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Donnerstag, 17. Mai 2012




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Was jetzt gegessen wird, ist untersucht

Kreis Holzminden (10.02.01). Die Angst hat sich eingenistet in den Kuh-Ställen. Die Angst vor dem ersten BSE-Fall im Landkreis Holzminden und den unabsehbaren Folgen, die Angst aber auch vor dem finanziellen Desaster, weil der Markt für Rindfleisch zusammengebrochen ist. Und die Angst schließlich, das Vertrauen der Verbraucher nicht wiederzuerlangen. "Dabei sind wir doch die Opfer und nicht die Täter", erklärt Henning Schütte, Landwirt aus Bevern und hat dabei eine gehörige Portion Wut im Bauch. Er gehört zu den Bauern, die jetzt gegensteuern wollen. Mit gläsernen Bauernhöfen, intensiven Kontrollen und der Produktion eines "Weserberglandrindes", für das sich die Landwirte verbürgen wollen".

Massentierhaltung gibt es im Landkreis Holzminden nicht. Aber immer mehr Milchbauern, Mutterkuhhalter und Bullenmäster haben in den vergangenen Jahren in moderne Stallanlagen investiert - um ihre Existenzen zu sichern. Friedhelm Schoppe aus Boffzen zum Beispiel. Der seit 1991 die Produktion verdoppelt, "unterm Strich aber nicht eine Mark mehr" herausbekommen hat. "Wenn wir nicht vergrößert hätten, könnten wir heute nicht mehr existieren", erklärt der Landwirt, dessen Milchkühe im Sommer natürlich auf der Weide grasen.
Doch auch die sind momentan kaum absetzbar auf dem Markt. "Wir verlieren an jeder Kuh, die wir verkaufen, 500 Mark, an jedem Kalb 200 Mark", rechnet Hermann Osterhage, Meiborssen, vor. "Für meinen Betrieb komme ich leicht auf 30.000 Mark Verlust".
Das ist viel für einen Bauern, der keine Agrarfabrik im Rücken hat, sondern als Einzelkämpfer zusammen mit seiner Familie für die Existenz des Hofes einsteht. "Eigentlich", betont Dr. Eimecke-Herbst, von der Kreisstelle Hameln-Holzminden der Landwirtschaftskammer, "wirtschaften alle Landwirte im Weserbergland ökologisch". Tierfabriken gibt es hier nicht, setzt er hinzu und hält die Zahlen, die das belegen, bereit: Die 170 Milchviehhalter im Landkreis Holzminden haben durchschnittlich 39 Milchkühe im Bestand. Die 60 Mutterkuhhalter nennen die durchschnittlich 13 Mutterkühe mit Namen und die 120 Betriebe in der Bullenmast haben nicht mehr als elf Tiere im Stall.
Diese Bauern, so Dr. Eimecke-Herbst, hätten nach gutem Wissen und Gewissen gehandelt, als sie teures Futtermittel kauften und Milchaus-
tauscher verfütterten. "Wenn ich Sojaschrot bekomme, gehe ich davon aus, das es kontrolliert ist", erklärt dann auch Henning Schütte, der so gar nicht verstehen will, dass die Versäumnisse der Kontrollbehörden, "die das Zeug aus England nicht stoppen konnten, jetzt den Bauern auf die Stulle geschmiert wird".
"Wir können das Rindfleisch nicht gesundbeten", weiß dann auch Hermann Osterhage. Aber dafür sorgen, dass das Vertrauen der Verbraucher wieder hergestellt wird. Allerdings: "Der Verbraucher muss erkennen, dass man ein Kilogramm Wurst für sieben Mark nicht kaufen kann. Keiner kann gutes Fleisch für diesen Preis verarbeiten", rechnet Rainer Sander von der Landwirtschaftskammer aus Holzminden vor. Wer Qualität will, muss also auch mehr dafür bezahlen. Aber die wenigsten Verbraucher sind dazu bereit.
Deshalb wird die billige, abgepackte Wurst im Supermarkt in den Wagen gepackt. "Dabei hat eine Umfrage der Bezirksregierung bei den Schlachtern im Kreis Holzminden ganz klar ergeben", so Dr. Susanne Rauth, Kreis-Veterinärin, "das hier kein einziger Separatoren-Fleisch verarbeitet. Solche Maschinen haben die Schlachter hier gar nicht".
"Im Landkreis Holzminden gibt es nichts zu verbergen", versichert Irg Jacobs aus Brevörde, der voll hinter den Zielen der Landwirtschaftskammer, ein Weserberglandrind zu produzieren und zu schlachten, steht. "Wir werden uns Kontrollmechanismen einfallen lassen müssen", erklärt Dr. Eimecke-Herbst, "und Mitgliedsbetriebe anwerben, die regelmäßig kontrolliert werden". Eine Art Zertifizierung stellt sich der Leiter der Kreisstelle Hameln-Holzminden für die Bauernhöfe vor. "Das werden gläserne Betriebe". Eimecke-Herbst: "Wir müssen dem Verbraucher in der Region klar machen, wenn er dieses Produkt, das etwas teurer ist, kauft, kann er zurückverfolgen, von welchem Hof das Tier stammt, was gefüttert wird und wie die Tiere gehalten werden".
"Vertrauen ist das Wort, dass derzeit zählt", bestätigt Henning Schütte. Dabei bauen die Kreis-Holzmindener Landwirte auch auf die Erfahrungen, die die Schweiz mit der BSE-Bekämpfung gemacht hat. 365 Fälle wurden dort nachgewiesen. 28 (Stand 7. Februar) sind es derzeit in der Bundesrepublik, vier BSE-Fälle werden aus Niedersachsen gemeldet.
Wie viele es werden, das kann auch Dr. Susanne Rauth nicht abschätzen. Jedoch: "BSE ist immer noch eine seltene Erkrankung". Für die Tierärztin ist es schwierig, nach dem heutigen Wissensstand konkrete Aussagen zu treffen. Noch sei gar nicht endgültig geklärt, ob BSE wirklich vom Rind auf den Menschen übergeht. Und wenn, welche Erregermenge für eine Infektion notwendig ist.
"Es ist alles sehr in der Schwebe", erklärt die Kreis-Veterinärin. "Was jetzt gegessen wird, ist untersucht", fügt Bauer Henning Schütte hinzu. Muskelfleisch ist nach Expertenmeinung unbedenklich, auch wenn es von Tieren stammt, die mit Tiermehl gefüttert worden sein könnten. "Aber eine saubere Schlachtung ist notwendig", spricht Dr. Rauth die Diskussion um das Risikomaterial an, das bei der Schlachtung ins Fleisch gelangen kann.
"Es ist im Gespräch, dass die Halbierung der Wirbelsäule verbleibt", die deutschen Schlachthöfe - und damit auch der Schlachthof Holzminden, müssten eine ganz andere Art von Schlachttechnik anwenden, um auch die letzten Eventualitäten auszuschließen. (bs)

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