Sonntag, 18. November 2018

„Der Stadtpark und seine Geschichte“

Holzminden (24.05.2014). Paul Engelke referierte bei der jüngsten Zusammenkunft der Alten Holzmindener zum Thema „Der Stadtpark und seine Geschichte“. Das Interesse an dem Vortrag war sehr gut. Gerhard Lüer begrüßte die Teilnehmer und war erfreut, dass auch die beiden Kandidaten zur Bürgermeisterwahl ihr Interesse an der Arbeit der „Alten Holzmindener“ durch ihr Erscheinen bekundeten.
Paul Engelke stellte bei seiner Begrüßung das Thema dieser Veranstaltung vor. Er bat die Besucher, sich durch ihr Wissen aus der Vergangenheit an der Diskussion zu beteiligen, was auch geschah. Alle Teilnehmer nahm Engelke mit auf einen gedanklichen Rundgang durch den Stadtpark.
Am Anfang wurde der „Stadtpark“ anhand einer Satellitenaufnahme gezeigt. Schon bei der Anfahrt zum Stadtpark, aus der Stadt kommend, richtet sich der Blick auf die „Liebold-Villa“. Auf die herausragende Persönlichkeit des Bauunternehmers Liebold, seine Aktivitäten im In- und Ausland sowie als Dozent und Politiker wurde erinnert. Anhand einiger Bauwerke wurde der international tätige Betrieb dargestellt. Sehr viel hat diese Firma zur Bekanntheit Holzmindens schon vor weit über 100 Jahren beigetragen. Außerdem wurden die Personen und Firmen benannt, die in diesem Areal später wohnten und wirkten.
Die nächste „Station“ war der Eingangsbereich zum Stadtpark. Hier stellte Paul Engelke den damaligen Initiator dieses Parks, Hermann Schrader, in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Der Bürgermeister verstarb im Alter von nur 54 Jahren. Er war sehr beliebt und hat für Holzminden viel bewirkt. Als Dank wurden ihm von der Stadt Holzminden im Park und auf dem Friedhof an der Allersheimer Straße Gedenksteine gewidmet. Eine Bronzebüste ist im Stadtarchiv zu sehen, und eine Straße wurde nach ihm benannt.
Der Stadt ging es vor rund 130 Jahren finanziell nicht gut. Man hatte kein Geld. Um die Erweiterung der eigenen Ländereien am Stadtpark zu finanzieren, musste die Stadt das Lehrerhaus in der Weserstraße verkaufen. Der Tischler, August Wellmann, war auf der Suche nach einer passenden Bleibe, um sich dort selbstständig zu machen. Er machte der Stadt ein Kaufangebot und bekam den Zuschlag. Eine Kopie der Kaufzusage wurde gezeigt.
Die Stadt erwarb von dem Gipsbrenner Petersen 14 Morgen Land, bewachsen mit Bäumen verschiedenster Art sowie die zum Grund gehörenden Steinbrüche im Eingangsbereich des Stadtparks. Auf dem jetzt 18,18 Hektar großen Grundstück entstand der Naherholungspark. Die Stadt pflanzte weitere Bäume sowie Buschwerk und legte gut begehbare Wege an.
Der „Rundgang“ führte weiter an der jüngsten evangelischen Kirche Holzmindens vorbei zum Thingplatz. Auch hier wurde an den Bau durch Freiwillige des Arbeitsdienstes und die Nutzung erinnert. Thingplätze oder Thingstätten sind Freilichttheater. Sie wurden in der Zeit von 1933 bis 1936 im Rahmen der „Thing-Bewegung“  im Nationalsozialismus errichtet. Von den ursprünglich 400 bis 600 geplanten Thingstätten wurden nur 60 vollendet. Heute sind nur noch wenige davon erhalten. Heute ist auf dem Thingplatz ein schöner Spiel- und Grillplatz. Er wird gern angenommen von Kindergärten, Schulen, Vereinen und Familien en. Als Paul Engelke von der Anlage Fotos zeigte, wurden Stimmen laut: Man müsste nochmal Kind sein!
Weiter ging der „Weg“ zur Schulfestwiese. Auf diese Passage des Vortrages wurde bereits gewartet. Für einige Damen im Besonderen wurden Kindheitserinnerungen wach. Allerdings hatte keine der Damen einen Blumenkranz im Haar und auch keinen Blumenbogen. In solcher Aufmachung gingen die Mädchen früher zum Schulfest. Die „Schulfeste“ der Bürgerschulen hatten eine lange Tradition. Von 1923 bis 1933/34 wurden sie gefeiert. Dann lösten Jugendfeste die herkömmlichen Schulfeste ab. 1947 wurden sie nach dem Zweiten Weltkrieg erstmalig wieder durchgeführt. Die Tradition endete 1954/55.
Im Spätsommer, nach der Heuernte, gingen einige hundert Kinder der Bürgerschulen mit Musikbegleitung zum Stadtpark. Schon Wochen vor dem Fest hatten sich die einzelnen Klassen auf diesen Tag vorbereitet. Man präsentierte den Eltern, Geschwistern, Großeltern, was man alles kann. Es wurde gesungen, eine einstudierte Gymnastik gezeigt und allerlei Spiele gemacht. Auch die Eltern hatten sich auf diesen Tag vorbereitet und belagerten die Hangwiesen auf mitgebrachten Decken. Viele backten extra den beliebten Zuckerkuchen, der natürlich auch die Bienen und Wespen anzog. Im Stadtparkbereich standen Verkaufsstände für Obst und Erfrischungen. Auch an die Väter wurde gedacht. Sie kamen meistens nach Dienstschluss und gönnten sich ein oder zwei kühle Blonde. Viel zu schnell vergingen die tollen Stunden. Mit Einbruch der Dunkelheit wurden die Kerzen in den Lampions angezündet, und es ging wieder mit Musikbegleitung zurück in die Stadt zur Schule.
Von der „Schulfestwiese“ führt der Weg über eine Treppe entlang einer Obstwiese in den oberen Stadtparkbereich. Hier am höchsten Punkt des Parks steht seit nunmehr 106 Jahren der Kaiser-Wilhelm-Turm. Vom Turmbau und den damit verbundenen Schwierigkeiten konnte Paul Engelke berichten. Der Turm steht auf 174 NN, ist 17 Meter hoch. Er durfte in seinem langen Leben aus verschiedenen Gründen nicht immer bis oben bestiegen werden. Dies verhinderten bauliche Mängel oder die Kriegsjahre. Heute kann man den Turm wieder besteigen. Von oben hat man eine fast komplette Rundumsicht. Es lohnt sich, die 83 Stufen zu begehen.
Unterhalb vom Turm ist das ehemalige Häuschen der Flugwache. Es wurde in den Kriegsjahren erstellt. Nach dem Krieg diente es als Wohnung der Familie Hering. Ein Kind wurde hier geboren. Kein Strom, Wasser – wahrlich schlechte Bedingungen, unter denen man lebte.
1957/58 übernahm der TV Deutsche Eiche das Haus. Mit viel Liebe und dem Einsatz aller Altersgruppen wurde das Haus hergerichtet. 1958 konnte die Einweihung erfolgen. Es wird seitdem als Jugendheim genutzt. Als langjähriges Mitglied des Turnvereins konnte Paul Engelke über diese Zeitepoche viel berichten. Er erwähnte auch die ehrenamtliche Tätigkeit der Heimwarte des Vereins, die sicher viel dazu beitragen, dass es am und im Turm so ordentlich aussieht. Selbstverständlich gebührt hier auch der Stadtgärtnerei ein großes Lob!
Nun „gingen“ alle weiter zur großen Obstwiese. Sie wurde vor vielen Jahren von der Stadt angelegt, um bedürftige Bürger mit Obst zu versorgen. Die Gärtner haben in früheren Jahren ständig die Bäume gepflegt.  Der Obstertrag wurde später jährlich versteigert. Unten im Stadtpark wohnte der Feldhüter Flagge. Er machte ständig Kontrollgänge durch den Stadtpark und hielt Ausschau nach „Mundräubern“. Heute ist das nicht mehr erforderlich. Es ist schade, wenn man sieht, wie hier das Obst verdirbt. Um den Rasen nicht versteppen zu lassen, ist im Stadtparkbereich auch ein „Wanderschäfer“ im Einsatz.
Das Schützenhaus am Stadtpark: Im unteren Bereich des Stadtparks, am Ortsausgang Richtung Fürstenberg, befindet sich der Schießstand und das Schützenheim der Bürgerschützen-Kompanie von 1888 Holzminden. Hier kann man auch einkehren und sich verwöhnen lassen.
Selbstverständlich kann eine so lange Zeitepoche nicht in knapp zwei Stunden abgehandelt werden. Bei weiteren Veranstaltungen der Alten Holzmindener können zum Thema nachträglich Ergänzungen gemacht werden. Mit dem Dank an die Zuhörer für ihr Interesse sowie an der Diskussion der einzelnen Themen, schloss Paul Engelke seinen Vortrag. Er lud alle Interessenten ein, nach Absprache den „Stadtpark“ mit ihm komplett oder teilweise zu begehen.

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