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Donnerstag, 17. Mai 2012




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Warbsen weiß wieder, wie spät es ist

Heinz Siekiera (links) und André Streicher sind die ehrenamtlichen „Uhrmacher”.

Warbsen (04.02.06). Im Alltag weiß wohl jeder, was die Stunde geschlagen hat. In Warbsen war das akustische Zeitsignal einer Glocke etwa 20 Jahre nicht zu hören. Nun funktioniert die Uhr wieder im Einklang mit der Kirchenglocke und kündigt dem Bürger auf altgewohnte Weise die Zeit an - dank Heinz Siekiera und André Streicher. Zeit spielte für die beiden ehrenamtlichen Protagonisten nur die Rolle der Genauigkeit. Heinz Siekiera und André Streicher arbeiteten mit der Zeit und erfuhren sie als fließendes Kontinuum.

Der Ursprung dieser Aktion liegt im Jahr 2003. Die Kirchengemeinde hatte damals Haussammlungen durchgeführt. Unter anderem konnte für die Instandsetzung des Uhrwerks gespendet werden. Im Jahr 2004 hatte der Kirchenvorstand darüber beraten, dass Uhrwerk zu erneuern. Ein neues digitales Uhrwerk sollte über 3.000 Euro kosten. Doch wer sollte zahlen? „Das Ganze ist ein Zwitter. Das Gebäude gehört der Gemeinde, der Kirchsaal der Kirche. Aus den Amtbüchern war auch nichts zu erfahren. Frühere Reparaturen wurden von der Kirchengemeinde beauftragt. Die Herstellerfirma existiert nicht mehr. Auch ist nicht mehr nachvollziehbar, ob das gesamte Uhrwerk ausgewechselt wurde oder nur der elektrische Aufzug der Uhrengewichte”, erklärt Heinz Siekiera.
Recherchen von August Jakob und Karl Böker in Kirchenbüchern und Chroniken führten zu keinem Ergebnis. Zuvor war die Glocke als akustisches Signal einer funktionierenden Uhr etwa 20 Jahre lang nicht zu hören. „Fachleute einer Uhrenbaufirma bekamen das auch nicht in Griff. Bei späteren Dachreparaturen wurde der Draht für den Stundenschlag zerstört”, bedauert André Streicher den Zustand dieser visuellen Zeitmaschine. „In den 40er Jahren musste die Uhr von Hand aufgezogen werden”, erinnern sich Walter Streicher und Karl Böker aus Warbsen. Auch gab es eine Glöcknerin.
Heinz Siekiera widerstrebte der Einbau eines digitalen Uhrwerks. „Das Alte wird weggeschmissen, unwiederbringlich zerstört, durch moderne Technik ersetzt und anschließend gehen wir mit unseren Kindern und Enkeln ins Museum, um uns solche alten Sachen anzusehen.” Die uralte Mechanik war es wert, wieder instand gesetzt zu werden.
Noch im selben Jahr fingen Heinz Siekiera und André Streicher an, den Antrieb wieder gängig zu machen. Das Uhrwerk wurde von Staub und Schmutz befreit und wieder gangbar gemacht. Der Antrieb für die eigentliche Uhr, ein etwa zehn Meter langes Gestänge, wurde neu ausgerichtet. „Wir haben den kompletten Antrieb erneuert und die Halterungen neu gelagert”, sagt André Streicher.
„Irgendwann bekamen wir die Uhr zum Laufen. Dann kam das Problem des Stundenschlages. Das verlangte zunächst viel geistige Überlegung. Ein simpler abgenutzter Haken wurde getreu dem Original neu hergestellt”, erinnert sich Heinz Siekiera an die Faszination Uhrwerk. An einem solchen mechanischen Uhrwerk kann man sehen, wie die Zeit geht. Bei der Montage des Stundenschlages stellten die beiden ehrenamtlichen „Daniel Düsentriebs” fest, dass sowohl die Lagerung des Stundenschlags, als auch die der Glocke vollkommen marode waren. Die Glockenaufhängung hatte sich im Laufe der Jahre gelöst. Der Glockenturm drohte durch Eigenschwingung der Glocke in sich zusammen zu brechen. Die Glocke wurde mit neuer Konstruktion aufgehängt, die Glockenaufhängung komplett erneuert.
Dabei handelt es sich bei der Glocke in Warbsen um ein richtig altes Schätzchen. Eine Prägung auf der Glocke „Warbsen 1682” deutet darauf hin, dass dieses altehrwürdige Stückchen Metall in der Vergangenheit nicht für Kriegszwecke benutzt und eingeschmolzen wurde.
Doch was brachte die Beiden dazu, sich zu engagieren? „Der treibende Kern war Heinz Siekiera. Er stand vor meiner Tür und bat mich um Hilfe. Das reichte mir, um mitzumachen”, antwortet André Streicher auf diese Frage. Und Siekiera ging es darum, bestehende Werte zu erhalten. Die altertümliche Technik sollte nicht verschrottet werden. Dass die Kirchengemeinde dadurch auch noch viel Geld sparen konnte, erwies sich als Nebeneffekt.
Von den Spendengeldern blieb noch ein Rest übrig. Also beleuchtet nun eine Lampe die Uhrenanzeige und bestrahlt den alten Wert. „Es freut mich, dass sich viele Mitbürger dankbar geäußert haben”, sagt Siekiera zu dem kleinen Stück wieder hergestellter Dorfgeschichte. Eine weitere Aktion von Siekiera und Streicher ist schon geplant (heb).

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