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Zum Amtsantritt wird Dohnsen dem Bistum zum Geschenk gemacht

In der Ausstellung wird ein Modell des Paderborner Doms gezeigt, den Meinwerk bauen ließ.

Kreis Holzminden (12.12.09). Als vor 1.000 Jahren der sächsische Adelige Meinwerk Bischof von Paderborn wurde, war es ein kluger Schachzug Kaiser Heinrichs II. Der Herrscher, der damals als Stellvertreter Christi angesehen wurde, hatte das Recht die Bischöfe zu ernennen und sie gleichzeitig zu bestimmten Gaben zu verpflichten. „Sowohl wegen seiner vornehmen Herkunft als auch durch die Menge seiner irdischen Besitztümer und Geldmittel“ war Meinwerk der ideale Kandidat. Bei der Ernennung machte Heinrich II. dem neuen Bischof deutlich, dass er gewisse Schenkungen erwarte, um das bislang arme Bistum Paderborn etwas zu „kräftigen“.
Kurz nach Übernahme der Paderborner Kirche schenkte er dem Bistum fünf große Höfe im Weserraum als Antrittsgeschenk: Neben Landgütern in Rehme (bei Minden), Goldbeck (bei Hameln), Großenwieden (bei Hess. Oldendorf) gehörte auch Dohnsen zur reichhaltigen Gabe. Meinwerk war eine faszinierende Persönlichkeit des 11. Jahrhunderts, der nicht nur Reichsfürst und Bischof von Paderborn war, sondern durch sein Wirken die territoriale Gestalt der Weserregion bestimmt hat. Mit der Ausstellung „Für Königtum und Himmelreich – 1.000 Jahre Bischof Meinwerk von Paderborn“ erinnern das Erzbistum Paderborn und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe an Leben und Werk des Bischofs, der von 976 bis 1036 lebte.
Die Ausstellung findet direkt beim Paderborner Dom an zwei Orten statt und besteht ebenso aus zwei Teilen. Im Museum in der Kaiserpfalz werden die weltlich-politischen Aufgaben des Bischofs dargestellt und thematisiert. Im erzbischöflichen Diözesanmuseum stehen die theologisch-geistesgeschichtlichen und kunsthistorischen Aspekte im Mittelpunkt. Dieser Ausstellungsteil würdigt Meinwerk und seine Amtskollegen aus der damaligen Zeit als Seelsorger und Stifter bedeutender Kunst- und Bauwerke.
Am Beginn der Ausstellung in der Kaiserpfalz steht die Ernennung Meinwerks zum Bischof durch Kaiser Heinrich II. In einer szenographischen Installation wird der Besucher Zeuge der Zeremonie am 9. März 1009 in der Pfalz Goslar. Dargestellt werden in der Schau die Aufgaben des Bischofs im Rahmen des Königsdienst, wodurch er den umherreisenden Königshof zu beherbergen hatte und sich an militärischen Unternehmungen beteiligen musste. Die Ausstellung beantwortet auch die Frage, woher die Informationen über Meinwerk stammen. Die wichtigste Quelle ist die Lebensbeschreibung Meinwerks, die „Vita Meinwerci“. Sie entstand rund 130 Jahre nach dem Tod Meinwerks und wird zum ersten Mal zusammen mit ihren beiden Abschriften ausgestellt.
Im Diözesanmuseum empfängt den Besucher die Inszenierung einer Synode, die im Jahr 1005 in Dortmund stattfand. Damals schlossen 15 Reichsbischöfe mit Heinrich II. und seiner Gemahlin Kunigunde eine Gebetsverbrüderung. Wie stieg man damals in die Bischofselite auf, deren Mitglieder sich selbstbewusst als Kollegen des Königs empfanden? Die Ausstellung zeigt die Ausbildung dieser Elite in den Domschulen. Meinwerk, der aus dem sächsischen Hochadel stammte und sich auf Herzog Widukind als Ahnen berufen konnte, wurde in der Hildesheimer Domschule ausgebildet. Gezeigt wird auch die kirchliche Liturgie der damaligen Zeit. Erstmals wird außerhalb von Hildesheim das silberne Bernwardkreuz präsentiert, eines der schönsten Zeugnisse kirchlicher Kunst vor 1.000 Jahren. Auch Handschriften und Skripte werden ausgestellt, darunter ein Evangeliar, das im Kloster Corvey entstanden ist. Das Ende der Ausstellung ist Meinwerks Tod und Nachleben gewidmet. Im Zentrum steht in diesem Abschnitt der Sarkophag, in dem er nach seinem Tod am 5. Juni 1036 im Abdinghofkloster in Paderborn beigesetzt wurde. Hier inszeniert der Künstler Brody Neuenschwander das Gedächtnis an den toten Bischof. Ein letztes Mal wird er von seinen Panzerreitern in langsamer Prozession getragen und nimmt Abschied von seinem Bistum.
Die Ausstellung, die sich besonders durch die Inszenierung von Geschichte auszeichnet, dokumentiert besonders, dass Meinwerk als Gründer des Hochstifts Paderborn zu sehen ist und für die territoriale Gestaltung des Weserraums von besonderer Bedeutung war. Damals waren die Herrschaftsgebiete von Fürsten und Bischöfen noch nicht flächenmäßig zusammengewachsen. Die Adeligen verfügten über einzelnen Grundbesitz, teilweise im gesamten damaligen Heiligen Römischen reich verstreut. So gehörten Meinwerk und seiner Familie nicht nur zahlreiche Güter und Höfe zwischen Weser, Leine und Oker, sondern auch landwirtschaftliche Betriebe und Dörfer am Niederrhein und in den heutigen Niederlanden.
Als Meinwerk Bischof von Paderborn wurde, baute er kontinuierlich das Bistum zu einem einheitlichen Herrschaftsgebiet aus. Seine Diözese reichte von Herford, Bielefeld und Paderborn bis Marsberg, Arolsen, Warburg, Holzminden und Detmold. Der heutige Landkreis Holzminden gehörte zum Bistum Paderborn und war in die Pfarreien Holzminden, Oldendorpe, Heinsen und Boffzen aufgeteilt. Während Holzminden, Boffzen und Würgassen damals kleine Höfe waren und dem Bischof gehörten, war zu Meinwerks Zeit Heinsen der zentrale Punkt vor 1.000 Jahren. Im Weserort lag ein Haupthof, zu dem insgesamt neun sogenannte Vorwerke wie die kleinen Höfe in Holzminden oder Boffzen gehörten.
Die Ausstellung ist noch bis zum 21. Februar zu sehen und dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. An jedem ersten Mittwoch im Monat ist sie sogar bis 20 Uhr zu sehen. Geschlossen ist die Schau am 24., 25. und 31. Dezember. Zur Ausstellung werden verschiedene Führungen und Programme für alle Altersstufen angeboten. Gruppenführungen können in verschiedenen Sprachen vereinbart werden.
Zur Ausstellung ist ein 584 Seiten starker Katalog erschienen, der nicht nur alle Exponate ausführlich darstellt, sondern auch informativ und sehr anschaulich in die Geschichte der Region vor 1.000 Jahren einführt. Gerade in diesem Werk mit etwa 500 Farbbildern werden die Bezüge zwischen den Paderborner Bistum und der Region zwischen Weser und Leine sehr deutlich. Der Katalog ist erschienen im Verlag Schnell und Steiner (ISBN 978-37954-2152-6) und kostet noch bis zum 22. Februar 29.90 Euro. Der Besuch der Ausstellung ist genauso zu empfehlen wie der Katalog zur Meinwerk-Schau. (fhm)

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Täglicher Anzeiger Holzminden

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