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Donnerstag, 17. Mai 2012




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Rudolf Fuhrmann ist seit fast 70 Jahren Imker mit Leib und Seele

Imkeridylle in Bevern: Hier finden Bienen und Imker Fuhrmann ideale Bedingungen.

Holzminden (21.04.07). Im Alter von 14 Jahren ist Rudolf Fuhrmann der Imkerei verfallen. Sein Großvater, ein Förster, hatte ein Bienenvolk und weihte den Jungen in die faszinierende Welt der Bienen und des süßen Honigs ein. 1924 war das in Ludwigsdorf in Oberschlesien. Mit gebrauchten Kästen und eingefangenen Bienenschwärmen begann eine Leidenschaft, die bis heute anhält. Rudolf Fuhrmann ist jetzt 83 und der älteste Imker im Ortsverein Holzminden. Er wohnt in Holzminden, doch seine Bienen locken ihn täglich nach Bevern. Sieben Völker hält er zurzeit in seinem Bienenhaus und den beiden Magazinbeuten auf dem geliebten Gartengrundstück unter dem Burgberg, zwei daheim in der Danziger Straße in Holzminden. „Nach dem Aufstehen blicke ich aufs Thermometer. Dann weiß ich, wie die Bienen fliegen“, sagt der passionierte Imker. Von früh bis spät - nur unterbrochen vom Mittagsschlaf - ist Fuhrmann dann in seinem Garten hier zu finden. Nicht dass die Bienen so viel Arbeit machten: Er genießt ihre Anwesenheit und die blühende Idylle ringsum. „Das Letzte was ich aufgebe, sind die Bienen“, sagt Rudolf Fuhrmann, greift zu Zange und Haube, drückt dreimal auf den Blasebalg des Smokers (der Kräuter-Rauch stimmt die Bienen friedlich) und macht sich auf zum Bienenstand, die Rähmchen zu kontrollieren, in denen die Bienen ihren Wabenbau errichten, in dem der Honig gespeichert wird.
Rund drei Wochen früher als üblich sind die Bienen in diesem Frühling munter geworden. Die milden Temperaturen und die frühe Blüte lockten sie frühzeitig aus dem Stock. „Die Bienenvölker sind allerdings noch nicht so kräftig“, erklärt Fuhrmann. Das bedeutet, dass der Ertrag voraussichtlich geringer ausfallen wird: Es wird also weniger Pollen und Honig geben. Der sprichwörtliche Fleiß der Bienen ist beeindruckend: Eine Trachtbiene bringt 40 Milligramm Nektar und 20 Milligramm Pollen. Sie befliegt 200 bis 300 Blüten in 15 bis 30 Minuten. Zu einem Kilogramm Honig braucht es drei Kilogramm Nektar, 100.000 Ausflüge, 150 Millionen Blüten. Ein starkes Volk sendet pro Tag 10.000 bis 15.000 Bienen aus. Die Bienen holen den Honig nicht für den Imker. Er ist ihre Winternahrung, die der Imker erntet.
Obwohl in Fuhrmanns Garten die Kirschen blühen, haben seine Bienen eine andere Lieblingstracht in direkter Nachbarschaft: Gegenüber dem Garten steht das Rapsfeld in voller Blüte. Hier arbeiten die Honigbienen auf Hochtouren, fliegen hin und her - bis zu 600 Meter weit. Auch vor dem Magazin herrscht bei Temperaturen über 20 Grad Hochbetrieb. Der Imker warnt: „Lieber zur Seite treten. Meine Bienen sind sehr friedlich, aber während der Rapsblüte ist mehr Vorsicht geboten. Die Tiere sind dann aggressiver.“
Und prompt sticht eine Biene zu, verliert dabei ihr Leben. Ihr Stachel steckt in meinem Oberarm, die Muskeln pumpen das Gift unter die Haut. Der erfahrene Imker lächelt: „Bienenstiche schützen vor Rheuma“, sagt er und rät: „Den Stachel mit dem Fingernagel zur Seite wegkratzen, nicht mit zwei Fingern herausziehen. Dann drückt man erst das ganze Gift in die Wunde.“ Dann schmiert er die Stelle mit Systral ein. Nach zehn Minuten lässt der Schmerz nach. Später fällt mir der in Holz geschnitzte Spruch an Fuhrmanns Gartenhaus ins Auge: „Wenn dich mal eine Biene sticht, so geh vorbei und schimpfe nicht! Bedenke doch, dass du es bist, der störend hier im Wege ist“.
Nach dem Krieg nach Heinade verschlagen, begann Rudolf Fuhrmann auch im Weserbergland mit der geliebten Imkerei, trat schließlich 1952 in den Imkerverband Stadtoldendorf ein. Spätestens seit Rudolf Fuhrmann 1984 als Filialleiter der Firma Reifen-Müller in den Ruhestand trat, sind seine Bienen zum Lebensmittelpunkt geworden. Fast jede freie Minute verbringt er mit ihnen. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht - ganz im Gegenteil: Schon bald will er wieder zehn Völker in Bevern haben. Schließlich kommt er der Honignachfrage kaum nach…
Für Rudolf Fuhrmann ist die Imkerei mehr als ein Hobby, sie ist eine Erfüllung, für die Ehefrau Ingeborg großes Verständnis aufbringt, und die auch selbst firm ist im Umgang mit den nützlichen Insekten. Im Winter („Da hatte ich Pech mit einem Specht. Der hat Löcher in die Kästen geklopft.“) werden neue Rähmchen gebaut. Jetzt beginnt, auch früher als sonst, die hohe Zeit des Imkerjahres, stehen Völkervermehrung und Honigernte an. Dann kann Rudolf Fuhrmann „Ableger bilden“, die Völker teilen, und daheim die Frühtracht schleudern. Die Frühtracht wird etwa drei Wochen nach Befliegen der ersten Blüten (Raps, Obstblüte, Weide) geschleudert. Im Juni folgt die Ernte der Spättracht. Es ist für den Imker jedes Jahr wieder ein schönes Erlebnis, die entdeckelte Wabe zu schleudern und den frischen Honig abzufüllen: Ein sinnlicher Genuss für Auge, Nase und Gaumen! Mindesthaltbarkeitsdatum hin oder her - „der Honig hält mindestens fünf Jahre“, schwärmt Rudolf Fuhrmann (spe).

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