Montag, 21. Oktober 2019

Ehrenamt, AHO und Naturschutz

Kreis Holzminden (16.05.2015). Alle reden vom Naturschutz, wir tun etwas dafür“, unter diesem Motto ist die AHO auf vielen Gebieten tätig. Die drei Buchstaben stehen für die Arbeitsgemeinschaft Heimischer Orchideen Niedersachsen. Es handelt sich um einen gemeinnützigen Verein, der in den meisten Bundesländern als eigenständiger Verein tätig ist. Wobei die heimischen Orchideen als Namensgeber ganz oben anstehen. Das heißt aber nicht, dass nur die Orchideen interessieren. Von ihrem Schutz profitieren eine große Anzahl anderer Pflanzen und Tiere ebenso. Es geht hier ja um den Schutz von Lebensräumen und der ist sehr komplex und nur im Zusammenhang zu sehen. Die Mitglieder der AHO sind grundsätzlich ehrenamtlich tätig.

Was tun die AHO-Mitarbeiter?

Es werden Flächen gesucht auf denen heimische Orchideen und andere geschützte Pflanzen wachsen. Diese werden gezählt, die Zählungen werden kartiert. Sie werden betreut und gepflegt. Es gibt auch Flächen, auf denen mit Einverständnis der Eigentümer, ehrenamtlich Pflegearbeiten durchgeführt werden. Diese Arbeiten dienen der Erhaltung oder Wiederherstellung naturnaher Lebensräume für bedrohte und geschützte Pflanzen und Tiere. Eine größere Fläche pachtete die AHO von den Niedersächsischen Landesforsten. Das Grundstück war jahrelang mehr oder weniger sich selbst überlassen worden. Es war zum Teil großflächig mit Schlehen, anderen Sträuchern und Bäumen zugewachsen. Das Grundstück wird nun seit 15 Jahren betreut und gepflegt. Es wurde in ehrenamtlicher  Arbeit eine arbeitsaufwendige Grundsanierung durchgeführt. Danach folgten jährlich notwendige Pflegearbeiten. Heute kommen auf dieser Fläche zwölf heimische Orchideen- und zwei Enzianarten, nebst einer Anzahl weiterer geschützter Pflanzen und Tiere, vor. Die gesamte Maßnahme wurde vollkommen ehrenamtlich und ohne finanzielle  Unterstützung durchgeführt. Hierzu gehörte auch die Anschaffung des dazugehörigen Werkzeugs vom Verein, als auch privat von Mitgliedern.

Die AHO kauft aber auch Grundstücke. Dadurch soll langfristig Lebensraum geschützt werden. Es konnten in den letzten Jahren schon mehrere brachgefallene Grundstücke erworben werden. Zur  Zeit sind es sieben, alle im Landkreis. Anfänglich wurden sämtliche Grundstücke von den Mitgliedern in ehrenamtlicher Arbeit gepflegt. Da auch die Mitglieder sehr stark dem demographischen Wandel unterliegen, werden immer mehr Pflegearbeiten durch die Untere Naturschutzbehörde im Vertragsnaturschutz vergeben. Dieses ist ein Umstand, den die AHO mit großem Bedauern zur Kenntnis nehmen und akzeptieren muss.

Ehrenamtliche Mitstreiter gesucht

Es wäre den Naturschützern eine große Freude, könnten sie mehr jüngere Menschen für diese Idee und Arbeit begeistern. Wer erst einmal den Kontakt hierzu gefunden hat und ein klein wenig naturverbunden denkt und fühlt, der lässt nicht wieder los. Die Orchideen und ihre Begleitflora  können einen Menschen auf die unterschiedlichste Weise beschäftigen. Jedes Jahr wieder werden sie mit Spannung erwartet, beim Spaziergang oder Wanderung gesucht und wieder entdeckt. Die Freude hierüber wird zur Leidenschaft, entdeckt man die Orchideen als Fotomotiv. Ist man erst von dem Orchis-Virus angesteckt, dann wird gezählt und kartiert. Ein richtiger Wettstreit kann entstehen, wer hat die schönsten und meisten Orchideen gesehen und gezählt. Ist man soweit, dann ist der nächste Schritt auch nicht mehr weit. Bin ich für die Betreuung und Pflege eines Grundstückes bereit?

Arbeit, die Freude macht. Ein Erfahrungsbericht

Wenn eine Arbeit trotz allem so viel Freude macht, dann wird sie als solche längst nicht mehr empfunden. Nur ein Beispiel aus dem eigenen Erleben. Auf dem Ith gibt es eine landwirtschaftliche Teilfläche, die auf herkömmliche Weise nicht mehr bewirtschaftet werden konnte. Es handelt sich um eine äußerst steile Hanglage. Auf dieser Fläche waren in der Vergangenheit auch heimische Orchideen vorgekommen. Als in den achtziger Jahren hier Weihnachtsbäume angepflanzt worden waren, waren hier 1988 die letzten zwei blühenden Pflanzen einer seltenen Orchidee festgestellt und gezählt worden. Danach waren alle Orchideenarten verschollen. Nachdem Jahre später die meisten Weihnachtsbäume geerntet waren, wurde ich im Jahre 2001 mit Pflegearbeiten beauftragt. Die Arbeiten wurden von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Holzminden vergeben und im Einverständnis mit dem Grundeigentümer durchgeführt. Die Arbeiten wurden von mir übernommen, nichtsahnend was mich erwartete. In den zurückliegenden Jahren waren die Himbeeren, Brombeeren, Eschen und Schlehen in einen intensiven Wettstreit getreten, wer denn die Oberhand gewinnt. Dazwischen standen die letzten verbliebenen zehn bis 15 Weihnachtsbäume, die nun auch schon etwas in die Jahre gekommen waren. Auf der gesamten Fläche waren noch die gesamten Baumstümpfe (Stuken) der ehemaligen Weihnachtsbäume vorhanden.

Anfänglich mit einfachem Werkzeug ausgerüstet, ging es an die Arbeit. Es wurde gehackt, gesägt und geschnitten, der Schweiß lief in Strömen. Jeden Abend mussten ein paar Dornen entfernt werden, Zecken gab es kostenlos dazu. Das anfallende  Schnittgut wurde in großen Scheiterhaufen auf der Fläche verbrannt.

Im nächsten Jahr erschienen auf einer ersten kleinen Freifläche die ersten Orchideen, fünf an der Zahl. Die Fuchs‘ Fingerwurz (Dactylorhiza fuchsii) war als erste da. Nach den ersten drei schweren Jahren, war die Fläche soweit, dass sie mit einem inzwischen zur Verfügung stehenden Freischneider gemäht werden konnte. Das Grundstück ist etwa 2.500 Quadratmeter groß, inzwischen wachsen hier jedes Jahr an die 600 Orchideen. Auch in der mitgepflegten Nachbarfläche sind weitere 100 Pflanzen bisher aufgetaucht. Der Höhepunkt der Arbeit war das Wiedererscheinen einer vor 24 Jahren verschollenen Orchidee, der Pyramiden Hundswurz (Anacamptis  Pyramidalis). Im Jahr 2012 war es ein Exemplar, ein Jahr später sechs und 2014 bereits sieben Pflanzen. Das war der Lohn für zwölf Jahre Pflegearbeit.

Zu Beginn  habe ich mir bange Frage gestellt, mache ich, habe ich alles richtig gemacht? Die Antwort steht auf der Fläche, die Orchideen und andere geschützte Pflanzen werden immer mehr. Dieser Erfolg ist des Naturschützers höchster Lohn. Dieses Erlebnis und den Erfolg haben wir unabhängig voneinander, auf mehreren von der AHO betreuten Flächen gehabt. Wenn bei der Arbeitsgemeinschaft Heimischer Orchideen, die Orchideen an oberster Stelle stehen, so sind es doch naturnahe Lebensräume die wir pflegen und erhalten. Lebensräume, die einer Vielzahl  von Pflanzen und Tieren zu Gute kommen.   (Karl Müller)