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Donnerstag, 17. Mai 2012




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Von der „Quickly“ bis zum „Opel-Kühlschrank“

Das Flair der 50er Jahre spiegelt sich auch in dieser „Strandszene mit Lambretta” wider.

Eschershuasen (24.04.04). Mehr zufällig ist Günter Dischereit vor 15 Jahren auf eine alte „NSU-Supermax“ gestoßen. Spontan hat ihm das 1956 gebaute Motorrad mit den typisch außen liegenden hinteren Federbeinen imponiert. Aus seiner Begeisterung für die „Supermax“ entstand eine Leidenschaft für alte NSU-Motorräder. Aus der ersten Maschine sind inzwischen mehr als 70 geworden. Genug, um sie jetzt in einem Museum zu zeigen. Am 1. Mai eröffnen Günter Dischereit und seine Frau Astrid die Pforten ihres Motorrad-Museums auf dem Amtshof in Wickensen.

Auf insgesamt rund 800 Quadratmetern Fläche im Gutshof sollen aber nicht nur die Liebhaber alter Motorräder auf ihre Kosten kommen. Ergänzt wird die Motorrad-Ausstellung durch einen Nostalgie-Bereich, in dem die Besucher mit viel Liebe zum Detail in die 50er Jahre zurück versetzt werden.
Das Herzstück des Museums bildet die in dieser Region einzigartige Motorrad-Ausstellung. Vom Moped-Klassiker, der „NSU-Quickly“ (dabei natürlich die seltene „Cavallino“) bis zur „Quick 50“, mit der NSU die Produktion von Motorrädern 1965 einstellte, hat Dischereit alle Nachkriegs-Modelle komplett.
„Ich bin jetzt vor allem auf der Suche nach Vorkriegsmodellen“, erklärt der 63-Jährige, während er durch die Ausstellung führt. Zu fast jeder Maschine weiß er eine Geschichte zu erzählen. Die „Sportmax“ mit Straßenzulassung ist ein Einzelstück, gefertigt von einem NSU-Ingenieur. Die 500er und 600er sind alte Wehrmachtsmaschinen, die aus Lettland kommen. Und natürlich zu seinem ältestem Stück, einer „501 T“ aus dem Jahre 1927. Sie wird in Fachkreisen „Neckarsulmer Traktor“ genannt.
Fast alle Maschinen hat er in mühsamer Kleinstarbeit restauriert. Seit Jahren verbringt der Sammler seine Wochenenden auf Motorrad-Teilemärkten in ganz Deutschland und auch im benachbarten Ausland.
Zwar könne die Restauration einer Maschine schon einmal bis zu einem Jahr dauern, oft ist aber das Hauptproblem, die originalen Teile aufzustöbern. Gelingt das nicht, muss auch schon mal selbst etwas „gedreht“ und „verchromt“ werden. Detailgenauigkeit ist dabei oberstes Gebot.
Highlights im Motorrad-Bereich des Museums sind neben den zahlreichen Raritäten die Motorräder in der Kulisse ihrer Zeit. Vom nachgebildeten 50er-Jahre-Verkaufsraum, der zugleich Büro und Ersatzteillager war, führt der Weg an den Strand. Dort hat sich die junge Familie bereits zum Picknick und Sonnenbad eingerichtet. Zum Ausflug geht es natürlich mit der „Lambretta“. 1950 stellte NSU seinen Auto-Roller auf der Frankfurter Automobilausstellung vor. In knalligen Farben wurde die „Lambretta“ - angepriesen als Fahrzeug für die moderne Frau und den korrekt gekleideten Mann - innerhalb kurzer Zeit zum meistverkauften Motorroller dieser Zeit. Bis zum Ende der Zweirad-Ära verkaufte NSU rund 275.000 Exemplare der am Ende fünf verschiedenen Typen.
Auf Erinnerungsreise in die 50er Jahre geht es anschließend in der Nostalgie-Ausstellung des Museums. „Wir wollen natürlich auch den Besuchern etwas bieten, die sich nicht ausschließlich für Motorräder interessieren“, erklärt Dischereit.
Vom Gemischtwarenhändler führt der Weg entlang des „modernen Jugend-Zimmers“ durch die gute Stube und schließlich in die Küche der Nachkriegs-Zeit mit dem originalen „Opel-Kühlschrank“. Nierensessel, Röhren-Radios, Tonbandgeräte und auch die passende Tapete versetzen die Besucher schnell zurück in die 50er Jahre.
Wer nach dem Bummel durch das Museum Hunger bekommen hat, ist auf dem Gutshof zukünftig auch gut aufgehoben. Denn zum Museum gehört das Restaurant „Gutshof Cafe“. Es öffnet am gleichen Tag seine Pforten und bietet neben Kaffee und Kuchen in einer stilvollen Atmosphäre eine „gut bürgerliche Küche“ und Platz für rund 75 Gäste.
Danach bietet sich ein Abstecher zum neuesten Prunkstück der Dischereits an. Es trägt jetzt den Namen „Gutshof-Hobby-Mobil“. Ein alter Londoner Doppeldecker-Stadtbus (Baujahr 1955), der nach seiner Ausmusterung jahrelang für die Firma „Revell“ auf Werbe-Tour ging. Eine Leidenschaft hat begonnen. Platz ist noch genug in den Räumen rund ums Museum. (ste)

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