Mittwoch, 21. August 2019

Direkt vor Ort wird nachgeschaut

Kreis Holzminden (23.05.2015). „Wir sehen uns im direkten Auftrag der Menschen mit Behinderungen“, erklären Hans Gerhard Deike, Wolfgang Heidebrecht und Holger Weinberg vom Beirat für Menschen mit Behinderungen. Das im Januar 2014 konstituierte Gremium des Landkreises Holzminden sieht sich nicht nur als reine Beratungsinstanz, sondern will auch durch konkrete Arbeit helfen und Handlungen initiieren. Vor anderthalb Jahren nahm der Rat unter dem Vorsitz von Hans Gerhard Deike aus Polle seine Arbeit auf. Gegenüber der Öffentlichkeit und allen relevanten Institutionen werden die  Belange von Behinderten vertreten. Und ein ganz wichtiges Anliegen ist die Barrierefreiheit. „Wir haben uns vorgenommen, direkt vor Ort zu schauen, wie es sich mit der Barrierefreiheit verhält und wo etwas verbessert werden kann“, erläutert Holger Weinberg. Als erste Ziele wurden die Stadt Holzminden und der Flecken Lauenförde ins Auge gefasst. In Holzminden machte sich der Beirat, begleitet von der Dezernentin Anja Krause des Landkreises Holzminden und Baudezernent Jens-Martin Wolff von der Stadt Holzminden, auf den Weg durch die Innenstadt, um bestimmte Punkte aus Sicht von Menschen mit Behinderungen anzusprechen.

Wer versetzt sich schon in die Lage eines Querschnittsgelähmten, eines Blinden oder eines Tauben, fragt Wolfgang Heidebrecht? Wer weiß, wie es für einen blinden Menschen ist, sich an unbekannten Hindernissen vorbei zu bewegen. Solche Hindernisse stehen beispielsweise in einigen Bereichen der Holzmindener Kernstadt. Werbebanner, Werbeschilder oder Warenkörbe auf den Gehwegen können für Blinde gefährlich werben. Beispielsweise sind Werbebanner, die sich im Wind drehen, für einen Blinden nicht einzuschätzen.

Die Stadtbücherei in Holzminden, so stellt der Beirat fest, ist für gehbehinderte Menschen oder für Leute mit Kinderwagen nicht erreichbar. Eine besondere Problematik schafft zusätzlich der defekte Aufzug in der Stadtbücherei. Allerdings kann man den wegen der Treppenstufen sowieso nicht erreichen, bemerkt Weinberg. Hingewiesen werden die Vertreter der Stadt Holzminden vom Beirat auch auf den Zugang zur öffentlichen Behindertentoilette. In Holzminden ist die Tür nicht verschlossen, in Höxter gibt es ex-tra einen Schlüssel für behinderte Menschen, um diese Türen zu öffnen.

Auch das Thema Behindertenparkplätze kommt beim Rundgang des Beirates für Menschen mit Behinderungen zur Sprache. Die Plätze seien in Holzminden fast ständig besetzt. Schade sei es, dass am Marktplatz nur ein einziger Behindertenparkplatz zur Verfügung stehe. Die Parkplätze müssten öfters kontrolliert werden, wünscht sich der Beirat, um eine missbräuchliche Nutzung zu vermeiden. Ebenfalls macht der Beirat auf einen Missstand in der Neuen Straße aufmerksam. An der Ampelanlage fehle eine Erkennung für blinde Menschen.

Zweiter Ort der Begehung des Beirates war Lauenförde. Dort wurde der Bahnhof besonders in Augenschein genommen. Die Zuwegung zum Bahnhof, so wurde übereinstimmend festgestellt, sei sehr schlecht. Da kein Gehweg vorhanden sei, werde man gezwungen auf die Straße auszuweichen. Zudem geben die Ampelanlagen in der Bahnhofstraße kein akustisches Signal für blinde Menschen.

„Wir nehmen unseren Auftrag sehr ernst“, machen Vorsitzender Hans Gerhard Deike und der stellvertretende Vorsitzende Wolfgang Heidebrecht deutlich. Dazu gehöre es, vor Ort Verbesserungen in die Wege zu leiten, in Ausschusssitzung mit beratender Stimme teilzunehmen und auch Informationsangebote zu machen. So lädt der Beirat am Freitag, 3. Juli, um 10.30 Uhr zu einer Informationsveranstaltung zum Thema „Patientenverfügung, Betreuungsverfügung, Vorsorgevollmacht“. in den Sitzungssaal des Kreishauses in Holzminden. Interessierte können an dieser Veranstaltung teilnehmen. (fhm)

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