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Donnerstag, 17. Mai 2012




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Weißes Gold aus Fürstenberg für König Lustik von Westphalen

Solche Tischpokale dienten vor 200 Jahren der Dekoration. Sie werden auch gezeigt. Foto: fhm

Fürstenberg (11.04.09). Es riecht nach Rosen und Melonen im Museum der Porzellanmanufaktur Fürstenberg. Ein besonderer Raumeindruck wird den Besuchern der neuen Ausstellung „Weißes Gold für König Lustik“ vermittelt. Noch bis zum 20. September können Besucher sich in die Zeit um 1800 zurückversetzen lassen.
Napoleon Bonaparte hatte 1807 fast ganz Europa erobert. Auf dem Höhepunkt seiner Macht gründete er in Nordwestdeutschland das Königreich Westphalen. Auch das frühere Herzogtum Braunschweig mit dem heutigen Landkreis Holzminden gehörte zu diesem künstlichen Staatsgebilde. Seinen jüngeren Bruder Jérôme setzte er auf den Thron in Kassel. Fortan als König Lustik verspottet , bevorzugte dieser französische Erzeugnisse, um den Kasseler Hof mit prunkvollem Porzellan auszustatten, sodass der Manufaktur in Fürstenberg die Schließung drohte. Doch dem damaligen Leiter, Louis Victor Gerverot, gelang es nicht nur, die Betriebsanlagen zu modernisieren, sondern auch den König für das edle Fürstenberger Porzellan zu begeistern. Von Jérôme zur „Manufakture Royale“ – zur Königlichen Manufaktur – erhoben, wurden die Fürstenberger Hauptlieferant der königlichen Residenz in Kassel.
Die Ausstellung dokumentiert mit ihren Porzellanen, die zum Teil aus der königlichen Residenz stammen, wie französische Stilelemente von regionalen Künstlern übernommen und verarbeitet wurden. Besonders stolz ist Museumsleiter Thomas Krüger auf einen Teller aus dem Jahre 1808. Aufwändig bemalt mit der Göttin Athena, diente er damals vor allem als Eigenwerbung. „Die Manufaktur konnte sich mit diesem Stück am Königshof vorstellen und ihr Können zeigen“, so Krüger. Die Gestaltung der Ausstellung nimmt viele Elemente aus der Königszeit auf und ergänzt sie. Die Räume im Museum sind mit Düften versehen, die eigens für die Ausstellung komponiert wurden.
Dem Besucher wird eine kleine aber feine Auswahl an verschiedensten Stücken geboten. Vom Tafelservice bis zum königlichen Waschgeschirr reicht die Sammlung, die von der Museumslandschaft Hessen-Kassel übernommen wurde. Zu den Ausstellungsstücken gehören beispielsweise auch Vasen mit allegorischen Darstellungen, Porzellanköpfe von „König Lustik“ und Kaiser Napoleon und Dekorationsstücke für die königliche Tafel.
Bemerkenswerterweise hat die kurze Phase der französischen Herrschaft im „Königreich Westphalen“ und damit auch im Weserbergland in der Porzellanmanufaktur Fürstenberg einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Der klassizistische Stil, der durch Napoleon geprägt wurde und den Namen „Style Empire“ trug, zeichnet sich durch seine Anlehnungen an die klassische Antike und reiche Goldstaffagen aus. Einige Produkte der Porzellanmanufaktur Fürstenberg aus der Zeit des Empire befinden sich noch heute in der Kollektion der Porzellanmanufaktur.
So ist die sogenannte Geschirrform 31 ein typisches Produkt des Empire. Die schlanke, leicht gerundete Silhouette auf einem eingezogenen Ringfuß, breite, geschwungene Bandhenkel und hohe Deckel mit spitz zulaufenden, stilisierten Akanthusblüten wird heute noch als Form „Empire“ gefertigt. Eine Neuerung aus der Zeit des Empire war die ovale Kannengestaltung der klassizistischen Geschirrform, die noch heute unter der Bezeichnung Form 683, „Herzog Ferdinand“, geführt wird.
Auch Vasen waren beliebte Formstücke dieser Epoche. Sie dienten zumeist als reine Dekorationsstücke. In Sätzen zu fünf oder sieben unterschiedlichen Stücken zierten sie  beispielsweise den Kaminsims, Kommoden oder Sockel. Als Potpourrie mit durchbrochenem Deckel halfen sie, aromatische Düfte in den Räumen zu verbreiten. Im großen Vasenkörper konnten sich verschiedene Kräuter und Essenzen entfalten und zu einer gewünschten Duftkomposition vermischen. Zum Klassiker unter den Vasen wurde die Becherform „Blumen-Vase No. 9“, die heute als Modell-Nummer 747 in der Manufaktur gefertigt wird. Sie entstand um 1805 und ist heute noch sehr gefragt. Beliebt waren in dieser Zeit auch die häufig sehr aufwändig dekorierten Modelle wie die große Deckelvase „mit Bocksköpfen“ (Modell 737), oder das heute gern als „Olympia-Vase“ bezeichnete Modell Nummer 1044. Sie sind Zeugnisse für den Fürstenberger Klassizismus, der im Empire seine Vollendung fand.
Zu besichtigen ist die Ausstellung täglich, außer montags, von 10 bis 17 Uhr. Jeden ersten Freitag im Monat bietet die Porzellanmanufaktur Fürstenberg außerdem eine Führung an. (fhm/cst)

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