Dienstag, 22. Oktober 2019

Höxter missioniert Holzminden

Geschichte der katholischen Christen in Holzminden

 

 

Kreis Holzminden (31.01.15). Mit den Franken kam das Christentum ins Sachsenland. Karl der Große und seine Krieger missionierten mit Schwert und Feuer die heidnischen Sachsen. 772 begann der Frankenkönig seine Feldzüge gegen die Sachsen.  Knapp 30 Jahre später war der Krieg gegen die Sachsen beendet, Herzog Widukind und seine Untertanen getauft und das Gebiet, das heute den Landkreis Holzminden umfasst, wurde als Augau ebenfalls Bestandteil des christlichen Herzogtums Sachsen.

Die Christen im Augau gehörten zum Bistum Paderborn. Wichtigster Vorposten des Paderborner Bischofs war das Vorwerk in Heinsen, von dem aus auch eine Pfarrei in Holzminden betreut wurde. Später werden die Kirchen vom Archidiakonat Höxter aus geführt. Als 1231 von Höxter aus zwei Dominikaner zur Visitation in das Gebiet rechts der Weser geschickt werden, treffen sie auf „duo holtesminne“, auf zwei Holzmindener Pfarreien: eine in Holzminden und eine in Altendorf. Später werden die Kirchen den verschiedenen Bistümern zugeordnet. Beim Paderborner Bischof bleiben die Kirchen in Holzminden, Meinbrexen, Bevern und Deensen, beim Mindener Bischof die Pfarreien im Nordkreis von Hehlen bis Rühle.

„Welch ungelehrte
Leute allhier gefunden
wurden…“

300 Jahre später war die Zeit der Katholiken im Kreis Holzminden zunächst vorbei. Nachdem sich schon 1528 die Stadt Braunschweig zur Reformation bekannte, folgte Holzminden im Jahr 1542. Die neuen evangelischen Würdenträger veranlassten gleich eine Visitation der Gemeinde in Holzminden. „Welch ungelehrte Leute allhier gefunden wurden, kann ich auch nicht genugsam schreiben“, entrüsten sich Martin Kemnitz und Jacob Andreae in ihrem Bericht. Und sie geben ein Beispiel für die christliche „Ungelehrsamkeit“ der Menschen in Holzminden. „Der eine sagt, Joseph sey dem Herrn Christi Stiefvater und habe noch fünf Brüder, der Andere sagt, der Herr Christus sey noch vor der Sündfluth geboren.“

Während die evangelischen Gemeinden nach der Reformation einen Aufschwung nahmen und sich fest etablierten, blieben Katholiken im Landkreis Holzminden eine kleine Minderheit.  Im 19. Jahrhundert änderte sich die Situation der Katholischen Christen im Kreis Holzminden. 

Holzmindens Pfarrer Stefan Reinecke hat die Geschichte seiner Gemeinde in einem Bericht dargestellt. Darin erzählt er, dass die Anfänge der heutigen katholischen Gemeinde St. Josef in Holzminden recht bescheiden waren. Bischof Eduard Jacob Wedekin von Hildesheim ernannte Holzminden zur Missionsstation. Da aus Hildesheim aber zunächst kein Geistlicher geschickt werden konnte, kam Hilfe aus dem benachbarten Dekanat Höxter. Dort hatten Geistliche am 10. November 1864 einen „Spezial-Missionar-Verein“ für Holzminden gegründet, der auch zum ersten Mal Mittel für die Einrichtung eines „Gottesdienstlocals“ aufbrachte.

Zwei geistliche Lehrer aus Höxter übernahmen zunächst die Mission. Am 28. Mai 1865 konnte zum ersten Mal nach fast 300 Jahren in Holzminden wieder eine Heilige Messe gefeiert werden. Der Gottesdienstraum, der durch seine bescheidene Größe eher an den Stall von Bethlehem erinnerte, befand sich in einem Schuppen, einem Nebengebäude der Schwerspat-Mühle nahe der Weser an der Herrenbache.

Im September 1865 schickte der Bischof den Neupriester Eduard Kümmel nach Holzminden, ohne ihm jedoch einen wirtschaftlichen Unterhalt zusichern zu können. Auch hier half die Familie des Fabrikbesitzers Herrings und finanzierte den Lebensunterhalt des Priesters. Sein Nachfolger Johann Gerhardy setzte alles daran, aus dem Provisorium des engen Gottesdienstraumes in ein größeres Gebäude umzuziehen.

Der Bonifatiusverein Köln stellte 1866 4.000 Taler zur Verfügung. Damit konnte ein „schön im Mittelpunkt des neuen Stadtteils“ zwischen Stadt und Bahnhof gelegenes Grundstück erworben werden. Auf diesem entstand zunächst das heutige Pfarrhaus. Am 15. August 1867 wurde die im Untergeschoss des neuen Hauses eingerichtete Kapelle mit einem Gottesdienst feierlich eingeweiht. Am 1. Oktober 1868 wurde im selben Haus eine katholische Schule für 20 Kinder eröffnet.

In der Folgezeit stieg die Zahl katholischer Einwohner in Holzminden vor allem durch den Zuzug von Eisenbahnerfamilien. Die räumlichen Verhältnisse im Missionshaus wurden bald zu eng. 1873 zählte man bereits 260 Katholiken in Holzminden.  Am 22. Mai 1884 wurde schließlich der Grundstein für die neue Kirche gelegt, die am 28. Mai 1886 vom Hildesheimer Bischof feierlich konsekriert wurde. Diese Kirche im neugotischen Stil prägte für viele Jahrzehnte das Stadtbild.

Anfang des 20. Jahrhunderts zählte die Gemeinde etwa 800 Mitglieder; hinzu kamen im Winter etwa 200, im Sommer durchschnittlich 75 Bauschüler und fast 500 polnische Saisonarbeiter im ganzen Kreis Holzminden. In die Zeit des Nationalsozialismus fiel die Auflösung der katholischen Schule im Jahre 1943. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren die stärksten Veränderungen und Einschnitte in der Geschichte der Holzmindener Gemeinde zu verzeichnen.

Die Zahl der Katholiken wuchs durch viele Flüchtlinge aus Schlesien und anderen Gebieten stark an. In den 50-er Jahren stabilisierte sich die Zahl der Katholiken im Pfarrsprengel Holzminden, der noch immer den ganzen Kreis mit fast 14.500 Gläubigen umfasste.

Am 1. April 1960 wurde die Kuratie-Gemeinde Holzminden durch Bischof Heinrich Maria Janssen zur rechtlich voll selbstständigen Kirchengemeinde erhoben. Am 30. Juni 1965 wurde das Pfarrkomitee ins Leben gerufen. Dieses Gremium unter Vorsitz eines Laien sollte dem Pfarrer in Fragen der Gemeindeleitung und der Gemeindepastoral beratend zur Seite stehen.

Später, am 10. Dezember 1967, wurde daraus der Pfarrgemeinderat, der seither alle vier Jahre von der Gemeinde gewählt wird. So besaß nun die Gemeinde neben dem Kirchenvorstand, der weiterhin für die Vermögensverwaltung zuständig war, ein zweites Gremium. Am 12. Oktober 1968 weihte Bischof Heinrich Maria Janssen in Bevern eine neue Kirche ein und stellte sie unter den Schutz der heiligen Hedwig. Damit war eine 21 jährige Übergangslösung beendet: Die Feier der hl. Messe in der ehemaligen Kapelle des Schlosses Bevern.

Auch in Holzminden gab es Anfang der 70er Jahre große Veränderungen: Die alte St.-Josef-Kirche war für die Zahl der Gläubigen viel zu klein geworden und wies außerdem durch Kriegs- und Witterungseinflüsse erhebliche Bauschäden auf. Da eine Restaurierung und Erweiterung der alten Kirche zu teuer kam, entschied man sich für einen Neubau, der am 6. Mai 1972 durch Bischof Heinrich Maria Janssen geweiht wurde.

Auch Neuhaus im Solling, das seit 1974 zu Holzminden gehört, sollte ein eigenes Gotteshaus erhalten. Es wurde am 29. Mai 1976 durch den Bischof eingeweiht und unter den Schutz des heiligen Benedikt gestellt. Am 21. November 1980 segnete Bischof Heinrich Maria Janssen die Räume des neuen Pfarrheims St. Josef in Holzminden. Am 1.12.1995 kam Polle als Filialkirche zur Pfarrei St. Josef Holzminden hinzu.

In der Zwischenzeit wurde auch ein neuer Kindergarten im Zentrum der Pfarrei seiner Bestimmung übergeben. Dieser steht unter katholischer Leitung Kindern aller Konfessionen offen. Heute zählen zur Pfarrei Holzminden St. Josef mit ihren Filialkirchen in Bevern, Polle und Neuhaus etwa 4.000 Mitglieder. (fhm)