Holzminden (25.08.07). Der „Gruß an Kiel“ hat es in sich. „Noch mal das Trio“, kommandiert Stefan Kösterke. Und das Trio trilliert. Einmal. Zweimal. „Jetzt die Trommeln“, blickt der Ausbilder nach hinten. Und die Trommelstöcke wirbeln. Vorn greift Kösterke zur Querflöte. „Jetzt alle zusammen“, richtet er sich an die Spielleute. Und jetzt hat der „Gruß aus Kiel“ Gewicht, gibt sich der Jugendspielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Holzminden als der Klangkörper, den Kösterke aus ihm formen will. „Gut“, ist sein knapper Kommentar. Und dann: „Noch einmal von vorn“. Einmal wöchentlich greifen die Spielleute des Jugendspielmannszug zu Trommelstock und Querflöte. „Keine Pfeife“, wie Uwe Marquardt lächeln klarstellt. Marquardt leitet seit 19 Jahren den Jugendspielmannszug, gibt den Takt an, wenn die Musiker im Alter von zehn bis 54 Jahren in den Marschschritt einschwenken. Dabei blasen sie bei weitem nicht nur den Marsch. Neben dem Marsch der hannoverschen Pioniere, dem Großen Zapfenstreich und Preußens Gloria hört man von den traditionell in Feuerwehrblau auftretenden Spielleuten neuerdings auch ganz ungewohnte Töne. „Ci Torcadero Mambo“ zum Beispiel, „I will follow him“ von Sister Act, oder „Spanish eyes“ und den Gospel „Michael row the boat“. „Schuld“ daran ist Stefan Kösterke, der Mann, den der Spielmannszug als Ausbilder gewinnen konnte, genau aus diesem Grund: moderner wollen die 35 Aktiven sein, Spaß machen soll die Musik - und überraschen.
„Kräftig, nicht laut. Wir wollen Musik machen, keinen Krach“, fährt Kösterke dazwischen, als die Trommeln im Übungsraum im Feuerwehrgerätehaus zu sehr dominieren. Die trommeln, die sind auch beim Jugendspielmannszug in Holzminden Männersache. „Die Jungs, das sind die Trommler. Die Flöte ist mehr was für Mädchen“, schmunzelt Uwe Marquardt, der aber sehr wohl weiß, dass es schwierig ist, dem kleinen Ding aus Metall die Flötentöne zu entlocken. „Man muss so blasen, als hätte man ein Haar an der Lippe“, verrät er, und auch, „dass wir viele haben, die sich am Anfang schwer tun, einen Ton rauszukriegen“. Die guten Tipps von den erfahrenen Flötisten helfen da. „Und es gibt Atemtechniken“. Notenlehre steht für die Anfänger auf dem Stundenplan. Und der Ehrgeiz, einen sauberen Ton rauszubringen. „In der Regel heißt es zwölf Monate üben, bevor es an die öffentlichen Auftritte geht“, erklärt Marquardt. Und dann kommen die Neuen erst einmal in die Mitte. „Da darf man sich dann auch mal verspielen“.
Mindestens 20 Musiker sollten schon dabei sein, wenn ein Auftritt ansteht, „das ist die Sollstärke fürs Marschieren“. Und auch das ist gar nicht so einfach, wie es aussieht. „Es gibt viele, die konzentrieren sich so aufs Spielen, dass sie mit dem Marschieren nicht klarkommen“, erzählt er von weiteren Anfängerproblemen. Deshalb gibt es beim Jugendspielmannszug Holzminden regelmäßig Übungsrunden auf dem Hof.
In genau festgelegter Formation marschieren die Flötisten und Trommler dann. Und nur, wer genau hinsieht, bemerkt die Unterschiede. Flöte ist nämlich nicht gleich Flöte. Von der kleinen Diskant-, über die Sopran- und Altflöte bis hin zur Tenorflöte reicht die Instrumentenbestückung. Dazu kommen Trommeln, die große Marschtrommel und das Becken.
Durchschnittlich 30 bis 35 Auftritte meistern die Mitglieder des Jugendspielmannszuges, die allesamt der Freiwilligen Feuerwehr Holzminden angehören. Bei Hochzeiten, zu Geburtstagen, bei Festumzügen - wie jetzt am Sonntag zum großen Schützenfestumzug in Holzminden - sind sie dabei. In einem Umkreis von rund 25 Kilometern werden sie eingeladen und repräsentieren die Farben der Holzmindener Feuerwehr.
Offiziell gehören die Spielleute der Holzmindener Jugendfeuerwehr an - inzwischen ganz unabhängig vom Alter. „Früher mussten die Musiker, wenn sie über 18 Jahre alt waren, in die Wehr eintreten oder austreten. Jetzt aber ist die Altersgrenze endlich vom Gesetzgeber aufgehoben worden. Jetzt sind es reine Feuerwehrmusiker“, atmet Ortsbrandmeister Manfred Stahlmann auf, auch in Holzminden. Allein Uwe Marquardt ist auch aktiver Feuerwehrmann.
In der Feuerwehr zusammengefunden haben sich damals übrigens zwei Spielmannszüge. Die Holzverzuckerung und Wesersperrholz hatten eigene Klangkörper, die irgendwann Probleme bekamen, Jugendliche für ihre Musik zu begeistern. Außerdem gab es Terminüberschneidungen und irgendwann die Initiative, die beiden Spielmannszüge zusammenzufügen und unter das Dach der Feuerwehr zu stellen. Seit 1973 ist aus diesem Spielmannszug ein Jugendspielmannszug geworden.
Und in dem wird Jugendarbeit groß geschrieben. „Vier Flöten“, sagt Uwe Marquardt, „sind zurzeit in der Ausbildung“, weitere Jugendliche, die sich für die Musik interessieren sind herzlich willkommen. (Infos bei Uwe Marquardt unter 05531/4974). Geübt wird jeden Donnerstag. Die Anfänger spielen von 18 bis 18.45 Uhr, der Stammzug von 19 bis 20.30 Uhr. Und dann gibt ganz allein Ausbilder Kösterke den Ton an, bestimmt, angenehm und mit Lust an der Musik. „Ich höre schon, wo du Probleme hast“, sagt er und weiß, seine Tipps fallen bei den Spielleuten auf fruchtbaren Boden (bs).







