Sonntag, 18. November 2018

Am Ende wehren sich die Städte gegen die Raubrit-ter der Eversteiner

Weserbergland (05.01.2013). Mit den Burgherrn der Holsterburg, genannt Berkule, hat es kein gutes Ende genommen. Einige landeten auf dem Schafott, andere wurden zu Dienstleuten beim Bischof von Paderborn degradiert. Für die Gefolgsleute der Eversteiner war es eine kurze, aber einträgliche Karriere, die jetzt bei Ausgrabungen wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt ist. Eigentlich wollten Archäologen im Sommer 2010 in der Nähe von Warburg im Kreis Höxter eine sogenannte Motte ausgraben. Als die Wissenschaftler den Hügel freilegten, in dem sie einen kleinen Wehrturm samt Mauer vermuteten, stießen sie auf die achteckige Holsterburg.

Die Besitzer dieser Burg, die im 12. Jahrhundert erbaut wurde, gehörten zu den Gefolgsleuten der Grafen von Everstein. Diese Adeligen, die ihren Stammsitz auf dem Burgberg bei Bevern hatten, besaßen nicht nur in den heutigen Kreisen Holzminden und Hameln große Ländereien. Auch im südlichen Kreis Höxter in der Nähe von Warburg und in Nordhessen in der Nähe von Volkmarsen hatten die Eversteiner Grundbesitz. Durch die Verbindung zu den Staufern, die seit 1138 die deutschen Könige stellten und im Kampf gegen die Welfen die Vorherrschaft errungen hatten, waren auch die Eversteiner zu den wichtigen Familien des damaligen Heiligen Römischen Reiches aufgestiegen. Da man sich nicht immer selbst um die verstreut liegenden Ländereien kümmern konnte, sorgten jeweils Ritter oder Dienstleute vor Ort dafür, dass die Interessen der Grundherren gewahrt wurden. Und solche Ritter waren die Herren der Holsterburg.

In den Schriftquellen werden die Edelherren von Holthausen mit Wolnandus erstmals um 1170 fassbar. Ihr Besitz wird im Verzeichnis der käuflichen Erwerbungen des Kölner Erzbischofs Philipp I. von Heinsberg (1167 bis 1191) erwähnt. Daraus geht hervor, dass sie dem Erzbischof ihr „festes Haus“ in Holthausen mit allem Zubehör gegen den Widerstand des Mainzer Erzbischofs übertrugen. Während sich hinter dem „festen Haus“ die Holsterburg verbergen dürfte, fällt unter das Zubehör wohl das Dorf Holthausen, das wie die Burg später von beiden Erzbistümern als Lehen vergeben wurde.

Langjährige Konflikte zwischen den Burgherren, genannt Berkule, und der Stadt Warburg besiegelten letztendlich den Untergang von Dorf und Burg. Immer wieder waren Händler und Kaufleute von den Rittern überfallen worden. Zudem hatten Bauern aus Holthausen Schutz und Aufnahme in der Stadt gesucht, während den Berkules vorgeworfen wurde, die Altstadt mit Brandpfeilen angegriffen zu haben. Schließlich wurde die Burg 1294 von einem Städtebündnis, das aus den Städten Warburg, Marsberg, Höxter, Fritzlar, Hofgeismar, Wolfhagen und Naumburg bestand, unter Rückendeckung des Paderborner Bischofs zerstört.

Mit ihrer Burg konnten die Berkules den wichtigen Handelsweg zwischen Warburg und Kassel kontrollieren. Burg und Dorf bildeten somit einen wichtigen Vorposten gegen das Bistum Paderborn, in Sichtweite der bischöflichen Burg auf dem Warburger Wartberg. Doch als die Städte sich gegen die Raubritter zusammenschlossen, war es mit der Herrlichkeit der Berkules vorbei. Johann von Berkulem, so berichten mittelalterliche Urkunden, unterwarf sich dem Bischof von Paderborn und wurde von ihm als Dienstmann auf seiner Burg in Warburg eingesetzt. Mitstreiter der Berkules, so wird in Quellen erzählt, landeten auf dem Schafott und wurden hingerichtet.

Die Ausgrabungen auf der Holsterburg erbrachten nicht nur neues Wissen über die Vergangenheit, sondern auch einen überraschenden architektonischen Befund: den Grundriss einer Burg in Form eines Oktogons, eines Achtecks, von 568 Quadratmeter Grundfläche.

Die ehemals etwa zwölf Meter hohe Ringmauer schützte mehrere an sie angelehnte Gebäude, zu deren außergewöhnlichen Ausstattung eine Warmluftheizung zählte. Entsprechende ausgeklügelte Heizanlagen sind im adeligen Milieu nur in wenigen Pfalzen und Dynastenburgen bekannt. Achteckige Burgen sind nur an wenigen Orten in Europa zu finden, so im Elsass, in Baden-Württemberg und in Apulien und Sizilien. Das bekannteste Beispiel für eine achteckige Burg ist das Castel del Monte, das Staufer-Kaiser Friedrich II. um 1240 in Süditalien errichten ließ. Die Holsterburg stellt bislang den nördlichsten Vertreter innerhalb dieser stauferzeitlichen Gruppe dar. Die Burgen belegen, dass die Bauform weniger abhängig vom ständischen Rang ihrer Bauherren als vielmehr von deren ökonomischen Möglichkeiten war. So zeugt die Holsterburg in ihrer vollendeten Architektur als weithin sichtbares Statussymbol von der Selbstdarstellung der Edelherren und hebt ihren Wohnsitz aus der hochmittelalterlichen Burgenlandschaft hervor. Die Ausgrabungen sorgten sogar für solches Aufsehen, dass darüber in der Fernsehsendung in der Sendung „Terra X – Deutschlands Supergrabungen“ berichtet wurde.

Funde der Ausgrabungen werden zurzeit im Museum in Stern in Warburg in der Ausstellung „Aus 7.000 Jahren – Archäologische Neuentdeckungen“, gezeigt. Darin sind übrigens nicht nur die Ergebnisse der Holsterburg-Grabungen durch die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe zu sehen. Hinzu kommen Ausgrabungen eines Schlachtortes des Siebenjährigen Krieges im Jahr 1760 am Heinberg, eines 7.000 Jahre alten linienbandkeramischen Siedlungsplatzes mit Gräberfeld und einer jüdischen Mikwe in der Stadt selbst. Gezeigt werden in der Ausstellung auch die Ausgrabungsergebnisse der ehemaligen Vorstand Hüffert, die bis ins Mittelalter existierte. Die Ausstellung kann noch bis 27. Januar jeden Tag außer montags von 14.30 bis 17.30 Uhr im Museum im Stern, Sternstraße 35, in Warburg besichtigt werden. (fhm)

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