Kreis Holzminden (´11.02.06). Zu den Kryptogamen, den Pflanzen, die „im Verborgenen blühen“, gehören die Moose. Sie besiedelten das Land im Devon, waren aber nicht die ersten Landpflanzen. Bereits etwa 50 Millionen Jahre zuvor hatten sich Farngewächse, wahrscheinlich von Armleuchteralgen abstammend, an Land gewagt. Während sich aus den Farnpflanzen alle unsere Blütenpflanzen entwickelt haben, sind die Moose geblieben, was sie waren; fossile Funde lassen sich in die heute bekannten Gattungen einordnen. Wir können die Moose deshalb als lebende Fossilien betrachten.
Moose haben ihre Hauptverbreitung in Gebieten hoher Luftfeuchtigkeit und so liegt es nahe, dass im Weserbergland vor allem der Solling eine reiche Moosflora aufzuweisen hat. Manche Moosarten sind auf besondere Bodenverhältnisse angewiesen und eignen sich deshalb als Zeigerpflanzen. Sie geben Auskunft über die Eigenschaften ihres Standortes und spielen auch in der Forstbotanik eine Rolle.
Von den Torfmoosen abgesehen, haben die Moose wohl niemals eine wirtschaftliche Bedeutung gehabt. Auch über die Verwendung in der heimischen Volksmedizin findet sich nichts (vielleicht wissen Leser dieses Artikels etwas darüber, bitte bei der AG Naturkunde des HGV melden!). Man weiß aber, dass die Indianer Nordamerikas Moose zur Schmerzlinderung bei Verbrennungen und zur Wundversorgung benutzt haben. Auch die chinesische Volksmedizin kennt die Verwendung von 40 Arten für verschiedene Erkrankungen. Bemerkenswewrt ist, dass noch im Ersten Weltkrieg Wundkompressen aus Torfmoosen hergestellt wurden, vor allem wegen ihrer Saugfähigkeit. Inzwischen konnte aber auch eine antimikrobielle, also gegen Krankheitskeime gerichtete Wirkung, nachgewiesen werden.
Etwa 700 verschiedene Moosarten gibt es in Niedersachsen. Nur bei wenigen auffälligen Moosen existieren volkstümliche Namen. Die meisten deutschen Bezeichnungen sind Übersetzungen des jeweili-
gen wissenschaftlichen, aus dem Lateinischen abgeleiteten Namens.
Trotz ihrer im Vergleich zu den Blütenpflanzen einfachen Struktur zeigen die Moose eine erstaunliche Formenvielfalt, und davon sollen die hier abgebildeten Arten einen kleinen Eindruck vermitteln. Es lohnt sich, bei einem Winterspaziergang einmal ein Vergrößerungsglas mitzunehmen und sich etwas näher anzuschauen, was an Moosen am Wegrand, auf dem Waldboden oder an Baumrinden wächst, auch wenn es auf den ersten Blick eben „nur“ Moose sind.
Wie im Täglichen Anzeiger vor einiger Zeit zu lesen war, stammt einer der berühmtesten Moosforscher, Wilhelm Mönkemeyer (1862 bis 1938) aus der Homburgstadt Stadtoldendorf. Sein 1927 erschienenes Werk „Die Laubmoose Europas“ gilt auch heute noch als Standardwerk für die europäischen Laubmoose.
Die Aufnahmen dieser Seite sind Teil einer im Aufbau befindlichen Lichtbildersammlung. Es handelt sich dabei um ein langfristiges Projekt der AG Naturkunde des Heimat- und Geschichtsvereins für Landkreis und Stadt Holzminden, das zum Ziel hat, die Flora und Fauna des mittleren Weserberglandes durch Lichtbilder zu dokumentieren. Wer über geeignete Aufnahmen verfügt oder in Zu-kunft etwas zu dieser Sammlung beitragen möchte, kann Näheres bei der AG Naturkunde des HGV erfahren. Die Kontakt-aufnahme ist auch über die Internetadresse www.naturkunde-holzminden.de.vu möglich (Dieter Hörmann).