Mittwoch, 21. August 2019

Ein wenig Winter erst am Monatsende

Das Wetter im Januar 2015: Auch der zweite Wintermonat war überwiegend mild, niederschlagsreich und trüb

Kreis Holzminden (07.02.15). Mal mild, mal nasskalt, zeitweise stürmisch und sehr sonnenscheinarm zeigte sich das Januarwetter in unserer Region. In den höheren Lagen des Sollings war es zeitweise winterlicher: Zu Beginn und vor allem zum Ende des Monats präsentierten sich die beliebten Ausflugsziele auch einmal in Weiß. Zwischendurch dominierte aber auch dort längere Zeit regnerisches Schmuddelwetter. Wintersportler kamen bisher kaum auf ihre Kosten und müssen somit auf nachhaltigeres Winterwetter im Februar hoffen.

Mit einer Mitteltemperatur von 3,1 Grad Celsius war der Januar 2015 an der Station des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Bevern 2,5 Grad wärmer als das Mittel der Klimareferenzperiode der Jahre 1961 bis 1990; gegenüber dem wärmeren Mittel der Jahre 1981 bis 2010 waren es plus 1,7 Grad. Im deutschen Gebietsmittel war der Januar 2,7 Grad wärmer als im Mittel von 1961 bis 1990 – damit erwies sich die regionale klimatologische Abweichung bei uns erneut als sehr guter landesweiter Gradmesser.

Mit 79,2 mm beziehungsweise Litern pro Quadratmeter fiel 17,2 Prozent mehr Niederschlag als im langjährigen Mittel (67,6 mm). Wie schon im Dezember blieb es nur an acht Tagen trocken. Der höchste Tagesniederschlag wurde am 8. Januar mit 15,2 mm gemessen, auch am nachfolgenden Tag war es mit 12,2 mm sehr regenreich.

Eine messbare Schneedecke gab es in Bevern, stellvertretend für vergleichbare Höhenlagen unserer Region, nur an vier Tagen zum Ende des Monats, dabei lag dreimal lediglich ein Zentimeter, erst am 31. waren es nach den stärkeren Schneefällen am vorausgegangenen Freitag dann 6 cm – damit wurde der höchste Wert des sehr milden und schneearmen Vorwinters von 7 cm fast erreicht.

Schneehöhenmessungen müssen verschiedene
Vorgaben erfüllen

Leserinnen und Leser gerade aus der Holzmindener Kernstadt mögen nun einwenden, dass doch vor Ort ein ganzes Stück weniger als 6 cm Schnee am Monatsletzten lagen – beide Beobachtungen stehen aber durchaus in Einklang: Zum einen liegen die Temperaturen im enger und höher bebauten Bereich der Stadt durch die Wärmeabstrahlung der Gebäude ein Stück über den Werten der Beveraner Messstation, vor allem bei den nächtlichen Tiefstwerten, zum anderen ist für die Klimastatistik allein der Messwert am Morgen um 6.50 Uhr MEZ (während der Sommerzeit um 7.50 Uhr MESZ) maßgeblich. Das Tauwetter im Laufe des Sonnabends mit zeitweiligen Regenfällen schlägt sich also in dieser Messung noch nicht nieder.

Nach den Vorgaben des Deutschen Wetterdienstes wird die Schneedecke zum Messzeitpunkt am Morgen wie folgt bestimmt: Auf dem festgelegten Messfeld, das eine vorgeschriebene Entfernung zu Gebäuden, Bäumen und anderen potenziell die Messungen beeinflussenden Hindernissen haben muss, wird an sieben Stellen die auf volle Zentimeter gerundete Schneehöhe gemessen, wobei die Schneedecke auf der Messfläche zwar durchbrochen sein darf, aber mindestens die Hälfte bedecken muss. Ist diese Voraussetzung erfüllt, wird aus den sieben Messungen der Mittelwert gebildet. Eine ausreichend frei gelegene Fläche ist also erforderlich, um diese Vorgaben zu erfüllen – in Holzminden ist dies meist nur in den Wohnvierteln außerhalb der Innenstadt und in den Gewerbegebieten der Fall.

Messungen nach den geschilderten Maßgaben von Hand erfolgen allerdings zunehmend nur noch im nebenamtlichen Netz des DWD, zu dem auch Bevern gehört, während die Datengewinnung im hauptamtlichen Netz schon weitgehend auf vollautomatische Messungen umgestellt wurde. Die Qualität der Messwerte dürfte unter dieser Personalkostenersparnis weiter leiden, vor allem bei der Bestimmung von Bewölkung, leichten Niederschlägen und eben Schneehöhen: Angeblich liegt auf dem fast 1.500 m hohen Feldberg im Schwarzwald Ende Januar keinerlei Schnee – Automatenmessungen (beziehugnsweise deren Ausfälle) machen’s möglich...

Bei der Auswahl des 2006 eingerichteten Standorts in Bevern hat sich der DWD in etwa an den mikroklimatischen Gegebenheiten des Standorts der früheren Holzmindener Klimastation im Sonnenwinkel (1978 bis 1991) orientiert. Dadurch kann nun die regionale Messreihe Holzmindens erfreulicherweise durchaus homogen fortgeschrieben werden – wäre da nicht die ärgerliche Messlücke von 15 Jahren, die aber dank aufwändiger Arbeiten von engagierten Hobbymeteorologen und mit Hilfe langjähriger DWD-Messreihen umliegender Stationen mittlerweile mit qualitativ hochwertigen Interpolationswerten geschlossen werden konnte. In einer gesonderten Ausgabe wird diese Kolumne die historische Entwicklung der lokalen Klimareihen seit den 1930er Jahren ausführlicher beleuchten.

Von Lügde nach
Bad Lippspringe...

Bei der Sonnenscheinberechnung wendet der DWD seit Jahresbeginn eine neue Methode an: Statt wie bisher aus dem ungewichteten Mittel der Stationen Alfeld und Lügde-Paenbruch werden nun die Messwerte aus Alfeld und Bad Lippspringe im Verhältnis 2:1 gewichtet interpoliert. Da direkte Messungen vor Ort nach wie vor nicht durchgeführt werden, dürfte auch diese Veränderung letztlich fehleranfällig bleiben. Das zeigt sich exemplarisch an den Werten vom 18. Januar: An diesem Tag lagen die Messungen an den beiden Stationen um dreieinhalb Stunden auseinander, in Alfeld wurden 4,5 Stunden, in Bad Lippspringe hingegen nur eine Stunde registriert. Zwar ist die Höhenlage in Bad Lippspringe von rund 150 Metern repräsentativer für weite Teile unserer Region als die von Lügde (260 m), allerdings beträgt die Entfernung von Holzminden aus bereits stattliche 45 Kilometer Luftlinie.

Der Einfluss des Weserseitentals mit seinen Höhenzügen im Westen macht eine verwertbare Sonnenscheinmessung vor Ort allerdings auch sehr kompliziert.

Wie auch immer: Unzweifelhaft verlief auch der zweite Wintermonat ausgesprochen trüb. Das ohnehin schon niedrige Klimamittel im Januar von circa 38 Stunden wurde mit knapp 26 Stunden um rund ein Drittel unterschritten.

Ein kurzer Streifzug durch den Januar

Nur in den Hochlagen der Region konnte sich der Schnee, der nach Weihnachten gefallen war, noch ins neue Jahr retten. Die ersten Tage des Monats verliefen recht mild, leichten Frost gab es nur kurzzeitig.

Ausgesprochen stürmisch und regnerisch verlief das zweite Januarwochenende. Dabei wurde es am 10. Januar mit 13,0 Grad zur Mittagszeit im Warmluftsektor des Orkantiefs Felix außergewöhnlich mild, wobei dieser Wert stark verblasst, wenn man in den Süden der Republik blickt: Dort wurden verbreitet frühlingshafte Werte zwischen 16 und 19 Grad am Hochrhein und am Alpenrand gemessen, in Piding im Berchtesgadener Land stieg des Thermometer sogar auf 20,5 Grad! Ein Januarrekord war dies entgegen anders lautender Pressemeldungen des DWD dennoch nicht: Am 30. Januar 2002 wurden am Flugplatz im bayerischen Landsberg sogar 20,7 Grad erreicht.

Insgesamt glimpflich ohne große Schäden, aber doch mit einer Reihe witterungsbedingter Einsätze verlief dieses stürmische Wochenende im Landkreis, allerdings wehte ein paar Tage später am 15. Januar eine starke Windböe bei Stadtoldendorf einen unbeladenen LKW von der Straße (der TAH berichtete).

Die Kaltfront von „Felix“ ließ das Thermometer am Nachmittag des 10. Januar dann zwar binnen nur etwa 30 Minuten um rund sieben Grad abstürzen – die Landung erfolgte aber auf einem für den Hochwintermonat Januar immer noch hohen Niveau. Auch die zweite Dekade verlief zunächst sehr mild, bevor sich nach Monatsmitte langsam kältere Luft durchsetzen konnte.

Vorübergehend wieder etwas wärmer startete die letzte Woche des Monats, an deren Ende dann Schnee bis in tiefe Lagen fiel und auch der Tiefstwert von minus 4,7 Grad in Bevern gemessen wurde. Einen höheres Monatsminimum hatte es zuletzt 2008 gegeben, und erstmals seither wurde 2015 wieder ein Januar ohne einen Eistag (ein Tag mit Dauerfrost) registriert.

Meteorologisch außergewöhnlich war vor allem die Größe des hochreichenden Tiefdruckkomplexes am Monatsende, der nahezu ganz Europa überdeckte.

Jürgen Höneke

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