Kreis Holzminden (03.08.07). Günther Tofaute lächelt, wenn er das Fotoalbum aufschlägt. „Hier habe ich die Bilder dokumentiert“, sagt er, „hier sind alle wichtigen Stationen zu finden.“ Wovon Günther Tofaute spricht, ist sein Haus in der Sollingstraße 3 in Boffzen. Ein Haus, das in diesem Jahr 100 Jahre alt wird und dessen Erbe und Geschichte von seinem Besitzer mit viel Liebe und Sorgfalt gepflegt wird. Ganze Gemeinden feiern ihre Jubiläen, er erinnere eben an die Entstehung und den Werdegang seines Hauses. Günther Tofautes Großvater, der selbstständige Malermeister Wilhelm Tofaute und seine Frau Marie, hatten 1907 das Haus aus massivem Bruchstein erbauen lassen. Damals noch trug es einfach die Hausnummer 192, heute ist es die Adresse Sollingstraße 3. Das 2.500 Quadratmeter große Grundstück hatte sein Großvater von seinem Bruder Heinrich Tofaute geerbt. „Der Hausbau muss ein hartes Stück Arbeit gewesen sein“, schätzt Günther Tofaute. Man stelle sich vor, was für eine Knochenarbeit es gewesen sein muss, die schweren Bruchsteine ohne technische Hilfsmittel zu verbauen. Neben dem Bruchstein kamen Lehm und Stroh zum Einsatz.
Eines der charakteristischen Kennzeichen des schönen und schmucken Hauses ist das Fachwerk im oberen Stockwerk. „Sowohl mein Großvater als auch mein Vater und ich haben diesen Fachwerkbau immer wieder gepflegt und saniert, damit er sich so gut erhält“, so Tofaute. Mit dem Hausbau kam die Grundlage für die Familie, weiß Tofaute zu berichten. Zwei Söhne und zwei Töchter gingen aus der Ehe hervor. Nach dem Tode von Großvater Wilhelm im Jahr 1956 übernahm Tofautes Vater Alfred das Haus.
Er setzte den Einsatz für das Haus fort und ließ 1967 die alte Veranda abreißen. Durch einen Anbau mit Balkon wurde diese ersetzt. Zudem wurde 1978 eine Doppelgarage erbaut und 1980, nach fast 73 Jahren, musste das alte Dach abgenommen werden. 1988 wurde sogar ein Gartenhaus auf dem Grundstück errichtet. „Wir waren immer bemüht, dem Haus ein gutes Aussehen zu geben.“ Gleichzeitig habe die ganze Familie von Anfang an die Geschichte der Veränderungen festgehalten.
Seit 17 Jahren, seit dem Tod seines Vaters hat Günther Tofaute das Erbe der Familie übernommen. Wie sein Großvater und sein Vater steckt er viel Energie in das Haus. „Es ist immer Arbeit da“, sagt er und setzt schon wie seine Vorgänger die ständigen Renovierungs- und Verbesserungsarbeiten vor. Weil das alte Stallgebäude - vor 100 Jahren wurden neue Häuser fast immer mit einem Stall errichtet - keine Verwendung mehr fand, ließ es Günther Tofaute 1995 abreißen und zog einen Anbau hoch. Diese erneute Bautätigkeit der Familie Tofaute hat den Platz für die vierte Generation im Haus an der Sollingstraße geschaffen. „Unsere Tochter, der Schwiegersohn und das Enkelkind leben mit uns zusammen.“
Wenn Günther Tofaute die alten Dokumente sichtet, dann stellt er immer wieder fest, dass fast alles schon im Haus saniert und renoviert worden ist. Alte Rechnungen und Konstruktionspläne hat Tofaute ebenso aufbewahrt wie Fotos aus den vergangenen Jahrzehnten. Im Laufe der Jahre sind nach und nach alle Zimmer des Hauses erneuert worden und die Wände wurden mit Rigips-Platten verkleidet. „Das waren sehr aufwändige und staubige Arbeiten“ erinnert sich Tofaute. Auf den alten Fußböden wurden Spanplatten verleimt und verschraubt. Teilweise wurden Fliesen verlegt.
„Wir haben sehr viel selbst gemacht“, sagt der Hausherr, der zu Recht stolz auf diese Leistung sein kann. 1998 wurde die Hausfassade auf eine Fläche vom 100 Quadratmetern komplett überholt und 2001 wurde eine neue Hauseingangstreppe erstellt. Vor drei Jahren wurde die Grenzmauer saniert und mit einer Mauerabdeckung aus Granit-Platten versehen.
Günther Tofautes Schwiegersohn Michael Kleinwächter hat sich von Günther Tofaute mit der Begeisterung für das Haus anstecken lassen. In Eigenleistung hat er den alten, verrosteten Zaun abgerissen und einen neuen aufgestellt. Zuletzt, so Günther Tofaute, wurden alle 27 Fenster des Hauses durch neue isolierverglaste Kunststofffenster ersetzt.
Mit Stolz und Zufriedenheit blickt Günther Tofaute auf sein 100 Jahre altes Eigentum, in dem die Nachfolge-Generation schon ihren Platz gefunden hat. Es freue ihn sehr, dass das Haus in der Hand der Familie bleibt. Eines weiß Tofaute inzwischen ganz genau. Arbeit bringt ein solches Haus sehr viel mit sich, gerade wenn man der Eigentümer ist. „Wenn man ein Haus hat, hat man immer was zu tun.“ (fhm)







