Montag, 21. Oktober 2019

2014: Bisher wärmstes Jahr

Kreis Holzminden (10.01.15). Überwiegend mild – mit kurzen kalten Phasen zu Beginn und zum Ende des Monats – präsentierte sich der Dezember im abgelaufenen Jahr. Bevor es nach Weihnachten vorübergehend ein wenig Schnee gab, dominierte eine klassische Westlage mit teils stürmischem Wind und häufigen Regenfällen das Wettergeschehen. Die Sonne hatte gegen die dichten Wolken kaum einmal eine Chance und zeigte sich im gesamten Monat seltener am Himmel als an so manchem einzelnen Frühlings- oder Sommertag. In der Jahresbilanz war 2014 sowohl bundesweit als auch in unserer Region das wärmste Jahr seit Beginn der flächendeckenden Messungen im Jahr 1881.

Mit einer Mitteltemperatur von 3,6 Grad Celsius war der Dezember 2014 an der Station des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Bevern um 1,6 Grad wärmer als im Mittel der Klimareferenzperiode der Jahre 1961 bis 1990; gegenüber dem etwas wärmeren Mittel der Jahre 1981 bis 2010 waren es plus 1,4 Grad. Mit 83,5 mm beziehungsweise Litern pro Quadratmeter fiel etwas mehr Regen als im langjährigen Mittel (79,9 mm), komplett trocken blieb es dabei lediglich an acht Tagen. Äußerst mager fiel die Sonnenscheinbilanz aus: Nur rund zwölf Sonnenstunden wurden aus den Messungen der Nachbarstationen in Alfeld und Lügde errechnet, so wenig wie noch nie im Dezember seit Beginn der Sonnenscheinmessungen, die allerdings nur bis ins Jahr 1951 zurückgehen. Der bisherige Minusrekord betrug 15,6 Stunden und stammte aus dem Jahr 1984, damals wurde der Sonnenschein noch direkt vor Ort in Holzminden gemessen.

Ende November hatte sich eine recht kalte Ostlage eingestellt, die auch an den ersten Tagen im Dezember noch andauerte. Am 3. Dezember gab es mit einem Höchstwert von minus 0,8 Grad sogar einen Eistag (ein Tag, an dem die Temperatur ganztägig unter dem Gefrierpunkt liegt). Nachfolgend stellte sich die Großwetterlage aber schnell wieder um und es dominierte  bis zu den Feiertagen eine wetteraktive Westströmung mit viel Regen und Wind, der in höheren Lagen und an den Küsten zeitweise Orkanstärke erreichte, während es bei uns im geschützten Binnenland nur einzelne stürmische Böen gab. Kurzzeitig stellenweise weiß wurde es am Nachmittag des 20. Dezember während eines kräftigen Graupelgewitterschauers.

Auf Schnee zu Weihnachten hofften Winterfreunde auch in diesem Jahr vergeblich, stattdessen stieg das Thermometer zum dritten Mal in Folge am Heiligen Abend auf zweistellige Werte, und wie in den drei Jahren zuvor blieb das gesamte Weihnachtsfest sogar frostfrei. Dafür zeigte sich am zweiten Feiertag endlich die Sonne einmal wieder für mehrere Stunden am Himmel.

Immerhin ein wenig Winterwetter gab es an den letzten Tagen des Jahres: Aus Norden strömte kältere Luft mit leichten Schneefällen ein, so dass sich am 29. Dezember eine dünne Schneedecke ausbilden konnte, der aber feuchte und etwas mildere Nordseeluft rasch wieder soweit zusetzte, dass sich nur in den höheren Lagen des Sollings noch etwas Schnee über den Jahreswechsel hinaus halten konnte. Zuvor wurde am 28. Dezember der zweite Eistag des Monats und mit minus 6,0 Grad an der Beveraner Station die kälteste Nacht des gesamten Jahres registriert. Nur zweimal in der mittlerweile bis 1951 zurückreichenden lokalen Messreihe des DWD für die Orte Holzminden/Bevern findet man einen weniger niedrigen Jahrestiefstwert: 1990 mit -5,8° C und 1974 mit nur -2,5° C – diese beiden Werte stammen übrigens nicht aus dem Winter, sondern wurden jeweils im April gemessen.

Wärmstes Jahr seit
Aufzeichnungsbeginn

Bereits in den letzten Monaten hatte sich abgezeichnet, dass das Jahr 2014 einen neuen Wärmerekord bei der Jahresmitteltemperatur seit dem Beginn der flächendeckenden Messreihe im Jahr 1881 erzielen würde. Am Ende war es im deutschen Gebietsmittel mit 10,3° C um 2,1 Grad wärmer als im international immer noch gültigen Referenzmittel der Jahre 1961 bis 1990. Vor Ort wurde an der Beveraner Station ein Jahresmittelwert von 10,9° C gemessen, auch hier beträgt die Abweichung gegenüber dem lokalen Klimamittelwert 2,1 Grad. Wie die Webseite www.monatsprognose.de berichtet, findet sich auch in weiter zurückreichenden Temperaturmessreihen einzelner Orte kein einziges Jahr, das mehr als zwei Grad über dem Vergleichsmittel ausgefallen ist. Nach der Klimarekonstruktion für Mitteleuropa von Prof. R. Glaser von der Uni Freiburg war 2014 das wärmste Jahr seit mindestens 474 Jahren. Lediglich im Jahr 1540 war es ähnlich warm.

Diese Bilanz relativiert sich allerdings, wenn man statt der vom Menschen eingeführten bürgerlichen Kalenderjahre auch andere Zwölf-Monat-Zeiträume betrachtet. Dann findet man vor nicht allzu langer Zeit zwischen Juli 2006 und Juni 2007 eine ein Jahr andauernde Phase, deren Mitteltemperatur um noch einmal ein ganzes Grad höher liegt – eine in der Klimatologie mehr als veritable Größe. Hervorzuheben ist somit weniger die Intensität der derzeitigen Warmphase als vielmehr deren Dauer, die nun mit nur kurzen Pausen seit 18 Monaten anhält.

Unabhängig davon tauchen in der Statistik der zehn wärmsten Kalenderjahre in Deutschland außer 1934 nur Jahre nach 1989 auf.

Ein kurzer Streifzug durch das Jahr 2014

Ausgesprochen mild verlief der vergangene Winter, in dem sich nur Ende Januar kalte Festlandsluft aus Nordosten bei uns durchsetzen konnte und sich der Hochsolling kurzzeitig in einer winterlichen Traumkulisse mit Schneedecke bei tiefblauem Himmel präsentierte. Der Übergang zu vorfrühlingshafter Witterung erfolgte bereits im Februar, und am 9. März wurde mit 21,0° C der erste warme Tag des Jahres registriert, so früh wie nie zuvor.

Kaum Niederschlag und viel Sonne brachte der März, und im Gegensatz zu manch anderem Jahr blieb ein spätwinterlicher Kälterückfall in diesem Frühjahr aus. Im sehr milden April standen viele Obstbäume bereits in voller Blüte, bevor ausgerechnet der Mai seinem Beinamen Wonnemonat nur selten Ehre machte und sich vor allem in der ersten Hälfte kühl und insgesamt mit 103,5 mm Regen als nassester Monat des Jahres präsentierte. Vom Juni bleiben die Pfingsthitze, als das Thermometer vier Tage in Folge über die 30-Grad-Marke kletterte, und eine trübe und teils recht kühle zweite Monatshälfte in Erinnerung, der Juli zeigte sich oft hochsommerlich mit 20 meteorologischen Sommertagen (Höchstwerte von mindestens 25,0° C) und dem Jahresmaximum von 33,6° C am 19. des Monats, aber auch wechselhaft und unbeständig ohne längere Schönwetterphasen. Der August startete sehr warm, bevor dem Sommer ungewöhnlich früh die Puste ausging und die Werte in der zweiten Hälfte nur noch vereinzelt über die 20-Grad-Marke stiegen. Am Ende war der August der einzige Monat mit einer negativen Abweichung gegenüber dem langjährigen Temperaturmittel.

Durchweg deutlich wärmer als im Mittel waren dann alle drei Herbstmonate, bis zum Ende der zweiten Oktoberdekade gab es immer wieder Höchstwerte um 20 Grad. Während der Oktober neben sonnigen Phasen auch viel Regen brachte,  war der nachfolgende November der trockenste Monat des Jahres mit nur 17,7 mm Niederschlag.

Insgesamt fielen 666,2 mm Niederschlag im Jahr 2014, das sind rund 129 mm oder 16,2 Prozent weniger als im Klimamittel. Die Sonne zeigte sich rund 1.430 Stunden lang und damit etwa 75 Stunden oder 5,5 Prozent länger als im langjährigen Mittel, das bei korrigierten rund 1.354 Stunden anzusetzen ist. Die in den Klimareihen des DWD im Internet kursierenden deutlich niedrigeren Mittelwerte sind, wie im TAH vom 6. September 2014 erläutert, nicht glaubwürdig und halten einer Überprüfung mittels Interpolation der Daten langjähriger Messreihen wie am Hannoveraner Flughafen nicht stand. Jürgen Höneke