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Winterfreuden im Holzmindener Stadtpark in den 1940er Jahren

Winter 1943/44: Ulrich Brinkhoff (rechts) mit Cousin Horst vor seinem Geburtshaus in der Fürstenberger Straße 68. Foto: Archiv U. Brinkhoff

Holzminden (09.01.2010). Die Kriegsjahre 1942 bis 1946 waren nicht nur sehr regenreich und mit Jahrhunderthochwassern verbunden, sie hatten auch harte Winter. Das weiß ich aus Erzählungen in der Familie, und ich kann es an Fotos erkennen, die meine Mutter von mir in meinen jungen Jahren reichlich machte. Herausragend ist dabei, dass ich zu Weihnachten 1942, also kurz vor meinem dritten Geburtstag, Kinderskier geschenkt bekam. Meine Mutter hatte sie in Bielefeld in einem Sportgeschäft aufgetrieben. Für Holzminden war das eine Sensation, denn alle anderen Kinder hatten Schlitten.
Bevorzugtes Wintersportgebiet war für uns Kleinkinder der Straßendamm Sylbecker Berg gleich hinter der sogenannten Stadtparkbrücke, die auch heute noch über die Bahnlinie führt. Großvater, der dort auch einen Garten hatte, nannte diese Stelle „im Loche“. Heute stehen dort neue Einfamilienhäuser und das Rodeln wäre nicht mehr möglich. Wenn viel Schnee lag und die Erwachsenen auch Wintersport treiben wollten, ging es mit den Eltern natürlich an den Südhang des Stadtparks, gleich neben dem Kaiser-Wilhelm-Turm. Die große Wiese führte in einer langen Rechtskurve bergab und hatte zwei gewaltige Buckel. Nicht jeder Schlitten schaffte es heil da hinüber und ich mit meinen Skiern schaffte es erst, als ich sechs Jahre alt war.
Danach waren mir die Skier zu klein geworden und ich stieg auf Schlitten um. Als Schulkind durfte ich nun auch ohne elterliche Begleitung und mit Schulkameraden bei Schnee in den Stadtpark. Da gab es mehrere Bahnen, die wir je nach Schnee- und Eislage benutzten. Viel Schnee bedeutete die große Bahn oben am Turm. Bei zu viel Schnee blieb uns nur der Hauptweg mitten im Stadtpark, weil dort die Fußgänger den Schnee platt getreten hatten und so noch einigermaßen gerodelt werden konnte.
Besonders gefährlich war die Bahn, die von oberhalb des Thingplatzes an der Stadtparknordseite zur Stadtpark-Gaststätte führte. Sie war meist vereist und hatte eine Spitzkehre an der „Liebeslaube“. Da musste auf Schrittgeschwindigkeit abgebremst werden. Nicht selten schaffte es ein Schlitten nicht und fiel mehrere Meter in einen ehemaligen Steinbruch, zum Glück nie mit Folgen. Die Liebeslaube war eine auf drei Seiten zugewachsene Holzbank, von der man damals noch einen Panoramablick auf Holzminden hatte.
Auf dieser Bahn verzichteten wir wegen der Gefahr des Abstürzens auch immer auf die „Raupe“. Eine Raupe bestand aus mehreren hintereinander gebundenen Schlitten. Der Name kam vom gleichnamigen Kirmes-Karussell. Eine Raupe erfordert vom anderen Schlitten, auf dem der Pilot sitzt, gewisse Routine und ist nichts für Rodelanfänger. Dennoch gab es Massenstürze, besonders auf der engen Bahn durch die Obstplantagen, wo es Wasserabläufe quer über die Wege gab, die nicht gut zu erkennen waren.
Lag der Schnee länger und die Fußgänger hatten alle Wege zu Bahnen gemacht, war unsere Lieblingsbahn jene, die vom Turm durch die Apfelbaumplantagen in einer langen Kurve bis kurz vor die Stadtparkgaststätte führte. Dabei musste auch eine Treppe mit acht Stufen hinuntergerodelt werden, wodurch zuweilen ein Schlitten zu Bruch ging.
Vor dem Brunnen,  der am Ende der Bahn stand, kam man nur rechtzeitig zum Stehen, wenn man die Hacken stark in den Schnee stemmte. Der Brunnen, der im Sommer stets reichlich Trinkwasser lieferte, wurde leider später abgebaut. Das gleiche Schicksal ereilte einen geräumigen Unterstand schräg gegenüber, der bei unerwartetem Regen Schutz bot. Bei unseren jährlichen Schulfesten, die stets im Stadtpark gefeiert wurden, gab es darin an einem Stand Kuchen und Getränke zu kaufen. (Ulrich Brinkhoff)

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Täglicher Anzeiger Holzminden

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