Samstag, 29. Februar 2020
Samstag, 25. Januar 2020

Mehr als 20 Tote und tausend Verletzte bei Erdbeben im Osten der Türkei

Ein zerstörtes Haus in Sivrice. (AFP / AFP )

Bei einem schweren Erdbeben sind im Osten der Türkei mehr als 20 Menschen getötet worden. Zudem seien mehr als tausend Menschen verletzt worden, teilte die Katastrophenschutzbehörde Afad am Samstag mit. Das Zentrum des Bebens der Stärke 6,8 lag am Freitagabend in Sivrice in der Provinz Elazig. Rettungsteams konnten am Samstag mehrere Überlebende aus den Trümmern eingestürzter Häuser bergen. Mindestens 30 Menschen wurden noch vermisst.

Das Beben ereignete sich Afad zufolge am Freitagabend gegen 20.55 Uhr (18.55 Uhr MEZ) in Sivrice, es wurden mindestens 30 Nachbeben registriert. Der 4000-Einwohnerort Sivrice liegt südlich der Stadt Elazig an einem See und ist eines der beliebtesten Touristenziele in der Region.

Das Beben war in weiten Teilen der Osttürkei nahe der Grenzen zum Irak und Syrien zu spüren. Auch aus den Provinzen Diyarbakir, Batman, Sanliurfa, Adiyaman und Kahramanmaras wurden Verletzte gemeldet. In der Provinz Elazig kamen nach Behördenangaben mindestens 17 Menschen ums Leben, in der Nachbarprovinz Malatya vier.

Am Samstag gelang es den Rettungskräften, fünf Menschen lebend zu bergen, wie Afad im Onlinedienst Twitter meldete. Unter ihnen war der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge auch eine schwangere Frau, die zwölf Stunden unter den Trümmern ausgeharrt hatte.

Das türkische Fernsehen zeigte Bilder von Menschen, die in Panik auf die Straße liefen. Der 68-jährige Zekeriya Gunes aus der Stadt Elazig berichtete, ein Haus in seiner Straße sei eingestürzt. "Jeder ist draußen, es war sehr stark, sehr furchteinflößend." Die 39-jährige Ferda berichtete der Nachrichtenagentur AFP, sie sei in Panik geraten und habe nicht gewusst, ob sie raus in die Kälte oder drinnen bleiben solle. "Es dauerte ziemlich lange, vielleicht 30 Sekunden."

Eray Ernek sah gerade fern, als das Erdbeben sein Haus erschütterte. "Ich stürzte vom Sofa auf den Boden." Zusammen mit seinem Vater sei er ins Freie gelaufen. "Wir sahen, dass andere Häuser eingestürzt waren."

In einem Dorf nahe Elazig suchten Rettungsteams am Samstag in den Trümmern eines eingestürzten fünfstöckigen Gebäudes nach Überlebenden, wie ein AFP-Reporter berichtete. Ein Mensch konnte lebend geborgen werden.

In Turnhallen, Schulen und Büchereien wurden Notunterkünfte für die Erdbebenopfer eingerichtet. Einige Bewohner hatten in der eisigen Nacht zuvor Feuer entzündet, um sich zu wärmen. Die großen Telekommunikationsunternehmen kündigten an, dass sie den Betroffenen kostenlose Telefon- und Internetverbindungen zur Verfügung stellen würden.

Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte, es seien alle notwendigen Schritte unternommen worden, um den Betroffenen zu helfen. Er habe mehrere Minister an den Ort des Geschehens geschickt. "Wir stehen unserem Volk zur Seite", schrieb Erdogan auf Twitter.

In Berlin drückte Regierungssprecher Steffen Seibert den Betroffenen bei Twitter sein Beileid aus: "Unsere Gedanken sind bei allen, die dort jetzt um die Toten trauern, bei den vielen Verletzten und bei den Helfern, die um jedes Leben kämpfen." Bundeskanzlerin Angela Merkel war am Freitag zu Gesprächen mit Erdogan in Istanbul.

In der Türkei kommt es immer wieder zu schweren Erdbeben, da das Land auf mehreren seismischen Platten liegt. Am 17. August 1999 waren bei einem Erdbeben der Stärke 7,4 in Izmit, Istanbul und anderen Orten mehr als 17.000 Menschen ums Leben gekommen. Das letzte größere Erdbeben ereignete sich 2011 in der Provinz Van. Es erreichte eine Stärke von 7,1, mehr als 600 Menschen starben. Istanbul (AFP) / © 2020 AFP