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Donnerstag, 17. Mai 2012




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Wenn das "Eichhörnchen" den Igel auf dem Strommasten findet

Kreis Holzminden (03.11.01). Ob gelb, blau, rot, oder welche Farbe auch immer: Strom kommt aus der Steckdose. Der elektrische Saft muss fließen, und zwar ununterbrochen. Damit es keine Störungen gibt, müssen beim regionalen Stromversorger Wesertal in regelmäßig Leute in die Luft gehen. Per Hubschrauber. Ihre Aufgabe: Die Stromleitungen kontrollieren, die sich unzählige Kilometer durch das ganze Verbreitungsgebiet ziehen.

Die Beobachter Peter Rösler, und Willi Matter, Protokollführer Igor Sonntag sowie Pilot Jürgen Ammon sind ein eingespieltes Team. Wenn sie in Hameln in ihren Hubschrauber AS-350 - von Kennern auch "Eichhörnchen" genannt - steigen, liegen rund 100 Strommasten vor ihnen, die sie in den nächsten zwei Stunden kontrollieren müssen. Diesmal geht die exakt festgelegte Flugroute in den Landkreis Holzminden.
Und der TAH fliegt mit.
Die erste Verblüffung gleich zu Beginn. Vom Startplatz Hameln bis nach Eschershausen dauert es keine zehn Minuten. Noch ein kurzer Schwenk über Bevern, und dann geht es los. Der Pilot nimmt den ersten Strommasten ins Visier. Meist bis auf zwei Meter Abstand fliegt Jürgen Ammon heran, hält seine Maschine immer schön auf Augenhöhe mit den Stromleitungen, damit die Beobachter einen möglichst guten Blick haben.
Die haben mittlerweile meterweise Papier ausgepackt. Darauf ist jeder einzelne Mast, egal ob aus Holz, Beton oder Stahl, genau verzeichnet. "Riss - Schaft - Mitte - Acker -Zu Fuß - Feld ok", brummt Beobachter Willi Matter in das Bord-Mikrofon, Protokollant Igor Sonntag notiert fleißig mit. Die knappen Kommandos reichen aus: Der Beobachter hat in einem Betonmasten einen Riss entdeckt, etwa auf halber Höhe. Der Mast steht auf einem Acker, ein Reparaturtrupp kann ihn nur zu Fuß erreichen. Die weitere Stromleitung ist aber in Ordnung. Die Schadensmeldung bekommt das Wesertal-Bodenpersonal, das den Schaden in den nächsten Tagen beheben wird.
Bei einer Geschwindigkeit zwischen 10 und 15 Stundenkilometern hangelt sich der Hubschrauber dicht an der Leitung entlang. Auch bei widrigen Witterungsverhältnissen kann der Hubschrauber dank seiner ruhigen Fluglage eingesetzt werden. Alle Auffälligkeiten an Masten und Freileitungen - 80 bis 120 Masten pro Flug - werden anhand der Checklisten genau notiert, wie zum Beispiel Korrosionsschäden und verbogene Eisenteile an den Masten, Rissbildungen an Isolatoren, Blitzeinschläge, schadhafte Stellen an Fundament und Anstrich, fehlende Warnschilder oder auch Nester von Krähen und anderen Großvögeln.
Plötzlich stutzt Beobachter Peter Rösler: Was auf dem 40 Meter hohen Masten vor ihm liegt, ist kein Vogel. "Das ist ein Igel" sagt er. Aber wie kommt der dahin, seit wann können Igel fliegen oder klettern? "Ein Habicht", vermutet Rösler, "muss den Igel dort zwischengelagert haben." Clever: Eine Flucht ist unmöglich.
Weiter geht es, Richtung Stadtoldendorf: Der korrekte Sitz von Aufhängungen, Verschraubungen und Splinten wird ebenso begutachtet wie die Größe von Bäumen und Büschen und deren derzeitiger Abstand zu den Leiterseilen. Auch leitungsgefährdende Objekte wie Kräne, Gerüste und andere mögliche Gefahrenquellen, die die festgelegten Mindestabstände unterschreiten, müssen erfasst werden.
Insgesamt rund 2.800 Quadratkilometer umfasst das Netzgebiet Wesertals in den Landkreisen Hameln-Pyrmont, Schaumburg und Holzminden sowie im Kreis Lippe. Das Hochspannungsnetz Wesertals (110kV) ist insgesamt rund 560 Kilometer lang. Das Mittelspannungsnetz (30 kV/10kV) hat eine Länge von über 2.800 Kilometer, davon sind rund 1.000 Kilometer Freileitungen.
In Zusammenarbeit mit der Firma HFS Helikopter Flug Service aus Kassel-Calden werden insgesamt rund 50 Flüge absolviert. Drei Wochen dauert es, alle Freileitungen zu sichten. Die Kontrollflüge werden von Wesertal seit 1987 regelmäßig vom Hubschrauber aus durchgeführt. Etwa einmal pro Jahr wird das Hoch- und Mittelspannungsnetz im Netzgebiet auf mögliche Schäden überprüft. Manfred Hobein, projektverantwortlicher Ingenieur im Bereich Anlagenbau/Engineering bei Wesertal, weiß: "Die Befliegung des Netzes ist kostengünstiger und effektiver als eine herkömmliche Begehung. Zudem müssen dazu keine Leitungen abgeschaltet werden." Mit den Inspektionen und den folgenden Instandsetzungsarbeiten gewährleistet Wesertal eine hohe Betriebssicherheit des Freileitungsnetzes: Die Versorgungssicherheit liegt bei 99,9 Prozent, und darauf ist der Energiedienstleister stolz. Damit der Strom immer ohne Unterbrechung aus der Steckdose kommt. (nig)

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