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Sonntag, 5. Februar 2012




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Von Gollnow nach Holzminden

Herbert Laabs präsentiert die außergewöhnliche Firmenchronik. Foto: Translimes-Media

Holzminden (07.08.2010). Unter dem Titel „Von Gollnow nach Holzminden – ein Unternehmen im Wandel der Zeit“ hat die Holzmindener Laabs GmbH jetzt ein außergewöhnliches Firmenporträt vorgelegt. Das Buch ist jedoch mehr als nur die Geschichte eines erfolgreichen Familienunternehmens – es ist eine beeindruckende Dokumentation von mehr als 120 Jahren Geschichte.
Der einfache Tischlergeselle Willi Laabs aus Pommern hatte einen Traum – und er verwirklichte ihn: Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war sein Unternehmen „Wilago“ der drittgrößte Serien-Möbelhersteller in Deutschland. Das Kriegsende zerstörte das Lebenswerk von Willi Laabs. Im Sommer 1945 starb er. Seine Frau und ihre sieben kleinen Kinder wurden aus der Heimat vertrieben. Nach einer Odyssee fanden sie in Holzminden eine neue Heimat. Dort wurde die Firma Laabs wieder aufgebaut – und entwickelte sich erneut zu einem gefragten und gut gehenden Möbelunternehmen. Eine große Krise in der Branche führte Laabs in ein völlig neues Geschäftsfeld. Heute gehört die Laabs GmbH zu den erfolgreichen Unternehmen im Kunststoff-Recycling.
In dem reich bebilderten Werk werden in beeindruckender Weise die großen historischen Ereignisse lebendig und damit anschaulich mit den Geschehnissen der Firma und den privaten Geschichten der Familie Laabs und ihrer Mitarbeiter verwoben.
Diese Chronik ist ein Dokument der Überlebenskunst. Es gibt Antworten auf die Frage, wie man mit Schicksalsschlägen umgeht, wie man sie übersteht, ohne die Zuversicht zu verlieren. Den Lesern werden die Lebensumstände der Vorfahren näher gebracht.
Drei Ziele verfolgt dieses Buch: Erstens sollen Zusammenhänge der Firmengeschichte Laabs dokumentiert werden. Zweitens soll den Mitarbeitern und Kunden vermittelt werden, dass die eigene Firmengeschichte Bedeutung für das Leben und Wirken eines jeden Mitarbeiters hat. Denn Zukunft braucht Herkunft. Und drittens soll das Buch all jenen Menschen, die sich für das Unternehmen Laabs interessieren, einen Blick „hinter die Kulissen“ ermöglichen.
Das Buch „Von Gollnow nach Holzminden – ein Unternehmen im Wandel der Zeit“ beschreibt nicht nur ein außergewöhnliches Unternehmen, es ist selbst in der Qualität außergewöhnlich. Es liest sich spannend und flüssig und der Leser erfährt viel Wissenswertes.

Zivilcourage in der Nazizeit bewiesen
Leseproben aus der Firmenchronik „Von Gollnow nach Holzminden“
Aus dem Jahr 1923:
„…Willi Laabs rettet mit seiner weitsichtigen und höchst unkonventionellen Anweisung „wir ernten Kartoffeln“ die junge Firma. Mit seinen 200 Fabrikangehörigen ist er im Herbst zur Kartoffelernte auf die benachbarten Güter ausgezogen. Clever wie er ist, achtet Laabs darauf, dass die Bezahlung der geleisteten Arbeit in Kartoffeln erfolgt, nicht in Inflationsgeld. Von den Gütern kauft er zudem noch weitere große Mengen an Kartoffeln auf, die in den neuen Fabrikhallen gelagert werden. Die Produktion von Möbeln ist bis auf eine geringe Stückzahl reduziert worden. Als dann im Winter die Inflation durch die neue Rentenmark überstanden ist und die wirtschaftliche Situation sich entspannt, kann „Wilago“ die begehrten Kartoffeln gegen die neu eingeführte deutsche Reichsmark eintauschen. Laabs` soziales Verständnis bringt auch den Fabrikarbeitern bedeutende Vorteile: Auch sie waren mit der begehrten Knollenpflanze „entlohnt“ worden und konnten so eigene Kartoffelvorräte anhäufen. Mit den Einnahmen, die jetzt in Rentenmark verbucht werden, kann Willi Laabs die zahlreichen Kredite ablösen – und behält dabei sogar noch einen beachtlichen Überschuss…“
Aus dem Jahr 1938:
„…In der Januar-Ausgabe des radikalen nationalsozialistischen Hetzorgans „Der Stürmer“ wird Willi Laabs an den Pranger gestellt… Auf Seite 6 dieser Schmähschrift steht unter der Überschrift „Sie haben jüdische Vertreter“: „In Berlin gibt es noch eine ganze Anzahl von Juden, die auch heute noch deutsche Geschäfte vertreten. Unter ihnen sind folgende zu nennen.“ Dann steht an erster Position: „Der Jude Julius Löwenhaar, Berlin-Halensee, Joachim-Friedrich-Straße 45, vertritt die deutsche Firma Laabs, Gollnow (Pom.)...“ Diese „Stürmer“-Attacke zeigt ihm deutlich, dass er sich im Fadenkreuz einiger radikaler Nationalsozialisten befindet. Angst oder gar Kleinmut ist indes nicht die Sache von Willi Laabs. Er verfügt, was bei den meisten Menschen nicht allzu stark ausgeprägt ist: über Zivilcourage. Und so stellt er sich vor seinen angegriffenen Mitarbeiter. Sein „Wilago“-Vertreter Julius Löwenhaar ist ein hervorragender Mitarbeiter, teilt er einem NS-Parteifunktionär mit und er denke nicht daran, die Zusammenarbeit mit gerade diesem in Berlin so wichtigen Mann nur aufgrund seines Glaubens aufzukündigen.…“
Aus dem Jahr 1954:
„…Im Juni 1954 ist es dann soweit: Ein neues Kapitel in der Firmengeschichte Laabs beginnt. Zusammen mit dem 22jährigen Bernd startet Paula ihre Geschäftsaktivitäten in einer alten Garage. Die Marktbeobachtung hatte ergeben, dass ein großer Bedarf an Betten bestand. Immer noch leben viele Menschen in Behelfsheimen. Und so beginnt mit einem Späne-Kanonenofen und einigen kleinen gebrauchten Maschinen die Produktion von Matratzenrahmen. Rasch zeigt sich, die Geschäftsidee schlägt wie eine Bombe ein. …Die Absatzlage ist sogar so gut, dass die Räume im Lüchtringer Weg 22 nicht mehr ausreichen. Das Wohnhaus wird um ein Drittel verlängert. Vieles geschieht in Eigenarbeit, natürlich wird selbst gemauert. (…) Ein alter, zerlegter Wellblechschuppen wird aus dem sauerländischen Alterna herangekarrt und wieder aufgebaut. Es werden gebrauchte Maschinen von der sehr hilfsbereiten Firma Kuper in Rietberg über einen „Maschinenkredit“ erworben. Die Elektroarbeiten führen Paul und Wolfgang Zeidler aus, wobei Paul Zeidler als Senior täglich mit dem Fahrrad und einer verwaschenen Aktentasche zur Baustelle radelt. Herbert Laabs und die Zeidlers mögen sich auf Anhieb – und so entsteht aus der Sympathie eine jahrzehntelange Freundschaft…“

Die Firmenchronik „Von Gollnow nach Holzminden“ ist nicht im Buchhandel erhältlich, sondern nur über den Verlag Translimes
Media, Telefon 07631/936204, www.translimes-media.com

Maßhalten und Ehrlichkeit
sind unser Erfolgsrezept
Kurzinterview mit Herbert Laabs
Am Anfang stand eine Vision. Willi Laabs, dem das Buch „Von Gollnow nach Holzminden – ein Unternehmen im Wandel der Zeit“ gewidmet ist, hatte eine solche: Er wollte wie sein großes amerikanisches Vorbild Henry Ford ganz einfach Produkte herstellen, die die Menschen begeistern und in die Spitzenklasse seiner Branche vorstoßen. Sein Traum ging in Erfüllung – und er wurde mit „Wilago“ zum drittgrößten Serien-Möbelhersteller Deutschlands. 1945 wurde dieser Traum auf dramatische Weise zerstört – doch seine Kinder und Enkel setzten sein Lebenswerk erfolgreich fort.
Herbert Laabs (75), der heute dem Unternehmen vorsteht, sagt zu der Herausgabe des Buches: „Im Mittelpunkt dieser Chronik stehen die Menschen. Sie sind es, die das Unternehmen aufgebaut und zu dem entwickelt haben, was es heute ist. Allen Mitarbeitern und Partnern von einst wie von heute soll mit Dankbarkeit für ihr Engagement und ihre Loyalität, mit der sie das Unternehmen nach vorne bringen, gedacht werden. Werte wie Anstand und Verlässlichkeit, wie Maßhalten und Ehrlichkeit gehörten schon bei „Wilago“ zur Unternehmenskultur und spielen bei der heutigen Laabs GmbH eine essentielle Rolle. Die Laabs GmbH schöpft ihre Kraft aus der eigenen Tradition und den gewachsenen Werten. Das ist unser „Erfolgsrezept“. Das Unternehmen beweist damit – trotz Krisen und Katastrophen – Kontinuität in seinem Handeln.“

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