Zum Inhaltsbereich springen
Donnerstag, 17. Mai 2012




TAH bei Facebook TAH RSS Feeds

„Wir können stolz auf das sein, was wir hier geleistet haben“

Foto vom Beginn der Straßenbauarbeiten in der Stadt Prizren am 10. November.

Holzminden (07.01.06). Seit dem 12. September versehen die Holzmindener Pioniere im Rahmen des NATO-Engagements auf dem Balkan ihren Dienst im kosovarischen Prizren. Jetzt kommen sie zurück. Die Bilanz, die sie ziehen können, ist äußerst positiv: Holzmindens Soldaten haben viel für den Wiederaufbau getan, haben Häuser gebaut, Schulen saniert und konnten mehrere Straßenbauprojekte abschließen.

Hauptmann Meik M. übernahm am 21. September die Verantwortung für die Führung der Pionierkompanie der Multinationalen Brigade Südwest (MNB SW) im Rahmen von KFOR, die in ein italienisch geführtes Pionierbataillon integriert ist. Der Kern der Kompanie besteht aus 70 Soldaten der 2. Kompanie des Panzerpionierbataillons 1 aus Holzminden. Verstärkt werden diese durch Fachpersonal für die Beseitigung von Minen und Kampfmitteln, sowie einer Staffel Diensthundeführer, die aus dem gesamten Bundesgebiet für diesen Einsatz zusammengeführt wurden. Für das binationale Flair innerhalb der Kompanie sorgt der bulgarische Pionierzug. Zusammen eine 120 Mann und sieben Frauen starke Einheit.
Ab dem 16. Januar werden die ersten Soldaten des Nachfolgekontingentes im Kosovo eintreffen und schrittweise die Verantwortung für die laufenden Aufträge sowie für Maschinen und Gerät übernehmen.
Hinter den Soldaten liegen dann 20 Wochen Einsatz, die jeden in seinem Aufgabenbereich gefordert haben. „Wir können stolz auf das sein, was wir hier geleistet haben,“ so Kompaniechef Meik M.. In den zurückliegenden Wochen waren die Pioniere überall im Kosovo eingesetzt. Mehrere Straßenbauprojekte wurden unter der Führung von Oberfeldwebel Christian S. abgeschlossen. Dabei hatte jede Baustelle ihren eigenen Charakter. Angefangen von einer serpentinenreichen Gebirgsstraße über zwei ebene Verbindungsstraßen, die über unbebautes Gelände führten, bis hin zu einer Straße innerhalb Prizrens, die den Bedienern der Baumaschinen ein hohes Maß an Präzision abverlangten. Es sei nicht immer einfach gewesen, in den engen Straßen alles im Auge zu behalten, so die einhellige Meinung der Soldaten. Der dichte Verkehr, die oberirdisch verlegte Stromversorgung, spielende Kinder und die stets interessierte Bevölkerung waren die Würze in der Umsetzung der Projekte.
Die zahlreichen Bauaufträge, die die Kompanie im Rahmen der zivil-militärischen Zusammenarbeit durchgeführt hat, fanden stets großen Zuspruch von Seiten der kosovarischen Bevölkerung. Oberfeldwebel Manuel S. und seine Pioniergruppe übergaben einer 16-köpfigen Romafamilie nach mehrwöchiger Arbeit den Schlüssel zu ihrem neuen Haus, welches im Rohbau durch das Vorgängerkontingent errichtet und durch die Holzmindener Pioniere bezugsfertig gemacht wurde. Kurze Zeit nach Fertigstellung des Einfamilienhauses fand sich die Gruppe in einer Schule wieder, in der es galt, drei Schulräume auszubauen. Diese Räumlichkeiten konnten über mehrere Jahre nicht genutzt werden, da der bauliche Zustand keinen Unterricht mehr erlaubte. Es wurden neue Betonfußböden gegossen, mit einem Holzaufbau versehen, Fenster erneuert und Türen versetzt. Nach drei Wochen intensiver Arbeit war es der Schuldirektion nun möglich, die Räume in den Lehrplan mit einzubeziehen und die Unterrichtszeit einiger Klassen vom Nachmittag auf den Vormittag zu legen. Ebenso sorgten die neuen Klassenräume für ein deutlich besseres Arbeitsklima.
Vielen Schulen im Kosovo fehlt es noch immer am Nötigsten. Ein Trupp des Panzerpionierzuges sorgte für den Einbau von mehreren Türen des Toilettenhäuschens in einer entlegen Schule, die von Seiten der Behörde nur sehr dürftig mit finanziellen Mittel bedacht wird. Ebenso konnten in einer weiteren Schule Basketballkörbe und Fußballtore errichtet werden.
Viele Aufträge kamen aber auch der eigenen Truppe zu Gute. Unter der Führung von Feldwebel Christian M. wurden umfangreiche Straßenausbesserungsarbeiten in einer Zufahrt zu einem Posten der Panzergrenadiere durchgeführt. Ebenso wurde durch diese Pioniergruppe in Zusammenarbeit mit Teilen des bulgarischen Zuges ein Wachturm gebaut, der, im Resultat betrachtet, nicht vermuten lässt, wie viele Arbeitsstunden in ihm stecken. Hier federführend waren Stabsunteroffizier Daniel S. und Unteroffizier Andreas F.. Sogar mit einer schweizerischen Hubschrauberbesatzung wurde im Rahmen dieser Aufträge zusammengearbeitet. Eine Kompanie, die rund um die Uhr einen nur zu Fuß erreichbaren Beobachtungsposten betreibt, hatte angefragt, ob die Pioniere eine Schutzhütte für die Soldaten errichten könnten. Aufgrund der Unzugänglichkeit des Geländes entschied man sich, die Aufgabe anders zu lösen. Kurze Zeit später wurde ein durch die Pionierkompanie ausgebauter Container durch Hubschrauber auf der Bergspitze abgesetzt.
Der bulgarische Pionierzug war in viele Projekten der deutschen Züge eingebunden. So wurden im Straßenbau notwendige Betonierarbeiten und der Bau von Entwässerungsanlagen übernommen. Die Vorbereitung des Untergrundes für das zukünftige Lazarett des Feldlagers Prizren oder umfangreiche Instandsetzungsmaßnahmen an einer Schießbahn im benachbarten Suva Reka gehörten mit zu den bulgarischen Arbeiten. Die Vorbereitungen für den Wiedereinzug von einigen Kosovo-Serben, die seit den Märzunruhen 2004 im Feldlager untergebracht waren, in ihre Wohnhäuser in Prizren, wurden ebenfalls unter Führung des bulgarischen Zugführers Hauptmann Nikolai N. durchgeführt.
Ein nicht unerheblicher Anteil der Kompanie war gegen Ende des Jahres mit Schneeräumarbeiten beschäftigt. Aus Kapazitätsgründen kann das kosovarische Ministerium nicht alle Straßen im Land von Schnee befreien lassen, daher werden durch KFOR vereinzelte Abschnitte selbst geräumt, wenn diese von militärischem Interesse sind. Dazu verfügt die deutsche Pionierkompanie der MNB SW über mehrere Schneepflüge, Schneefräsen und Streuanhänger, die gerade über die Feiertage und zum Ende des Einsatzes intensiv genutzt wurden. Die Gebirgsstraße, die während der Sommermonate instandgesetzt wurde, galt es nun für Versorgungsfahrten zum Feldlager Cviljen auf dem gleichnamigen Berg freizuhalten.
Bei einer solchen Vielfalt an Aufträgen und Einsatzbereichen ist eine umfangreiche Ausstattung mit Baumaschinen und Arbeitsmaschinen notwendig. Zum Glück blieb den Pionieren die Erfahrung, was es heißt, wenn bei einem Straßenbauprojekt eine Maschine aus dem Arbeitskreislauf ausfällt, oder im Innenausbau des Einfamilienhauses die Bohrmaschinen nicht zur Verfügung stehen, erspart. Wenn etwas zu reparieren war oder technische Überprüfungen anstanden, liefen beim Schirrmeister, Stabsfeldwebel der Reserve Karl-Heinz M., die Fäden zusammen. Für die Zugführer Leutnant Florian R. (Panzerpionierzug) und Hauptfeldwebel Bruno P. (Pioniermaschinenzug) war er der Ansprechpartner, wenn es um die Wartung und Pflege der Gerätschaften ging. Wurde neues Material benötigt, so stand Oberfeldwebel Wai Keung Y. in der Pflicht. Die durch ihn geführte Versorgungsgruppe war verantwortlich für den gesamten Nachschub, die materielle Buchführung und gesamten Waffen einschließlich Munition. Aber nicht nur die materielle Wartung und Versorgung sondern auch die personellen Angelegenheiten stellen in einem Einsatz eine Herausforderung dar. Kompaniefeldwebel Stabsfeldwebel Gerhard K. und sein Trupp waren zuverlässige Wegbereiter für den Kompaniechef. Auch freuten sich die Soldaten auf den Baustellen, wenn gegen Mittag der „Spieß“ mit der Mittagsverpflegung eintraf. Zugegeben, aufgrund der weit verstreuten Baustellen war dies nicht täglich möglich, genoss dem zur Folge aber einen um so höheren Stellenwert.
Das Nadelöhr für den Informationsaustausch mit den höheren Dienststellen und die gesamte Einsatzplanung war die Operationszentrale. Stabsfeldwebel Andreas L. und Oberfeldwebel Arne B., zuständig für die Informationstechnologie, stellten ebenso in diesem Bereich die immer verfügbare Ansprechstelle in allen Angelegenheiten der Pionierkompanie dar.
In einem völlig anderen Aufgabenbereich eingesetzt, erlebten unsere Kampfmittelbeseitiger den Einsatz. Sie waren ebenso wie die Pionierzüge im ganzen Kosovo und darüber hinaus eingesetzt. Neben den Standardaufträgen, wie zum Beispiel das Absuchen von Hubschrauberlandeplätzen auf Kampfmittelfreiheit und die Beseitigung von Kampfmittelfunden - etwas, das im Kosovo immer noch zum täglichen Aufgabenbereich gehört, - waren der Besuch des Verteidigungsministers Dr. Jung in Prizren und der Kommandowechsel im NATO-Hauptquartier im mazedonischen Skopje nennenswerte Ereignisse. Hier musste der Kampfmittelbeseitigungszug unter der Führung von Hauptmann Heinz L. die notwendige Sicherheit garantieren, wozu nicht nur der oberflächliche Blick und das Absuchen mit Detektoren, sondern auch die Überprüfung und Versiegelung der Kanalisation im Bereich der Altstadt Prizrens gehörte.
Aber der Auslandseinsatz bestand nicht nur aus Arbeit, Aufträgen und Projekten. Oberfeldwebel Oliver K. war für Abwechslung, Betreuungsfahrten und einige Veranstaltungen in der Pionierkompanie verantwortlich. Unter seiner Mitwirkung konnten zwei erfolgreiche Weihnachtsmärkte in Zusammenarbeit mit der Feldlagerbetriebskompanie und der ABC-Abwehrkompanie auf die Beine gestellt werden. Hierbei konnten mit einer Tombola Gelder in Höhe von 400 Euro für das Bundeswehr-Sozialwerk gesammelt und aus dem Erlös des Weihnachtsmarktes weitere 400 Euro für ein zivil-militärisches Projekt im Kosovo aufgebracht werden. Ebenso wurden an den Wochenenden Betreuungsfahrten durchgeführt, auf denen die Soldaten andere Feldlager oder Städte besichtigten und der ein oder andere Einkauf erledigt werden konnten.
Nach einhelliger Meinung freuen sich alle Angehörige der deutschen Pionierkompanie der MNB SW auf die Heimat. Der Einsatz hat, vor allem bei den jüngeren Kameraden, für die es der erste Einsatz war, zu einer Erweiterung des Erfahrungshorizontes beigetragen. Nach 136 Einsatztagen schließt sich nun eine Urlaubsphase an, in der es gilt, die Akkus wieder aufzuladen. 

zurück
nach oben
Täglicher Anzeiger Holzminden

© Täglicher Anzeiger Holzminden