Mittwoch, 21. August 2019

Ein typisches Sollingmoor der Natur zurückgegeben

Silberborn (23.05.2015). Die Niedersächsischen Landesforsten haben das Waldmoor „Kükenbruch“, zwischen Silberborn und Sievershausen im Forstamt Dassel gelegen, der Natur zurückgegeben. Nach einjähriger Planung und zweijähriger aufwändiger Renaturierungsmaßnahme kann ein urwüchsiger Landschaftstyp und spezieller Lebensraum als gerettet gelten. Nun kann sich die moortypische Vegetation regenerieren und der Wasserstand auf der abgedichteten Fläche steigen. Hier im Hochmoor, neben dem großen Mecklenbruch und dem kleinen Torfmoor eines von nur dreien im gesamten Weserbergland, mitten im Solling auf etwa 510 Metern Höhe gelegen, leben bedrohte Torfmoose, Wollgräser, Rauschbeere und der Sonnentau, Libellen wie die Kleine Moosjungfer, Hochmoorlaufkäfer und seltene Vogelarten wie der Raubwürger und der Wiesenpieper. Das sieben Hektar große Waldmoor, einst entwässert, abgetorft und aufgeforstet, ist aber viel mehr als Lebensraum. Es hilft, den Wasserhaushalt des Sollings zu regulieren und speichert mit seiner Wiedervernässung Kohlenstoff – leistet nach der Renaturierung also einen wertvollen Beitrag für den Klimaschutz.

200.000 Euro haben die Landesforsten in die Maßnahme investiert, deutlich mehr als ursprünglich veranschlagt, weil besonders schonend und gründlich vorgegangen wurde. Mit einer Seilkrananlage wurden zunächst 1.500 Festmeter Fichtenholz von der Fläche transportiert, förmlich „geborgen“. Für die eigentlichen Renaturierungsarbeiten kamen für den moorigen Untergrund ausgerüstete Spezialfahrzeuge – Bagger und Kipper – zum Einsatz. Die Experten entschieden sich, das komplette Grabennetz mit Haupt-, Längs- und Quergräben auf vier Kilometern Länge mit Sägespänen abzudichten. Dafür wurden – nach Schweizer Vorbild – 6.000 Kubikmeter Fichten- und Buchenspäne eingebracht und verdichtet. Auch Spundwände bauten sie in die Hauptgräben ein. Naturschutz-Förster Ulrich Schlette, der in der Moor-Renaturierung inzwischen viel Erfahrung gesammelt und die Maßnahme betreut hat, bringt es auf den Punkt: „Ins Moor muss Wasser – viel hinein und möglichst wenig heraus.“

Kai Conrad, Förster für Waldökologie im Forstamt Dassel, bezeichnet die Renaturierung des Kükenbruchs als „Leuchtturmprojekt“, dem weitere möglichst bald folgen sollen. Er sagt: „Es ist wichtig, dass wir weitermachen, Schritt für Schritt. Wir haben zwei Drittel noch vor uns.“ Priorität haben in den nächsten zehn Jahren die wertvollsten Moorflächen mit noch mindestens 30 Zentimetern Torfschicht.

Der Name „Solling“ (Soll = sumpfige Stelle) deutet darauf hin, dass Moore immer schon bedeutender Bestandteil dieses Waldgebietes waren. Mindestens 1.000 Hektar Moorfläche – zumeist Niedermoore, also mit Grundwasserberührung – wuchsen nach der letzten Eiszeit Millimeter um Millimeter heran. Viel Moorfläche wurde im Laufe der Jahrhunderte durch menschliche Eingriffe verändert, abgetorft und in forstliche Nutzung gebracht. Im Solling sind heute noch rund 200 Hek-tar an 30 Standorten erhalten. Niedersachsen war Moorland. In ganz Nord-Niedersachsen gelten 99 Prozent der Moore als zerstört oder stark in Mitleidenschaft gezogen.

Die Landesforsten haben den  Wert der Moore als Wasserfilter, für den Arten- und Biotopschutz, Klimaschutz und Erholungswert des Menschen erkannt, wollen die restlichen Moorflächen im Solling schützen, erhalten, nach einer Prioritätentabelle renaturieren. Seit 2008 wurden hierfür eine Million Euro investiert. Den erfolgreichen Anfang machten Heidelbeerbruch, Friedrichshäuser Bruch, die Teichwiesen am Neuen Teich und das Mecklenbruch. Als „Meilenstein“ für die Moorrenaturierung wird das Kataster angesehen, das der Moorexperte Philipp Küchler 2011 erstellt hat. Küchler hat herausgefunden, dass das Kükenbruch kein Nieder-, sondern ein Hochmoor ist. Das bedeutet, es speist sich ausschließlich durch Niederschlagswasser. Das Kükenbruch ist schon vor 400 Jahren eine freie Fläche und nicht von Wald bewachsen gewesen, das belegen die 1602 gezeichneten Solling-Karten von Krabbe.

Hier ist die Torfschicht heute noch bis zu 1,20 Meter stark. Nun sollen die Torfmoose wachsen, sich das Wollgras ausbreiten und der Wasserspiegel ansteigen. Der Pegel wird regelmäßig elektronisch gemessen. Michael Buschmann von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises lobt die Maßnahme im Nachbarlandkreis, die beispielgebend auch für Moorflächen im Kreis Holzminden ist. „Die Moore sind ein Alleinstellungsmerkmal. Es ist unsere Pflicht, sie zu erhalten.“ (spe)

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