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Donnerstag, 17. Mai 2012




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Was nicht passte, wurde passend gemacht

Stolz präsentiert Glaser Rolf Schweinitz eines der großen „Mittelstücke“ der Fenster.

Bevern (26.07.08). An vielen Scheiben fehlt der Bleirahmen. Immer wieder entdecken die Glaser kleine Löcher. Das Sandstein-Maßwerk der Fenster ist teilweise maroder als angenommen, eines muss sogar total erneuert werden. Ebenso eine der beiden Kreuzblumen auf dem Kirchendach. Und dennoch zieht Diplom-Ingenieur Frank Wagner eine ganz entspannte Zwischenbilanz: Nur „wenig Unvorhergesehens“ sei bisher auf der „Baustelle“ St.-Johannis-Kirche in Bevern passiert. Immerhin liegen die Arbeiten noch im Zeitplan - und Mehrkosten sind bis jetzt auch nicht entstanden (rei). Frank Wagner vom Amt für Bau- und Kunstpflege der evangelischen Landeskirche, Außenstelle Göttingen, kennt sich im Kreis Holzminden mittlerweile bestens aus. Gleich drei Kirchen-Baustellen betreut er hier momentan: Neben Bevern auch Bodenwerder und Hehlen. Jede Kirche birgt (bauliche) Besonderheiten. In Bevern sind es die 13 stattlichen Fenster, die in den letzten Wochen und Monaten Stück für Stück ausgebaut und in die Glaswerkstätten Schneemelcher nach Quedlinburg gebracht wurden. 405.000 Euro lässt sich die Landeskirche die Restaurierung der 115 Jahre alten Fenster-Scheiben inklusive der filigranen Sandstein-Maßwerke und weiterer Reparaturen an Decken und Wänden kosten.
Als der TAH im April über den Beginn der Arbeiten berichtete - damals war gerade die „Verpackung“ der Kirche in vollem Gang -, war das gesamte Ausmaß der Schäden noch gar nicht erkennbar. Oder besser gesagt: Der „Pfusch“ der Handwerker vor 115 Jahren wurde erst beim vorsichtigen Herausnehmen der einzelnen Glas-Segmente sichtbar. Trotz ihrer edlen Herkunft aus der Werkstatt Heinersdorf in Berlin (dort wurde viel für Fürsten und Könige gearbeitet), handelt es sich letztlich um eine „Serienproduktion“. Mit dem Maßnehmen für das Maßwerk, das ja derweil in Bevern entstand, nahm man es offenbar nicht so ganz genau. Aber schon damals galt die alte Handwerker-Regel: Was nicht passt, wird passend gemacht!
Dabei kannten die Glaser kein Pardon: War eine Scheibe zu groß, wurde einfach der Bleirahmen entfernt und der Rand mit einer Zange Stück für Stück abgebrochen - bis die Scherbe ins Maßwerk passte. Dabei ging natürlich auch die Elastizität verloren, die das (weiche) Blei den Scheiben verlieh. Sie saßen viel mehr „auf Spannung“ und drohten - nicht erst beim Ausbau - eher zu bersten. Das belegen auch die vielen kleinen Löcher, die gerade in diesen „rahmenlosen“ Scheiben entdeckt wurden.
Jedes der fehlenden Stücke muss nun in der Glaswerkstatt neu gefertigt, bemalt und eingepasst werden - wie bei einem Puzzle. Ob dieser Mehraufwand am Ende zu Verzögerungen der Gesamtmaßnahmen führt, ist derzeit noch nicht abzusehen, gibt Frank Wagner zu. Noch ist er zuversichtlich, dass die Arbeiten bis Oktober fertig werden.
Parallel zum Herausnehmen der Scheiben wurde in den letzten Wochen die Außenseite der Kirche auf 1.200 Quadratmetern neu verfugt - mit einer Fugenmasse nach historischer Rezeptur. Momentan läuft die Sanierung der Maßwerke in vollem Gang. Die filigranen Rosetten aus Sandstein in den Fensterleibungen haben in der Vergangenheit arg gelitten. Das beweisen etliche tiefe Risse. Ein Maßwerk ist so marode, dass es von den Experten der Firma Bachmann und Wille aus Göttingen komplett erneuert werden muss.
Eine besondere Aufgabe kommt auf Steinbildhauer Alexej Litvinow zu: Der Ukrainer wird eine der beiden Kreuzblumen, die das Kirchendach zieren, „nachbauen“. „Alexej ist ein echter Künstler“, schwärmt Frank Wagner, „der hat schon komplette gotische Portale nachgearbeitet“.
Noch sitzt die Kreuzblume, innen vom Rost der Eisenhalterung zerfressen, auf ihrem alten Platz. Alexej hat lediglich eine Zeichnung von ihr erstellt - und wird innerhalb von zwei bis drei Wochen aus einem großen Sandsteinblock quasi eine Kopie hauen (rei).

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