Mittwoch, 21. August 2019

Sonniger Winterausklang mit weißen Abschnitten

Das Wetter im Februar 2015: Schnee vor allem in den höheren Lagen des Kreises / Der Februar war der kälteste Monat des Winters

Kreis Holzminden (09.03.15). Nach der überwiegend trüben und sehr milden Witterung im Dezember und Januar konnte der Februar sowohl Schnee- als auch Sonnenhungrige zumindest zeitweise verwöhnen. Während es in den tiefen Lagen nur zu Monatsbeginn für eine dünne Schneedecke reichte, präsentierte sich vor allem der Hochsolling überwiegend in einem weißen Kleid. Dazu schien recht häufig die Sonne und zauberte zeitweise Postkartenmotive in die Winterlandschaft der Region. Die Temperaturen lagen im letzten Wintermonat nur wenig über dem Klimamittelwert und es fiel gut ein Drittel weniger Niederschlag als im langjährigen Vergleich.

Mit einer Mitteltemperatur von 2,0 Grad Celsius war der Februar 2015 an der Station des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Bevern 0,7 Grad wärmer als das Mittel der Klimareferenzperiode der Jahre 1961 bis 1990; gegenüber dem wärmeren Mittel der Jahre 1981 bis 2010 waren es plus 0,2 Grad.  Mit 31,4 Millimetern beziehungsweise Litern pro Quadratmeter fielen nur knapp zwei Drittel (64,9 Prozent) des langjährigen Niederschlagsmittels (48,4 mm). An zwölf Tagen blieb es komplett trocken,  der höchste Tagesniederschlag wurde am 27. Februar mit 9,4 mm gemessen, die in Bevern als Regen fielen, während es ab etwa 300 Meter nochmals zumindest nassen Schnee gab.

In die offizielle Statistik gehen sieben Tage mit einer Schneedecke im Februar ein, die maximale Höhe betrug lediglich fünf Zentimeter am Monatsdritten. In den höheren Lagen des Kreises gab es häufiger und mehr Schnee, leider liegen darüber keine genauen Zahlen vor, da die Messungen an der früheren Station Holzminden-Silberborn Ende September 2008 eingestellt wurden. Wie groß die Unterschiede sein können, zeigte sich exemplarisch am 23. des Monats, als im morgendlichen Berufsverkehr mehrere LKW an Steigungen liegen blieben und einzelne Straßen im Solling und im Hils vorübergehend gesperrt werden mussten (der TAH berichtete), während weiter unten nur zeitweise nasse Flocken fielen

Beim Sonnenschein errechnete der DWD nach der neuen, im Januarrückblick vorgestellten Methode aus den Messungen in Alfeld und Bad Lippspringe rund 90 Stunden für unsere Region und damit gut 25 Stunden mehr als im Mittel, das bei etwa 64 Stunden liegt. Allerdings dürfen einzelne Tageswerte mit Fug und Recht in Zweifel gezogen werden. So stehen für den 15. Februar gerade einmal 3,1 Stunden in der Statistik, die sich aus üppigen 8,5 Stunden im westlich gelegenen Bad Lippspringe und kargen 0,4 Stunden im nordöstlich liegenden Alfeld im generell nebelanfälligen Leinetal zusammensetzen. In Holzminden und Umgebung schien die Sonne an diesem kalten Sonntag nahezu den ganzen Tag, was auch sehr gut mit den Messungen des privaten Wetterdienstes meteogroup im benachbarten Höxter übereinstimmt. Der Alfelder Wert mag zwar für den Nordosten des Kreises aussagekräftig sein, dass der DWD allerdings diese Zahlen ganz offiziell (gegen Bezahlung) für aufbereitete Monatsrückblicke der Station Bevern verwendet, ist dann doch sehr fragwürdig. Auch wenn sich solche Fehler über einen längeren Auswertungszeitraum irgendwann „wegmitteln“ dürften, sollte der Monatswert bei etwa 95 Stunden angesetzt werden.

Nebel- und Sonnenlotterie durch Winterhoch

So oder so zählte unsere Region im Februar zu den sonnenscheinreicheren im Lande, was nicht allzu häufig vorkommt und dadurch begünstigt wurde, dass wir bei der Wetterlotterie um die Monatsmitte herum mehrfach das Glück hatten, dass sich die Nebel- oder Hochnebeldecke in der ersten Tageshälfte auflösen konnte. Zum Glücksspiel entwickelt sich bei solchen Wetterlagen auch die Vorhersage für die Meteorologen, die dann hin und wieder komplett daneben liegen können bei der Prognose für den nächsten Tag, die gewöhnlich eine deutlich höhere Trefferquote aufweist. Doch bei winterlichen Hochdrucklagen lässt sich das Wetter auch in Zeiten modernster Computermodelle nicht wirklich in die Karten schauen, was in so manchen Vorhersagen aber leider verschwiegen wird. Während es in der Höhe dann oft sonnig und mild ist, kühlt die zudem feuchte bodennahe Grundschicht verstärkt aus, und es bildet sich eine Inversion. Leichte und warme Luft liegt dann über der schweren Kaltluft, und diese Luftmassen werden nicht mehr vertikal durchmischt, da der Wind fehlt. Im Gegensatz zum Sommerhalbjahr ist die Sonneneinstrahlung im Februar noch zu schwach, um eine feuchtkalte (Hoch)Nebelschicht zuverlässig aufzulösen. Wo dies geschieht und wo nicht, wird sich auch in Zukunft nicht zuverlässig vorhersagen lassen.

Aber auch ohne Nebel kann eine bodennahe Inversion die Erwärmung der Luft durch die Sonne deutlich bremsen. Eine wichtige Rolle für die Temperatur in zwei Meter Höhe ist die Luftmasse in der 850 hPa-Druckfläche, die meist auf etwa 1.500 Meter liegt. Im Sommerhalbjahr kann man auf diese Temperatur meist ein Grad pro 100 abnehmender Höhenmeter aufschlagen (daneben spielen noch andere Faktoren eine Rolle, so dass dies nur eine Faustformel ist). Für jene auf rund 100 m über NN liegenden Orte unserer Region wären dies also etwa 14 Grad, so dass bei einer Temperatur von 10 Grad auf 1.500 Metern ein Höchstwert von 24-25 Grad angenommen werden kann.

Im Winter und dort vor allem bei bodennaher Inversion, die an nebelfreien Tagen für das Auge nahezu unsichtbar oder bestenfalls in Form einer dünnen Dunstschicht erkennbar ist, funktioniert diese Rechnung nicht, wie der oben bereits angesprochene 15. Februar zeigte: Trotz nahezu ungestörten Sonnenscheins betrug der Tageshöchstwert auf 2 m gerade einmal 3,2 Grad, während es in der 850-hPa-Fläche etwa 2 Grad waren. Gut eine Woche später waren es dann bei minus 4 Grad in der Höhe am Boden über 9 Grad: Tiefdruckgebiete hatten sich zur letzten Februarwoche wieder durchgesetzt und die Inversionslage beendet. Dies geschieht oft durch den Durchzug einer sogenannten „maskierten Kaltfront“, die dafür sorgt, dass die Temperaturen in höheren Schichten sinken, in tieferen aber aufgrund der nun wieder einsetzenden Durchmischung der Luft ansteigen. 

Winterbilanz: Mild, aber kälter als im Vorjahr

Der Gesamtwinter 2014/15 war mit einer Mitteltemperatur von 2,9 Grad um 1,6 Grad wärmer als das Klimamittel der Jahre 1961-1990. Dabei war der Februar der kälteste der drei meteorologischen Wintermonate und sorgte dafür, dass der insgesamt erneut milde Winter ein ganzes Stück hinter dem des Vorjahres zurückblieb: 2013/14 gab es mit einer Mitteltemperatur von 4,4 Grad noch den viertwärmsten Winter seit Aufzeichnungsbeginn. Der aktuelle Winter sortiert sich in der lokalen Klimareihe, für die mittlerweile Daten zurück bis 1951 vorliegen, auf Platz 15 und damit am unteren Ende des wärmsten Viertels ein.

Deutlicher fällt die Bilanz in Richtung Mildwinter bei anderen Indikatoren aus: An nur zwei Tagen herrschte Dauerfrost, nur zweimal gab es noch weniger solcher „Eistage“; das absolute Minimum von minus 7,8 Grad am 28. Dezember war das sechsthöchste der vergangenen 65 Jahre und die Kältesumme, die durch die Addition aller negativen Tagesmittelwerte der Temperatur errechnet wird, betrug lediglich 17,9 – ganze viermal gab es einen noch niedrigeren Wert, der hingegen in kalten Wintern mehrfach auf über 200 anstieg und im Strengwinter 1962/63 mit 484,4 seinen historischen Höchstwert erreichte. Der absolute Höchstwert von 13,0 Grad vom 10. Januar ist dagegen unterer Durchschnitt.

Die maximale Schneehöhe des Winters betrug am 31. Januar in Bevern bescheidene sechs Zentimeter, in zehn Wintern seit 1951 waren es noch weniger, wobei allein der Winter 2007/08 bisher komplett schneefrei blieb. Eine messbare Schneedecke gab es an 14 Tagen, das ist Platz 22 in der Tabelle zwischen dem schneelosen Winter 2008 und dem Rekordwinter 1963, der es auf 71 Schneedeckentage brachte.

Klimatologisch völlig unauffällig war der Winter 2015 sowohl beim Niederschlag als auch beim Sonnenschein: 194,1 mm fielen zwischen dem 1. Dezember und 28. Februar in flüssiger und fester Form vom Himmel, das sind 99,1 Prozent vom langjährigen Mittelwert (195,8 mm). Das Sonnendefizit der beiden Vormonate konnte der Februar fast noch aufholen, am Ende wurden mit etwa 128 Stunden rund 97,5 Prozent des Mittelwerts erreicht, wobei es sich hierbei wie erläutert um Schätzwerte handelt.

Und wie sieht die Bilanz für die diversen Langfristprognosen aus, die vor allem im Internet in zunehmender Anzahl kursieren? Um es klar zu sagen: Weder mit Bauernregeln noch mit Hochleistungs-Computern lässt sich unser Wetter, das das Resultat sehr komplexer physikalischer Prozesse in unserer Atmosphäre ist, über eine ganze Jahreszeit auch nur einigermaßen zuverlässig vorhersagen, schon gar nicht in Details. Bestenfalls lassen einzelne Entwicklungen im Laufe des Herbstes Rückschlüsse auf einen groben Trend zu, doch selbst wenn dieser Trend am Ende unter meist vielen Wenn und Aber eingetreten sein sollte, bleibt der Nutzwert solcher Vorhersagen äußerst begrenzt – auch in Zukunft. Aus den Zahlen der Vergangenheit lassen sich zwar gewisse Wahrscheinlichkeiten ablesen – so traten bisher meist mehrere milde Winter nacheinander auf und unter diesem Gesichtspunkt sprach die Statistik tatsächlich für einen milden oder zumindest gegen einen kalten Winter – aber verlassen sollte man sich auf solch vage Wahrscheinlichkeiten auch zukünftig besser nicht. (Jürgen Höneke)

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