Mittwoch, 21. August 2019

Campe-HIT bringt 750 Schüler in die HAWK

Holzminden (28.02.15). „Mich reizt natürlich die große weite Welt, aber ich habe auch Heimatverbundenheit, es könnte sein, dass ich irgendwann mal wieder hierher zurückkomme.“ So wie Vincent Beckmann, Schüler des elften Jahrgangs auf dem Holzmindener Campe-Gymnasium, mögen nicht unbedingt viele Jugendliche denken, schon weil es an der richtigen Vorstellungskraft mangeln dürfte, was denn hier in der Region nach dem Schulabschluss überhaupt an gleichwertigen Perspektiven im Verhältnis zu den Ballungsgebieten so zur Verfügung steht. Der Hochschulinformationstag (HIT) des Campe im Lichthof der HAWK bot da für rund 750 Schüler dies- und jenseits der Weser beste Gelegenheit, sich ein besseres Bild über berufliche Chancen und ausbildungstechnische Perspektiven zu verschaffen.

Im Mittelpunkt der Messe standen jede Menge Workshops und Informationsseminare zu unterschiedlichen Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten, die HAWK und Hochschule OWL, aber auch die Leibniz Universität in Hannover sowie etliche hier ansässige Betriebe und Institutionen so bereithalten. Die Schüler des Holzmindener und Höxteraner Gymnasiums, der Berufsbildenden Schulen und des Internats Solling konnten sich dabei ebenso über Hochschulstudiengänge schlau machen wie über die Möglichkeiten eines Dualen Studienganges oder einer ganz klassischen Ausbildung. Nicht zuletzt auch die in den letzten Jahren verbesserten Studienmöglichkeiten an HAWK und Hochschule OWL sollten dabei vor Augen führen, dass es durchaus Alternativen zu einem Studium in Berlin, Hamburg oder München geben kann.

Was auch immer aber die Schüler aus den Jahrgängen neun bis elf der verschiedenen Schulen sonst von dem vielfältigen Angebot an Workshops, Informationsständen und -stunden so mitgenommen haben mögen: Das Gefühl, dass so wie beim HIT wohl kaum je wieder derart um Interesse und Gunst der künftigen Berufs- und Ausbildungseinsteiger geworben werden wird, dürfte bleiben. „Es ist Ihr Tag“, erklärte HAWK-Dekanin Professorin Alexandra Engel nicht umsonst gleich eingangs der Veranstaltung. „Ich wünsche Ihnen, dass Sie heute als Botschaft des Tages mitnehmen, dass Wirtschaftsbetriebe, Verwaltungen und Hochschulen, die sich hier vorstellen, sich freuen, dass genau Sie demnächst Teil unseres Arbeitslebens sind.“

Eine Freude, die nicht nur für Engel, sondern auch für alle anderen Vertreter aus Politik und Wirtschaft mit dem mehr oder weniger unverhohlenen Wunsch verknüpft ist, der eine oder andere möge sich letztlich dann doch für eine Ausbildung und ein begleitendes Studium hierzulande entscheiden. Die Zeiten seien gut für die kommenden Schulabsolventen, meinten Engel und auch andere Grußredner, wie etwa Campe-Schulleiter Georg Muschik oder der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer. Da sei es gut und besonders wichtig, als Region zu werben und als „die Weserregion“ dazustehen, befand letzterer. Während die niedersächsische Seite der Veranstaltung neben Schirmherr Meyer auch noch mit den anwesenden Landtagsabgeordneten Uwe Schünemann und Hermann Grupe die entsprechende Bedeutung gab, blieb auf der adäquaten politischen Ebene auf westfälischer Seite eine Leerstelle.

Den Traum immerhin des interkommunalen Schulterschlusses auf Bildungsebene über die Ländergrenzen hinweg trachteten die beiden Stellvertreter der Landräte Höxters und Holzmindens, Klaus Schumacher und Rainer Becker, sogar mit einer gemeinsam gehaltenen Rede ganz unmittelbar zu verkörpern. Ein Versuch, den Höxters Bürgermeister Alexander Fischer lächelnd als „rhythmische Zusammenarbeit, interkommunal“, wertete.

Aber obwohl Fischer den großformatigen Hochschulinformationstag als eine „großartige Idee“ lobte und auch Eberhard Asche als stellvertretender Bürgermeister Holzmindens von einem „Signal“ sprach, das „die Region dringend benötige“, blieb es nicht beim „Auf-die-Schulter-Klopfen“ für die gelungene Organisation des weserübergreifenden Bildungsnetzwerkes durch Campe-Studiendirektor Dieter Fuhrmann und sein Lehrerteam.

„Ein gut dotierter Arbeitsplatz ist das eine“ mahnte Georg Muschik deutlich kritisch, „aber Lebensqualität, eine attraktive Infrastruktur – zu der auch Schulen gehören – sind in der heutigen Lebenswelt in zunehmendem Maße Entscheidungskriterien in einem immer härter werdenden Konkurrenzkampf um gut ausgebildete Absolventen universitärer und schulischer Einrichtungen“. Bei dem derzeit herrschenden Gefühl, dass man den finanziellen Zwängen vor den Bildungschancen den Vorzug auf Holzmindener Seite gebe, sei es kein Wunder, wenn die junge Generation abwandere, meinte Muschik, der sich in diesem Punkt mit Minister Meyer einig war, im Hinblick auf die jüngsten Planungen für das Campe.  

Für Vincent Beckmann allerdings stand die Schuldebatte an diesem Tag weniger im Vordergrund. Der begeisterte Mountainbiker aus Neuhaus hat eigentlich Pläne, die ihn vermutlich die Region verlassen lassen werden. Er möchte Sport- und Eventmanagement studieren. HIT findet er trotzdem toll und ist dabei an ganz unterschiedlichen Themen interessiert. Mit der Infrastruktur wird er sich vermutlich erst wirklich dann beschäftigen, wenn eine potenzielle Rückkehr tatsächlich zur Debatte steht. (Peter Drews)

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