Montag, 21. Oktober 2019

Lange trocken, am Ende sehr nass und stürmisch

Das Wetter im März 2015: Der Übergang in den Frühling gestaltete sich trotz einiger sehr milder Tage recht zäh

Kreis Holzminden (07.04.15). Tagsüber meist mild, nachts oft noch kalt und zum Ende hin äußerst regnerisch präsentierte sich der erste Frühjahrsmonat 2015. Dabei hatte es bis wenige Tage vor Monatsende nach einer sehr trockenen Bilanz ausgesehen, bevor zwei kräftige Sturmtiefs für turbulentes Wetter mit erheblichen Niederschlagsmengen sorgten. Zuvor hatte es zwar einzelne recht warme Tage mit viel Sonnenschein gegeben, eine längere warme Schönwetterphase wie im Vorjahr wollte sich jedoch in diesem März nicht einstellen. Die partielle Sonnenfinsternis zum kalendarischen Frühjahrsbeginn konnte man vor allem in den höher gelegenen Regionen bei fast wolkenfreiem Himmel sehr gut beobachten, während im Wesertal an jenem Freitag Vormittag unter einer zähen Nebeldecke nichts von diesem seltenen astronomischen Schauspiel zu sehen war. Trocken und zeitweise freundlich zeigte sich das Wetter zwei Tage später, allerdings mussten sich Besucher und Veranstalter des traditionellen Kükenfests in der Holzmindener Innenstadt in sehr frischer Luft warm anziehen.

Mit einer Mitteltemperatur von 5,5° C war der März an der Station des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Bevern 1,3 Grad wärmer als das Mittel der Klimareferenzperiode der Jahre 1961-1990; gegenüber dem wärmeren Mittel der Jahre 1981-2010 waren es +0,4 Grad.  Mit 75,1 mm bzw. Litern pro m² gab es knapp ein Drittel mehr Niederschlag als im langjährigen Mittel (56,9 mm), wovon mit 50,7 mm gut zwei Drittel an den letzten drei Tagen des Monats aus den weit geöffneten Schleusen des Himmels fielen. Dabei kann es lokal durchaus größere Abweichungen nach oben und unten gegeben haben, da auch einige kräftige und eng begrenzte Schauer dabei waren. Der restliche Regen stammte überwiegend vom Monatsbeginn, als auch zwei nächtliche Gewitter registriert wurden.

Dazwischen gab es viele niederschlagsfreie Tage (an insgesamt 18 Tagen blieb es komplett trocken),  und vor allem in der zweiten und dritten Woche konnte sich die Sonne oft zeigen. Mit rund 110 Stunden Sonnenschein wurde das langjährige lokale Mittel um gut zehn Prozent übertroffen, wobei es wie im Februar wieder zu teils erheblichen Unterschieden auf relativ engem Raum kam, so dass dieser Wert, den der DWD aus den Messungen in Alfeld und Bad Lippspringe errechnet, nur als ungefähre Schätzung betrachtet werden darf.

Nachdem die Märze der letzten Jahre zwischen außergewöhnlich warm (2014 und 2012) und spätwinterlich kalt und frostig (2013) pendelten, fiel das Temperaturniveau in diesem Jahr moderat überdurchschnittlich aus, wobei ein recht großer Kontrast zwischen dem mittleren Höchstwert von 10,4° C und recht kalten Nächten mit einem mittleren Minimum von nur 1,2° C bestand. Neunmal wurde leichter Nachtfrost in Bevern gemessen, in den höheren Lagen gab es mehr Frostnächte, in der wärmeren Innenstadt von Holzminden weniger (laut eigenen Messungen vier). Zusammen mit den vielen trockenen Tagen führte dies zu einem verhaltenen Erwachen der Natur aus ihrem Winterschlaf. Hatten im vergangenen Jahr die Krokusse bereits im Februar die Wiesen erleuchtet und Magnolien schon Mitte März in voller Blüte gestanden, ging es in diesem Jahr deutlich gemächlicher zu: Das Blütenfoto in der Holzmindener Teichanlage entstand am 18. März am frühen Nachmittag bei angenehmen 16 Grad, nachdem sich in dieser Phase des Monats im Anschluss an die kalten Nächte morgens häufig Nebel bildete. Anders als im Februar konnte dieser sich jedoch nicht mehr ganztägig halten.

Sonnenfinsternis unter Ausschluss der Kreisstadt

Ausgerechnet zum Start in den kalendarischen Frühling am 20. März jedoch blieb die Nebelschicht in den tiefen Lagen der Region vielerorts hartnäckig und löste sich erst am frühen Mittag auf. Von der partiellen Sonnenfinsternis am Vormittag war somit in Holzminden und einigen Nachbarorten nichts zu sehen. Wer die Gelegenheit hatte, fuhr oder spazierte höher hinaus: ab etwa 230 Metern gab es freie Sicht auf das Schauspiel. Während die direkte Beobachtung der Sonne spezielle Brillen oder Kamerafilter erforderte, gab es auch für das bloße Auge außergewöhnliche Licht- und Schattenspiele einzufangen, die an die künstliche Nachtlicht-Optik von bei Tag gedrehten Filmszenen erinnerten, wie man sie zum Beispiel aus alten Winnetou-Filme kennt.

Tief „Horst“ schickt Schnee in den Solling und Kaltluft aufs Kükenfest

Nicht einmal 24 Stunden später zeigten sich die höheren Lagen dann noch einmal von der winterlichen Seite. Tief „Horst“ beendete die zuvor herrschende Hochdrucklage und brachte zunächst Niederschläge mit, die zu einem nasskalten Sonnabend führten und ab etwa 300 Metern sogar noch einmal für eine dünne Schneedecke sorgten. Auf seiner Rückseite zapfte „Horst“ dann einen Schwall arktischer Luftmassen an, die zum Kükenfestsonntag zwar unter Hochdruckeinfluss gerieten, aber auch mit Sonnenunterstützung schaffte es das Thermometer kaum über die Fünf-Grad-Marke hinaus, so dass die Tische der Straßencafés meist unbesetzt blieben. Trotzdem war die Holzmindener Innenstadt am Nachmittag bei immerhin trockenem Wetter recht gut besucht.

Orkantief „Niklas“ sorgt für Dauereinsatz der Feuerwehren

Zum Monatsende stellte sich dann die Großwetterlage signifikant um: Angetrieben von einem sich jahreszeitlich bedingt verstärkendem Temperaturgradienten zwischen sehr kalter Luft in nördlichen Breiten und sich aus den Subtropen ausbreitender Warmluft bildete sich über dem Atlantik eine ganze Kette von Tiefdruckgebieten, die in rascher Folge über Mitteleuropa hinwegzogen. Die Zyklonen mit den Namen „Mike“ und „Niklas“ brachten sehr hohe Regenmengen in die Region. So wurden am 29. März in Bevern 19,8 mm Regen gemessen - damit wurde der höchste Tageswert des gesamten Jahres 2014 nur knapp um 0,4 mm verfehlt. „Niklas“ verstärkte sich sogar zu einem ausgewachsenen Orkantief und hielt die Einsatzkräfte am Dienstag in Atem. Umgestürzte Bäume blockierten mehrere Straßen, in Stadtoldendorf fiel am Abend für knapp zwei Stunden der Strom aus und eine besonders kräftige Böe deckte am Abend sogar das Dach des Holzmindener Hallenbades ab und beendete somit die Hallenbad-Saison vorzeitig.

Dazu kam es in höhenkalter Luft auch zu Graupel- und Schneeschauern mit lokalen Gewittern – ein turbulentes Ende eines lange Zeit ruhigen Wettermonats. (Jürgen Höneke)