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Donnerstag, 17. Mai 2012




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Stadtoldendorfer sind die "Big Brothers" in der Expo-Zentrale

Stadtoldendorf (22.07.00). Gewaltig. 40 Bildschirme sauber nebeneinander angeordnet flimmern stumm vor sich hin. Dazwischen drei Großbildleinwände. Es ist wirklich alles zu sehen. Pavillions, Menschen, Straßen. 253 schwenkbare Kameras, über das ganze Gelände verstreut, geben den Blick frei auf jeden Flecken des riesigen Expo-Geländes. Da muss man aufpassen, vor lauter Überblick nicht den Überblick zu verlieren, in der Expo-Sicherheitszentrale.

Gut 30 Mitarbeiter sitzen in dem Großraum-Büro, unauffällig untergebracht in Halle 21. Vor der Videowand aufgereiht an drei Reihen mit Schreibtischen, bestückt mit Telefon und Computerbildschirm. Der Geräuschpegel ist gedämpft, die Stimmung ruhig. Mittendrin: Soldaten aus Stadtoldendorf. Ein gutes Dutzend der Homburgstädter ist in der Expo-Sicherheitszentrale beschäftigt. Am "Helpdesk" Störungsanrufe entgegen nehmen, ist eine ihrer Aufgaben. Die Betriebstechnik steuern oder die große Monitorwand bedienen, gehört auch dazu. Die Stadtoldendorfer sind die "Big Brothers" der Weltausstellung.
Jens Schulze-Klingemann ist einer von ihnen. Er hat seinen Platz in der ersten Reihe vor der Videowand. Ausgestattet mit zwei Bildschirmen. "Das macht großen Spaß hier", versichert der junge Soldat. Schon klingelt schüchtern sein Telefon. Jens nimmt ab, legt den Hörer daneben. Er telefoniert über Mikrofon und Kopfhörer. So hat er die Hände frei, huscht mit seinen Fingern über die Computer-Tastutur und hört zu. Eine etwas aufgeregte Expo-Hostess ist in der Leitung. "Die Mülleimer zwischen dem spanischen und griechischen Pavillion quellen über", sagt sie. "Sie sind seit Stunden nicht geleert worden." Kein Problem für den Stadtoldendorfer. Nur zwei Knöpfe am Computer drücken, schon wandert die Meldung per Computernetz an die zuständige Stelle. In wenigen Minuten wird ein Müllwagen auf dem Expo-Gelände für Ordnung sorgen. Alltag für die Expo-Bewacher.
Große Störungen sind in den Expo-Wochen bislang nicht angefallen. "Mal fällt ein Licht aus, mal sind Warteschlangen zu lang, mal ist es Anwohnern abends zu laut", zählt Feldwebel Thomas Jost auf, der ebenfalls in der Sicherheitszentrale sitzt. Hektisch war es in der Sicherheitszentrale nur in der ersten Expo-Woche. "Inzwischen hat sich das meiste eingespielt", sagt der Feldwebel. "Hallenbetreiber wissen bei kleinen Problemen mittlerweile selber, an welche Stelle sie sich wenden können."
Ganz zur Ruhe kommen die Überwacher, die in Zwölf-Stunden-Schichten arbeiten, aber nicht. Auch nicht in der Nacht. Zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens öffnet sich das "Logistik-Fenster". Dann rücken die Lieferwagen für Pavillions und Gastronomen an. Tagsüber dürfen sie nicht auf das Gelände. Und die Sicherheitszentrale wacht darüber, dass nur angemeldete Lkw durch die Schranken kommen.
Nachts gehen auch Beschwerdeanrufe ein. Wenn sich eine Anwohnerin zum Beispiel über Lärm beklagt, kann das auch zur Folge haben, dass ein Expo-Gastronom jetzt nach 22 Uhr seinen Müll nicht mehr entsorgen darf. Alles geregelt. Zentral überwacht vom Sicherheitsbüro. Und sogar, ob Mülleimer tatsächlich überquellen, kann per Kamera und Videowand schnell einmal überprüft werden.
Nur in einer Situation waren die Überwachungskameras nicht zur Stelle. Als sich ein bekannter niedersächsischer Prinz vor drei Wochen am türkischen Pavillion erleichtert haben soll. "Wir sehen nur die Kameras, die in dem Moment auf unserer Videowand aufgeschaltet sind", erklärt Thomas Jost "Der türkische Pavillion war gerade nicht dabei". Selbst auf den 40 Bildschirmen hat nur eine Auswahl vom dem Platz, was die 253 Kameras sehen. "Und die Aufnahmen werden nicht aufgezeichnet", so Jost weiter. "Das wäre schon ein großer Zufall gewesen, wenn wir das mitbekommen hätten." (nig)

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