Sonntag, 08. Dezember 2019
Dienstag, 03. Dezember 2019

Schlechtere Pisa-Ergebnisse deutscher Schüler lösen Sorgen aus

Deutsche Schüler schneiden bei Pisa-Studie schlechter ab. (dpa/dpa/picture-alliance/Archiv / dpa )

Das schlechtere Abschneiden deutscher Schüler in der neuen internationalen Pisa-Studie hat in Politik und Wirtschaft Sorgen ausgelöst. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) forderte am Dienstag in Berlin eine "nationale Kraftanstrengung", damit Deutschland mit den mittlerweile weit enteilten führenden Ländern mithalten kann. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) forderte bundesweite und verbindliche Bildungsziele, damit den Schülern ein besserer Einstieg in den Beruf gelingt.

2001 hatte die erste Pisa-Studie in Deutschland wegen der schlechten Ergebnisse deutscher Schüler einen Schock ausgelöst und gleichzeitig zu Anstrengungen in der Bildungspolitik geführt, auf die erheblich bessere Leistungen der Schüler im internationalen Vergleich folgten. Nach der nun veröffentlichten Studie der OECD liegt Deutschland weiter über dem Durchschnitt der Wirtschaftsnationen, allerdings mit nachlassenden Ergebnissen.

So verschlechterten sich die Resultate in den drei untersuchten Kompetenzfeldern Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften. Die Leseleistungen der deutschen Schüler sanken nach Verbesserungen in den vorherigen Pisa-Tests wieder auf das Niveau von 2009. Statistisch sei der Rückgang aber nicht belastbar. In den Naturwissenschaften ging die mittlere Punktzahl sogar auf den niedrigsten seit 2006 gemessenen Wert zurück, in Mathematik lagen die Ergebnisse deutlich unter dem Pisa-Test von 2012.

Insgesamt landete Deutschland auf Platz 20 von 77 Ländern und Volkswirtschaften. Vorn landeten die vier teilnehmenden chinesischen Provinzen, gefolgt von Singapur. In Europa zeigten die Schüler in Estland, Finnland oder Polen teils deutlich bessere Leistungen als die deutschen Schüler.

Die Leiterin des deutschen Teils der Pisa-Studie, Kristina Reiss, sagte, Deutschlands Anspruch müsse "einfach größer sein, als ein bisschen über dem OECD-Durchschnitt zu liegen". Reiss zeigte sich besonders besorgt darüber, dass etwa ein Fünftel der 15-Jährigen nur schlecht lesen kann. Dazu komme, dass die Freude am Lesen abgenommen habe.

Es ist doch traurig zu sehen, dass die Jugendlichen inzwischen lesen, um Informationen zu bekommen, weniger aus Freude am Lesen", sagte Reiss. Sie forderte als Konsequenz aus den Ergebnissen mehr individuelle Förderung. Ob sich das Schulsystem insgesamt ändern müsse, könne sie aus den Ergebnissen nicht ableiten.

Wie die Studienmacher feststellten, hängt der Schulerfolg in Deutschland weiter stärker von der sozialen Herkunft ab als im Durchschnitt der OECD-Länder. So stellten die Experten der OECD im Bereich der Lesekompetenz deutscher Schüler ein erhebliches Auseinanderdriften der Leistungen unterschieden nach sozialen Schichten fest.

Die von den Forschern der OECD festgestellte abflachende oder zunehmend negative Entwicklung könne "nicht unser Anspruch sein", sagte Karliczek. So mache ihr Sorge, dass die Gruppe der leistungsschwachen Schüler wachse und gleichzeitig die Gruppe der leistungsstarken Schüler stagniere.

Karliczek sagte zu den nun nötigen Konsequenzen, es brauche "eine nationale Kraftanstrengung für bessere Bildung". Ein von der Bundesregierung geplanter nationaler Bildungsrat war allerdings kürzlich de facto gescheitert, weil Bayern und Baden-Württemberg ausstiegen. Karliczek sagte, die Bundesregierung bleibe bei ihrem Angebot an die Bundesländer zur verstärkten Zusammenarbeit. "Jetzt müssen sich die Länder überlegen, was sie wollen."

Die nachlassenden Leistungen der Schüler treiben auch die Wirtschaft um. Der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks verwies auf die nötigen Kenntnisse in Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen, um "einen guten Start ins Berufsleben zu finden". Dercks forderte mehr Zusammenarbeit von Bund und Ländern.

Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Elke Hannack, forderte eine gemeinsame Bildungsstrategie von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialpartnern. Der Hightechbranchenverband Bitkom forderte mehr Kompetenzen des Bundes in der Bildungspoltik. Dieser müsse bundesweit gültige Mindeststandards vorgeben können, erklärte Bitkom-Präsident Achim Berg. "Bislang vergehen Jahrzehnte, bevor bildungspolitische Reformen greifen." Berlin (AFP) / © 2019 AFP