Fürstenberg (19.02.2011). Der französische Literat Honoré de Balzac hat die treffendste Beschreibung für Sammler verfasst: „Ich bin überzeugt, dass Sammler Millionäre sind – die leidenschaftlichsten Menschen, die es auf der Welt gibt.“ Es gibt unzählige Objekte der Begierde, die Sammler dazu verleitet, sie anzuschaffen und zuhause zu horten: Schallplatten, Elvis-Andenken, Flaschenkorken, Blech-Spielzeug, getrocknete Blumen, Bücher und natürlich auch Porzellan. Es gibt die merkwürdigsten Gründe, warum man Porzellansammler wird. Einer stopft sein ererbtes Porzellan in den luftig gebauten Schrank seiner Studentenbude und muss erleben, wie das schwedische Steckspiel unter der Last des weißen Goldes zusammenbricht. Als er sich auf die Suche macht, die zerstörten Teller und Tassen aus Sentimentalität zu ersetzen, packt ihn das Sammelfieber.
Bei einem anderen Sammler war der Blick in ein Schaufenster der Auslöser. Ein Möbelstück zog den jungen Mann magisch an, der Anfang war gemacht. Bei der Jagd nach weiteren Möbelstücken fand der Sammler seine wahre Liebe. Eine Vase auf einem Sekretär verband ihn für immer mit dem edlen Porzellan. Und ein dritter Sammler darf seine Leidenschaft dem starken Willen seines Sohnes und der Vaterliebe verdanken. Der Junior wollte unbedingt Stücke aus der Fürstenberger Manufaktur haben und der Senior folgte dem Wunsch seines Jungen. Das Interesse des Kindes ebbte schnell ab, der Vater allerdings ließ sich durch die Sammellust infizieren.
Einige dieser leidenschaftlichen Sammer fanden sich jetzt durch die Initiative des Freundeskreises Fürstenberger Porzellan zusammen, um aus ihren privaten Schränken, Vitrinen und Wohnzimmern die schönsten Stücke der eigenen Sammlungen der Öffentlichkeit zu präsentieren. „Sammellust“ heißt die Schau, die derzeit im Museum im Schloss Fürstenberg zu sehen ist und in vielerlei Hinsicht einzigartig ist. Denn teilweise sind die ausgestellten Stücke noch niemals gezeigt worden.
Seltene Figuren, Vasen und Serviceteile mit wunderschönen Blau- und Buntmalereien aus der Anfangszeit Fürstenbergs im 18. Jahrhundert, reich bebilderte Tassen aus der Empire-Zeit, seltene Stücke aus der Zeit, als Fürstenberg „manufacture royale“ während der napoleonischen Besatzung war, werden genauso präsentiert wie Kannen und Tassen aus den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts und Exponate des Industrie-Designs aus der Zeit des Wirtschaftswunders. Selbst äußerst seltene und in dieser Schönheit bislang unbekannte Bonbonnieren und Vasen im Stil des Art déco sind erstmals zu sehen.
Die Ausstellung, die noch bis zum 3. April sonnabends und sonntags von 10 bis 17 Uhr zu sehen ist, hat jetzt einen positiven Begleiteffekt hervorgebracht. Im Holzmindener Verlag Jörg Mitzkat ist das Begleitbuch zur Ausstellung „Sammellust“ erschienen. In diesem Werk, das vom Fürstenberger Museumsleiter Thomas Krueger herausgegeben wird, präsentieren Sammler ihre schönsten Fürstenberger Porzellanteile und erzählen, wie sie zum Sammeln gekommen sind. Außerdem finden sich in den Beiträgen der Privatexperten herausragende Ausführungen über bislang ungeklärte Fragen der Fürstenberger Porzellangeschichte und der verschiedenen Stilepochen.
Die Beiträge der einzelnen Sammler beschäftigen sich einerseits mit den Sammlerhistorien an sich als auch mit Spezialfragen wie den Fürstenberger Figuren, den Porzellanmaler Andreas Philipp Oettner (1735 bis 1792), die Produktionslinie F19 bei Tassen und die Designlinien des 20. Jahrhunderts. Das 128 Seiten starke Buch ist durchgehend bebildert. Thomas Krueger selbst hat ebenfalls einen Beitrag verfasst und damit alles Wichtige über Fürstenberg und das Porzellan zusammengetragen. Hier liest man kompakt, verständlich, übersichtlich und lebendig dargestellt die Geschichte der Porzellanmanufaktur, hier erfährt man das Wichtigste über das weiße Gold in den verschiedenen Epochen und bekommt Hinweise, wie man das eigene Porzellan einschätzen und bestimmen kann. Allein dieser Beitrag macht das Buch „Sammellust“ (ISBN 978-3-940751-29-4) mehr als lesenswert. (fhm)

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