Mittwoch, 21. August 2019

Auf den Kaltstart folgen über 200 Sonnenstunden

Kreis Holzminden (09.05.2015). Recht trocken und sehr sonnig präsentierte sich der zweite Frühlingsmonat in unserer Region. Während mit 40,1 mm Niederschlag nur 70,4 Prozent des langjährigen Klimamittels von 57,0 mm an der DWD-Station in Bevern gemessen wurden, leistete die Sonne kräftig Überstunden. Nach dem aus den Messwerten der Stationen Bad Lippspringe und Alfeld abgeleiteten Schätzverfahren verwöhnte sie uns rund 203 Stunden lang – das sind rund 60 Stunden oder 42 Prozent mehr als im Mittel – gleichwohl ist dies im bundesweiten Vergleich noch einer der niedrigsten Werte in einem verbreitet sehr sonnigen Monat, in dem wie so häufig in den letzten Jahren im April überwiegend Hochdruckeinfluss mit einer längeren Trockenperiode vorherrschend war.

Weniger eindeutig fällt die Einstufung bei den Temperaturen aus: Der Monatsmittelwert lag mit 8,5° C zwar um 0,7 Grad über dem Referenzmittel der Klimaperiode 1961-1990, jedoch um 0,4 Grad unter dem jüngeren Mittel der Periode 1981-2010. Der April zählt zu den Monaten, die sich im 30-Jahres-Vergleich am stärksten erwärmt haben, und betrachtet man nur die vergangenen 20 Jahre, fällt diese Entwicklung noch deutlicher aus. Kälter als in diesem Jahr ist es zuletzt im April 2008 gewesen, als aber auch deutlich weniger Sonnenschein registriert wurde. Die Ursache für das Verhältnis von Sonnenschein und Temperatur in diesem Jahr liegt im Ursprung der Luftmassen: Hatten wir es in den vergangenen Jahren im April oft vorwiegend mit Luftmassen aus Süden und Südwesten zu tun, lag das Zentrum des hohen Luftdrucks in diesem Jahr oft westlich von uns, was zu häufigen nördlichen Strömungen führte, da die Luft auf der Nordhalbkugel im Uhrzeigersinn um ein Hochdruckgebiet herum geführt wird. Dies hatte vor allem recht kalte Nächte zur Folge und auch morgens und am frühen Vormittag war es oft frisch. Die Vegetation machte aufgrund dieser Bedingungen wie schon im März vergleichsweise langsame Wachstumsfortschritte.

Erste Schneedecke im April seit 27 Jahren

Dabei begann der Monat alles andere als trocken und sonnig: Am 1. April fielen mit 18,9 mm nochmals sehr hohe Mengen, monatsübergreifend hatten somit die beiden Tiefs „Mike“ und „Niklas“ für rund 70 mm Niederschlag in nur vier Tagen gesorgt und am Morgen des 2. April erlebten nicht nur die Bewohner der höher gelegenen Orte des Kreises eine weiße Überraschung. Auch im Wesertal hatte sich gebietsweise eine (wenn auch dünne) Schneedecke ausbilden können. Der Messwert von 1 cm Schnee an der Beveraner Station mag auf den ersten Blick nicht besonders erwähnenswert sein, zumal tags darauf schon wieder alles vorbei war, aber ein Blick in die lokale Klimastatistik zeigt, dass es sich in der Messreihe Holzminden/Bevern auf etwas über 100 m Stationshöhe um den ersten Schneedeckentag im April seit dem 10.04.1988 handelte.

DWD stiftet Verwirrung um Schneemesswerte

Der Aufruf der DWD-Datenbank im Internet förderte nach Ostern allerdings ganz andere Werte zu Tage: Plötzlich tauchten dort für den 2.4. sage und schreibe acht Zentimeter und selbst für den 3.4., als keine der höher liegenden Umgebungsstationen mehr Schnee meldete, noch drei Zentimeter auf. Die vom Beobachter an der Beveraner Station gemessenen und gemeldeten Werte waren also nachträglich überschrieben worden. Was zunächst nur nach einem EDV-Fehler aussah, entpuppte sich bei weiter gehender Recherche als offensichtlich bewusst vorgenommene Veränderung durch die zuständige RZ Hamburg des Deutschen Wetterdienstes. Auch wenn der DWD nach Intervention mittlerweile wieder die tatsächlichen Messwerte in seiner Datenbank führt (1 cm am 2.4. und 0 cm am 3.4.), scheint es sich bei diesen nachträglichen Änderungen leider nicht um einen Einzelfall zu handeln, wie ein Vergleich mit den Messungen der Niederschlagsstation in Lüchtringen nahe legt. Diverse Rückfragen zu den Hintergründen dieser Maßnahmen liegen dem DWD seit Ende April vor, und eine Weitergabe an die zuständigen Stellen ist laut einer ersten Stellungnahme auch erfolgt, eine inhaltliche Antwort lag aber bis Redaktionsschluss noch nicht vor.

Drei Hochdruckgebiete und ein Kaltlufttropfen

Unumstritten hingegen ist, dass ab Karfreitag zunehmend hoher Luftdruck das Wettergeschehen bestimmte. Wie eingangs erwähnt, lag das Zentrum hierbei überwiegend über den Britischen Inseln, so dass die Sonne die kühle Luftmasse zunächst nur mühsam erwärmen konnte und dadurch am Osterwochenende nicht nur leicht frostige Nächte, sondern auch sehr verhaltene Tageshöchstwerte um zehn Grad gemessen wurden. Mehr war an der Ostflanke von Hoch „Ostra“ zunächst nicht drin.

In der zweiten Woche stiegen dann die Werte mit einer Ostwärtsverlagerung des Hochs aber rasch an und am 10.4. wurde erstmals in diesem Jahr die 20-Grad-Marke überschritten. Auf „Ostra“ folgten die Hochs „Padma“ und schließlich ab Monatsmitte „Quila“, das sich als besonders ausdauernd erwies und die Großwetterlage bis zum 24. April prägte. Erst danach brachten Tiefausläufer vom Atlantik wieder feuchtere Luft und Regen, nachdem es in den drei Wochen zuvor an 18 Tagen komplett trocken geblieben war und an den restlichen drei Tagen nur ganz geringfügige Regenmengen (zusammen unter 1 mm) gefallen waren (siehe Diagramm).

Während dieser langen Hochdruckphase gab es viel Sonnenschein, nur an wenigen Tagen dominierten zeitweise dichte Wolkenfelder, wie es am 22. April der Fall war. An diesem Tag hatte ein Kaltlufttropfen, also ein nur in höheren Schichten ausgeprägtes, eng begrenztes und mit kalter Luft angefülltes Tief begonnen, Deutschland von Nord nach Süd zu überqueren. Entstanden war dieses Gebilde Tage zuvor als Abtropfprozess südwestlich von Island, von dort führte sein Weg ostwärts Richtung norwegische Küste und dann weiter in die Nordsee. Anschließend stand mit der Bodenströmung um das Hoch herum eine komplette Umrundung der Britischen Inseln auf dem Reiseplan und – erneut über der Nordsee angelangt – erfolgte schließlich der Kurs über Deutschland hinweg bis nach Südosteuropa, wo es sich schließlich auflöste.

Solche Kaltlufttropfen, die nur auf Höhenwetterkarten erkennbar sind (siehe Abbildung), sind keine so seltene Erscheinung und übernehmen bei Hochdruckrandlagen gerne einmal die Rolle der Fliege im Honig. Ihre Lebensdauer ist aber in der Regel auf wenige Tage begrenzt, während dieses Exemplar mit gut einer Woche ein stattliches Alter erreichte.

Bei uns beschränkte sich die Wetterwirksamkeit des Kaltlufttropfens auf einige Stunden, schon am Mittwoch Nachmittag kam die Sonne wieder zum Vorschein und blieb uns bis zum Freitag Abend erhalten. Nach einem wechselhaften Wochenende und einem verregneten Montag konnte sich zum Ende des Monats wieder Zwischenhocheinfluss durchsetzen, erneut mit einer nördlichen Strömung, so dass trotz fast ungehinderter Sonneneinstrahlung am 28. und 29. tagsüber nur 13 bis 14 Grad erreicht wurden und die insgesamt siebte Frostnacht des Monats an der Beveraner Station gemessen wurde. Ob es die letzte für die kommenden Monate war oder ob der Mai weitere Kälterückfälle mit sich bringt, wird eines der Themen des nächsten Rückblicks in vier Wochen sein, in dem auch die Frühjahrsbilanz gezogen wird. Auffällig bleibt das Ausbleiben von Südwestwetterlagen seit nunmehr etwa einem halben Jahr. (Jürgen Höneke)

 

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