinderuni

mehr

 

weitere Fotogalerien

radio.de-Player

Richard Löwenherz bereitet Otto den Weg zum Kaiserthron

Ein Coedex aus dem Jahr 1450 stellt die Begegnung von Papst Innozenz III. und Kaiser Otto IV. dar.

(31.10.09). Als 1198 der deutsche Kaiser Heinrich VI. stirbt, ist das Heilige Römische Reich Deutscher Nation in einer prekären Lage. Der Herrschaftsbereich des deutschen Kaisers reicht in dieser Zeit von Dänemark bis Sizilien, von Belgien und Burgund bis nach Polen. England, Frankreich und der Papst in Rom schauen mit Argusaugen auf die Verhältnisse im Deutschen Reich, um sich gegen das mächtige Reich in Mitteleuropa zu wehren. Um geordnete Verhältnisse zu garantieren, muss schnell ein neuer Kaiser her. Doch der Sohn des verstorbenen Kaisers Heinrich ist gerade einmal drei Jahre alt. Zudem gilt im damaligen Deutschland das Gesetz des Wahlkönigtums.
50 Reichsfürsten müssen jetzt bestimmen, wer neuer Kaiser wird, darunter sechs Erzbischöfe und 29 Bischöfe. Die Geistlichen Herren haben damals ein entscheidendes Wort mitzureden. Und als erstes sagen sie Nein zum Plan der Erbmonarchie. Bevor der Staufer Heinrich VI. starb, wollte er die Monarchie per Erbfolge festlegen. So soll sein Sohn Friedrich, obwohl noch ein Kind, automatisch sein Nachfolger werden. „Wir lassen uns das alte Recht der Königswahl nicht nehmen“, sagen Kölns Erzbischof Adolf I. von Altenau und der Thüringische Landgraf Hermann I. Denn das Wahlrecht bedeutet nicht nur Macht, sondern auch Geld. So mancher Fürst lässt sich bestechen, um bei der Wahl für einen bestimmten Kandidaten zu votieren. Und für die ausländischen Herrscher ist die Königswahl die beste Möglichkeit, einen Kaiser im Deutschen Reich zu installieren, der ihnen passt.
Englands König Richard Löwenherz erkennt 1198 die große Chance, die sich ihm bietet. Er ist seit neun Jahren englischer König und durch zusätzliche Besitzungen in Frankreich neben dem deutschen Kaiser einer der mächtigsten Männer der damaligen Welt. Kölns Erzbischof spielt dem Engländer in die Hände und bittet ihn, selbst für den deutschen Thron zu kandidieren. Denn das Adelsgeschlecht der Staufer will den dreijährigen Kaisersohn Friedrich wählen und schlagen aber bis zur Volljährigkeit des Erben seinen Onkel Philipp von Schwaben als Königskandidaten vor. Die Staufer und ihre Verbündeten handeln schnell. Eine Gruppe deutscher Reichsfürsten wählt am 6. März 1198 Philipp von Schwaben zum König und Kaiser. Das passt dem Kölner Erzbischof nicht.
Erzbischof Adolf I. und Richard Löwenherz beraten die neue Lage. Löwenherz verzichtet auf eine eigene Kandidatur und geht gemeinsam mit Adolf auf Kandidatensuche, um einen Gegenkönig zu Philipp zu installieren. Berthold V. von Zähringen scheint den Gegnern der Staufer ein geeigneter Kandidat zu sein, doch der will die vom Erzbischof geforderten 1.700 Silbermark als „Wahlgeld“ nicht zahlen. Ein guter Kandidat, so heißt es im Mittelalter, muss seine Wähler bezahlen können. Richard Löwenherz bringt schließlich seinen deutschen Neffen ins Spiel. Der 24-jährige Welfe Otto. Der junge Mann, der 1175 als vierter Sohn Heinrichs des Löwen geboren wurde, ging als kleines Kind mit seinem Vater ins englische  Exil, als Heinrich der Löwe vom Staufenkaiser Friedrich Barbarossa 1180 all seiner Ämter enthoben wurde.
Richard Löwenherz hält viel von seinem deutschen Neffen und fördert ihn. Zeitweise will er ihn sogar zu seinem Thronfolger machen, doch die englischen Adeligen wollen keinen „importierten König“. So wird Otto Herzog von Aquitanien, Graf von Poitou und verwaltet für Richard dessen französische Besitztümer. Mit den Geldern des englischen Königs und der Kölner Kaufleute, die von ihrem Erzbischof Adolf angeführt werden, wird Otto als Gegenkönig aufgebaut. In Mainz kommen am 9. Juni 1198 einige Reichsfürsten zusammen und wählen den Löwenherz-Neffen als Otto IV. zum deutschen König. Als ersten und einzigen aus dem Haus der Welfen.
Jetzt hat das deutsche Reich zwei Könige, Otto IV. und Philipp von Schwaben. Zehn Jahre dauert der Kampf zwischen den beiden um die Macht in Deutschland und Italien, das weiterhin zum Reich gehört. Am Ende hat der Staufer die Mehrheit der Fürsten auf seiner Seite und sich auch militärisch durchgesetzt. Otto IV. scheint am Ende zu sein. Doch 1208 bringt ein privater Streit die Wende. Otto von Wittelsbach hat mit Philipp von Schwaben eine private Fehde und nützt einen Besuch des Königs in Bamberg. Philipp wird ermordet. Jetzt ist Otto IV. einzig legitimer König. Fünf Monate nach dem Mord an Philipp wählen alle deutschen Fürsten Otto IV. zum König. Ein Jahr später wird er in Rom sogar zum Kaiser gekrönt.
Doch die starke Zeit des Welfen auf dem Kaiserthron ist nur von kurzer Dauer. Schon zwei Jahre nach der Kaiserkrönung gerät Otto IV. in Konflikt mit dem Papst, der ihn 1211 öffentlich exkommuniziert. Die Fürsten reagieren darauf und wählen 1212 den jetzt 17 Jahre alten Sohn des vorherigen Königs Heinrich als Friedrich II. zum neuen König. Gegen den Staufer hat Otto IV. keine Chance. Er kann nur die braunschweigischen Stammlande für sich und seine Familie sichern. Zwar kämpft er als nomineller König gegen den Gegenkönig Friedrich II., allerdings ohne Glück. Friedrich gewinnt schnell die Oberhand. Als Otto IV. 1218 unerwartet stirbt, ist der Streit zwischen Welfen und Staufern endgültig entschieden.
Otto IV. ist das Thema der großen und sehenswerten Niedersächsischen Landesausstellung, die noch bis zum 8. November in Braunschweig zu sehen ist. Die Geburts- und Sterbestadt des Welfenkaisers präsentiert im Braunschweigischen Landesmuseum, der Burg Dankwarderode und dem Dom St. Blasii zahlreiche Exponate aus der Zeit des Welfenkaisers. Die Ausstellung erzählt das spannende Leben des Welfen und illustriert die Machtkämpfe der damaligen Zeit. Zu sehen sind unter anderem der Ptolemäer-Kameo aus dem Kunsthistorischen Museum Wien, das Testament und der Kaisermantel Otto IV., der Kopenhagen-Psalter und mehrere Stücke aus dem Welfenschatz. Zur Ausstellung ist ein sehr kundiger und reich bebilderter Katalog erschienen. Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.ottoIV.de. (fhm)

zurück
nach oben
Täglicher Anzeiger Holzminden

© Täglicher Anzeiger Holzminden