Montag, 10. Dezember 2018

100 Jahre Führer durch das Oberwesergebiet

Holzminden (27.10.2012). Als im Jahre 1902 der Wesergebirgsverein gegründet wurde, teilte er im ersten Rundschreiben am 10. September 1902 den Mitgliedern unter anderem mit, dass „Die Anfertigung guter Karten, die Beschaffung eines geeigneten Reiseführers...“ zu besorgen sei. Gab es denn für das Weserbergland noch keine Reiseführer der bekannten Verlage wie Baedeker, Meyer oder Grieben? Diese Reiseführer enthielten zwar Namen von einzelnen Orten des Weserberglandes, aber nannten keine touristischen Routen oder Besonderheiten. Im Baedeker von Nordwest-Deutschland in der 29. Auflage von 1908 heißt es unter anderem unter dem Stichwort Holzminden auf Seite 185: „Holzminden (Gasth.: Reichskrone, am Markt... Deutsches Haus, beim Bahnhof...), braunschw. Stadt mit 9900 E., Vor der Baugewerkschule ein Bronzestandbild ihres Gründers, F. L. Haarmann...“ Auf Seite 149 dieses Reiseführers lässt sich Folgendes nachlesen: „Von Münden nach Hameln, 135 km, lohnende Fahrt auf der Weser: im Sommer Dampfschiff 1mal tägl. In 10 St.“ Es gab einen Führer seit 1877, und zwar den „Wegweiser durch das Weserbergland“ von Herrn E. Görges, 1902 in der siebten Auflage erschienen. Auf 210 Seiten berichtete er über das Weserbergland „...nebst Teutoburger Wald, Ith, Hils, Deister, Osterwald und das untere Fulda- und Werrathal mit besonderer Berücksichtigung der Bäder Pyrmont, Oeynhausen, Eilsen, Nenndorf, Driburg, Meinberg, Salzuflen und anderer“. Ein Verzeichnis der wichtigsten Touren war auf drei Seiten zusammengestellt. Der Wesergebirgsverein hatte sich zum Ziel gesetzt, gemeinsam für das ganze Gebiet zwischen Kassel und Minden aufzutreten. Dieses war dann die Grundlage für einen Reiseführer, der in Zusammenarbeit mit der Weserschifffahrt das ganze Gebiet touristisch erschließen sollte. Als Autor wurde Dr. Otto Dieckhoff, Direktor des Realgymnasiums in Uelzen, gefunden. Gegenüber dem „Görges“ sollte der zu erarbeitende Reiseführer umfangreiches Pläne- und Kartenmaterial enthalten. Im allgemeinen Teil wurde das Oberwesergebiet eingegrenzt, dann einiges zur Geographie und zur Geologie, zum Verkehrswesen, zur Reisezeit und zu empfehlende Reisepläne beschrieben. In erster Linie reiste man ins Weserbergland mit der Eisenbahn. Die Knotenpunkte waren dafür Hannover, Bielefeld, Altenbeken, Kassel und Hann. Münden. Auf der Weser wurden die regelmäßigen Fahrten mit dem Dampfschiff der „Oberweser-Personen-Dampfschifffahrtsgesellschaft“ empfohlen. Der Zeit weit voraus waren vorgeschlagene Reiserouten und -pläne, zum Beispiel von Hannover aus in Richtung Hameln, Bodenwerder, Holzminden, Corvey, Fürstenberg bis nach Kassel für eine 14-tägige Reisedauer. Auf über 530 Seiten wurden die Tourenbeschreibungen erläutert. Die Tour 72 begann in Alfeld, führte über Grünenplan, den Großen Sohl nach Eschershausen. Der Kümmerliche Stieg, der Rote Fuchs, die Hilshöhe und die Rothesteinhöhle werden erwähnt. Für die kartographische Arbeit gewann der Wesergebirgsverein den Verlag F. A. Brockhaus in Leipzig. In alle Karten wurden die beschriebenen Wanderwege eingezeichnet. Ostern 1912, nach zehn Jahren der Bearbeitung, war es endlich soweit. In einer Auflage von 5.000 Exemplaren zum Preis von 2,50 Mark erschien der „Führer durch das Oberwesergebiet“ im klassischen Reiseführerrot. Aus heutiger Sicht ist es anregend, den Holzmindener Stadtplan mit der heutigen Ausdehnung zu vergleichen. Hinter dem Sparenberg war die Bebauung zu Ende. Entlang der Bahn gab es die Wilhelmshütte. Der Stadtpark hatte eine Restauration; am Pipping gab es ein Kurhotel, zwei Gastwirtschaften und Sommerfrischen. Nach Beendigung des Ersten Weltkriegs ging der Autor „...sofort an die Erarbeitung einer wesentlich erweiterten und verbesserten Auflage.“ Den Vertrieb der zweiten Auflage übernahm ab 1921 der Verlag Max Augustin, Kassel. Nachdem die zweite Auflage von 10.000 Exemplaren Mitte 1924 verkauft war, übernahm die Firma Hüpke & Sohn aus Holzminden ab der dritten Auflage mit 12.000 Exemplaren den Druck und die verlegerische Verantwortung. Der Inhalt wurde ab der dritten Auflage bedeutend erweitert und verbessert. Die Erweiterung ergab 670 Seiten gegenüber der ersten Auflage mit 530 Seiten. Am Holzmindener Stadtplan lassen sich im Vergleich zu 1912 Erweiterungen und Veränderungen erkennen, zum Beispiel die Ausbauplanungen im Norden der Stadt. Die Anzahl der Touren hatte sich von 150 auf 183 erweitert. Zusätzlich wurden 28 Hauptwanderstrecken aufgeführt. Der Verlag Hüpke & Sohn hatte eine eigene kartographische Abteilung. Zum Teil wurden die Arbeiten des Verlages F. A. Brockhaus verwendet; bei Bearbeitungen und zusätzlichen Karten hieß der dafür tätige Kartograph Georg Hach. Mehrere beigefügte Fotos zeigen das oberhalb der Steinmühle im Jahre 1927 errichtete Denkmal für Senator F. W. Meyer, eine Szene im Kurpark von Bad Pyrmont, das große Badehaus in Bad Nenndorf sowie eine ganzseitige Werbeanzeige der Stadt Lemgo (nur im II. Teil). Da der Umfang des Führers durch das Oberwesergebiet zu stark geworden war, teilte man den Inhalt auf zwei Bände auf. Diese Teilausgaben nannten sich nun „Hüpkes Reisebücher“; als Herausgeber zeichnete weiterhin der Verkehrsverband Weserbergland (der frühere Wesergebirgsverein) verantwortlich. Hüpke & Sohn boten in ihrer Reisebücherabteilung neben dem Dieckhoff eine große Übersichtskarte des Weserberglandes im Maßstab 1:300.000, das Buch „Die Weser in Geschichte und Sage“ und „Die Weser im Bilde“ (25 Federzeichnungen) an. Damit wurde von Holzminden ausgehend der bis heute unerreicht gebliebene klassische Reiseführer mit der letzten, vierten Auflage das Standardwerk zum Oberwesergebiet. Wenn sich auch vieles geändert hat, die touristisch sehens- und besuchenswerten Gebiete sind geblieben. (Alex Hinrichsen)

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