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Bevern (30.01.10).Man könnte Bevern für das Zentrum einer neuen Völkerwanderung halten. 1988 verschlug es die Balten in den kleinen Ort, 1995 folgten die Ostgoten, 2003 zogen die Vandalen ins Schloss ein und jetzt sind gleich vier Völker auf dem Weg nach Bevern. Wenn am 27. März die neue, große Ausstellung „Das silberne Pferd“ im Weserrrenaissance-Schloss Bevern eröffnet wird, stehen thematisch die historischen Völker der Skythen, Sarmaten, Hunnen und Krimgoten im Mittelpunkt des Interesses. Wer waren diese Volksgruppen, von denen man bisher höchstens im Schulunterricht gehört hatte? Der TAH stellt diese historischen Volksgruppen vor.
Die Nomadenvölker der Skythen
Die Skythen gehören zu den frühesten Nomadenvölkern, die auf Pferden durch die Länder zogen und etwa ab 1.000 vor Christus im Steppenland nördlich des Schwarzen Meeres bis hin zum Dnepr lebten. Von den Skythen selbst gibt es nur direkte Nachrichten durch archäologische Ausgrabungen, von denen einige in der Ausstellung in Bevern präsentiert werden. Die meisten archäologischen Funde stammen aus Grabhügeln, den sogenannten Kurganen. Die meisten Funde stammen aus der Zeit zwischen dem 7. und 3. Jahrhundert vor Christus.
Der griechische Schriftsteller Herodot (490 bis 424 vor Christus), der allgemein als „Vater der Geschichtsschreibung gilt, berichtet als erster von diesem Volk, das sowohl über den Kaukasus und Kleinasien als auch durch das heutige Rumänien hindurch Kontakt zu den Griechen hatte. Nach heutigen Erkenntnissen fielen die Skythen im 8. Jahrhundert in die Gebiete nördlich und östlich des Schwarzen Meeres ein und verdrängten die Kimmerer. Im 7. Jahrhundert vor Christus unternahmen sie Raubzüge in Vorderasien bis nach Palästina und Ägypten hin. Um 340 vor Christus dringen sie bis an die Donau vor und geraten in Konflikt mit den Makedonen Alexander des Großen. Durch Verhandlungen verhindert Alexander einen direkten Konflikt mit den Skythen. Kurz danach endet aber die starke Zeit dieses Reitervolkes. Die Krieger auf ihren schnellen Rössern werden zunehmend durch die Sarmaten verdrängt. Reste der skythischen Herrschaft können sich noch einige hundert Jahre auf der Krim halten, werden aber um 300 nach Christus von den Goten vernichtet.
Die Reitervölker der Sarmaten
Als Sarmaten wird ein Zusammenschluss von Reitervölkern aus dem heutigen Iran benannt, die erstmals im 5. Jahrhundert vor Christus erwähnt werden. Sie siedelten – anscheinend als Verwandte der Skythen – in deren ursprünglichem Siedlungsgebiet in Südrussland und der Ukraine und verdrängten dann die Skythen. Knapp 600 Jahre lang gehörte diese Volksgruppe zu den bestimmenden Faktoren der Region rund um das Schwarze Meer, des Nahen Ostens und Kleinasiens. Erst durch den Einfall der Hunnen im Jahr 370 nach Christus und die dadurch folgende Völkerwanderung endete die Konföderation und Herrschaft der Sarmaten.
Wie bei den Skythen ist wieder Herodot der erste Schriftsteller, der von den Sarmaten berichtet. Der Geschichtsschreiber erzählt, dass die Skythen, die 513 vor Christus von den Persern angegriffen wurden, Hilfe von den Sarmaten bekamen. Später bereiten die Sarmaten besonders den Römern große Sorgen. Sie überfielen immer wieder das Römische Reich, wobei sie sowohl über die Donauregion als auch durch den Kaukasus und Kleinasien zu den Städten und Lagern des Imperium Romanum vorrückten. Getreu dem Wahlspruch „Kannst du sie nicht besiegen, mach sie zu Verbündeten“ wurden ab dem 2. Jahrhundert nach Christus Sarmaten als Hilfstruppen angeworben und sogar ab dem 3. Jahrhundert nach Christus im römischen Reichsgebiet angesiedelt. Allein in Gallien und Italien sind 18 sarmatische Siedlungen bekannt. Auch in Krefeld wurden Überreste sarmatischer Truppen im Dienste der Römer gefunden. Die Sarmaten, die als gepanzerte Lanzenreiter gefürchtet waren, dienten als „Kataphrakten“ in der römischen Legion. Mit vier Meter langen Lanzen stürmten sie in den Kampf. Auch die Reflexbögen, mit denen die Krieger ausgestattet waren, wiesen große Reichweite und Durchschlagskraft aus.
Die sarmatischen Stämme stellten aber kein einheitliches Volk dar, sondern waren ein Zusammenschluss aus verschiedenen Gruppen und Volksscharen, die durch eine gemeinsame Kultur verbunden waren. Zu den sarmatischen Stämmen gehörten die Aorsen, Jazygen, Alanen, Roxolanen, Siraken, Massagten und Maioken. Die Hunnen beendeten die Vorherrschaft der Sarmaten und zerschlugen das weitläufige Stammesbündnis. Die letzten Sarmaten, die sich ebenfalls wie die überlebenden Skythen auf die Krim zurückgezogen hatten, wurden dann von den Goten ausgelöscht.
Die Hunnen stürmen nach Europa
Die Hunnen sind Reitervölker aus Zentralasien, die als Nomaden lebten und schließlich im 4. Jahrhundert nach Christus für Schrecken und Angst in ganz Europa sorgten. Bis dahin lebten sie in den Steppenlandschaften zwischen Wolga und Don, begannen aber ohne einheitliche Führung immer wieder nach Westen vorzustoßen. 375 nach Christus wird offiziell als Jahr des Hunneneinfalls und Beginn der Völkerwanderung festgelegt. Knapp hundert Jahre lang überfielen die Hunnen mit ihren kleinen, schnellen Pferden die Völker in Europa. Der Hunnensturm endete erst 453 nach Christus mit dem Tod ihres Führers Attila. Danach zerstreuten sich die einzelnen Stämme, wobei einige Gruppen in Europa blieben und als Hilfstruppen im Dienst des byzantinischen Kaisers in Konstantinopel dienten.
Die Hunnen verdankten wie die Skythen und Sarmaten ihre Erfolge hauptsächlich ihrer Reitkunst und konnten sogar weitere Verbesserungen einführen. Sie waren die ersten Reiter, die auf stabilen Sätteln mit Steigbügeln ritten. Dadurch konnten sie beide Hände zum Bogenschießen nutzen und mit den Schenkeln die Pferde dirigieren. Den Römern war diese Technik völlig unbekannt. Sie wurden durch die schnellen Angriffe der Hunnen immer wieder überrannt und vernichtend geschlagen. Die Sättel finden sich oft bei hunnischen Kriegern als Grabbeigaben. Genau wie die Skythen und Sarmaten nutzten die Hunnen bei ihren Feldzügen eine bestimmte Technik, die als „Parthisches Manöver“ bekannt wurde. Ein reitender Bogenschütze schießt im vollen Galopp nach hinten. Diese Technik wurde deshalb „Parthisches Manöver“ genannt, weil erstmals Plutarch bei seinem Bericht über die Niederlage des römischen Feldherrn Marcus Licinius Crassus detailliert über diese Schusstechnik berichtete. Diese Schlacht verlor Crassus gegen die Parther, einem Nachbarstammt der Sarmaten.
Das Ende der letzten Goten
Der letzte der vier Stämme, die im Mittelpunkt der Ausstellung „Das silberne Pferd“ in Bevern stehen, ist die Gruppe der Krimgoten. Sie sind aus demjenigen Teil der Goten hervorgegangen, die sich 257 nach Christus auf der Krim niederließen und dort zu Verbündeten Roms wurden. Während der Großteil des gotischen Volkes später weiterzog, blieb diese Gruppe auf der Krim und errichtete dort eine eigene Herrschaft. Mehrere Versuche der Goten unter dem König Theoderich, ihre krimgotischen Brüder nach Italien zu locken, lehnten diese ab. Nach dem Untergang der Goten in Italien in der Mitte des 6. Jahrhunderts setzten sich die Krimgoten auf der Halbinsel fest, vernichteten die letzten Überreste der Sarmaten und Skythen und gründeten dort mehrere Fürstentümer. Sie blieben dem christlichen Glauben verbunden und behielten selbst, als Russland immer stärker wurde, ihre Unabhängigkeit und ihre krimgotische, germanische Sprache. Die Krimgoten wurden erst 1475, also genau 1.100 Jahre nach der Völkerwanderung, von den Türken geschlagen. Die letzten Sprecher der krimgotischen Sprache verschwanden im 18. Jahrhundert.
Allen vier Völkern und Stämmen ist eins gemeinsam: die Unterwerfung anderer Völker vom Pferderücken aus. Und dazu die Ausgrabung und Wiederentdeckung durch deutsche und polnische Archäologen im 19. und 20. Jahrhundert. Das wird in der Ausstellung „Das silberne Pferd“ in Bevern demnächst gezeigt. Die Ausstellung dauert vom 27. März bis 24. Oktober und kann täglich von 10 bis 17 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr, im Weserrenaissance-Schloss Bevern besichtigt werden. Weitere Informationen über diese Ausstellung über ein Kapitel europäischer Vor- und Frühgeschichte gibt es im Internet unter der Adresse www.dassilbernepferd.info. (fhm)

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