Mittwoch, 21. August 2019

Nur wenige warme Tage im „Wonnemonat“ / „Eisheilige“ fielen auch in diesem Jahr aus

Kreis Holzminden (06.06.15). Erstmals seit August 2014 verfehlte wieder ein Monat den regionalen Temperaturklimamittelwert: Der Mai 2015 war an der DWD-Station in Bevern mit einer Mitteltemperatur von 12,3° C um 0,1° C beziehungsweise Kelvin kälter als das 30-Jahresmittel der Referenzperiode 1961-1990. Deutlicher ist das Defizit gegenüber dem aktuelleren Mittelwert der Jahre 1981-2010, das um 1,1° C verfehlt wurde. Der gern als Wonnemonat bezeichnete letzte meteorologische Frühjahrsmonat blieb damit zum dritten Mal in Folge auf verhaltenem Temperaturniveau. Auch mit dem Sonnenschein geizte er im dritten Jahr nacheinander: Rund 160 Stunden bedeuteten 21 Stunden oder 11,6 % weniger als im klimatologischen Mittel und sogar 42 Stunden weniger als im vorausgegangenen April. Vor allem die letzte Woche des Monats brachte viele Wolken und hin und wieder zumindest etwas Regen, nachdem es zuvor über weite Strecken des Monats trocken geblieben war. Am Ende wurden lediglich 32 % des durchschnittlichen Niederschlags erreicht, damit steht mit nur 22,1 mm der trockenste Mai seit 1990 in der lokalen Statistik.

Wie schon in den ersten beiden Frühlingsmonaten gab es auch im Mai kaum milde Nächte. Nur einmal, am 4., blieb der Tiefstwert im zweistelligen Bereich. Zu Monatsbeginn gab es sogar noch zweimal Bodenfrost, Luftfrost wurde in Bevern aber nicht mehr gemessen. Ursache waren wie im Vormonat häufige Nord- und Nordwestlagen, bei denen wiederholt Luftmassen subpolaren Ursprungs herangeführt wurden. Diese konnten aber in den ersten beiden Dekaden von der Sonne noch recht stark erwärmt werden, so dass tagsüber dann oft ein mäßig warmes Temperaturniveau herrschte. Zweimal schaffte es kurzzeitig warme Luft aus südlichen Breiten zu uns: zunächst am 4. und  5. und dann noch einmal am 11. und 12., zu Beginn der vermeintlichen Eisheiligen. In diese Phasen fielen auch die beiden meteorologischen Sommertage (mindestens 25,0° C) des Monats. Der Höchstwert wurde am 12. mit 26,4° C gemessen.

Wettermythos Eisheilige

Alle Jahre wieder wird im Mai die Geschichte der Eisheiligen aus der Wettermottenkiste hervorgeholt. Dabei soll es sich nach immer noch gängiger Lesart um eine Phase mit Kälterückschlägen und häufigeren Frösten handeln, die in der Zeit vom 11. bis 15. Mai für die Pflanzenwelt eine Gefahr darstellt. Blickt man in die langjährigen Klimareihen, findet man diese Singularität allerdings nicht bestätigt. Die häufigsten (Boden)fröste gibt es wenig überraschend jahreszeitbedingt zu Beginn des Monats. Berücksichtigt man nun die gregorianische Kalenderreform von 1582, als zehn Tage zwischen dem 4. und 15. Oktober einfach „gestrichen“ wurden, ist dieser Eisheiligenzeitraum nicht zu Beginn der zweiten, sondern am Anfang der dritten Maidekade zu platzieren, und tatsächlich findet sich dort auch eine Temperaturdelle in der Klimastatistik – allerdings hat sich diese in jüngerer Vergangenheit mehr und mehr geglättet und von häufigeren Frösten als zu Monatsbeginn war sie ohnehin nie geprägt, so dass bei näherer Betrachtung kaum mehr als ein Mythos übrig bleibt.

Die Eisheiligen-Wetterregel wurde vermutlich während der kalten Klimaphase im Mittelalter aufgestellt und wird seinerzeit ihre Berechtigung gehabt haben, mittlerweile sollte man sich aber eher an besser belegten Erfahrungen orientieren: Kälterückschläge sind im mitteleuropäischen Klima bis in den Juni hinein möglich und späte Fröste drohen vor allem, wenn eine zuvor eingeflossene kalte Luftmasse nachts bei Aufklaren und Windstille bodennah weiter auskühlen kann – an langfristig vorausberechenbare Termine hält sich das Wetter dabei aber nicht. Dass man sich besser nicht auf die Bauernregel verlassen sollte, wonach nach der kalten Sophie am 15. Mai die Frostgefahr gebannt ist, zeigte sich zuletzt 2012, als in einem insgesamt sehr warmen Mai späte Fröste vor allem im Süden am 17. und 18. der Weinrebe stark zusetzten – im Jahr zuvor hatte es hingegen Anfang Mai in Rheinhessen und der Pfalz größere Frostschäden auf den dortigen Weinanbauflächen gegeben. 

Wenig Sonne ab dem Pfingstwochenende

Dass nicht nur Bauernregeln, sondern mitunter auch die Wettervorhersagen für die nächsten Tage mit Vorsicht zu genießen sind, zeigte sich am Pfingstwochenende, als in Holzminden das 13. Internationale Straßentheaterfestival stattfand und viele Besucher aus Nah und Fern anzog: Zwar blieb es trocken und mit Höchstwerten um 20 Grad auch recht warm, aber die Sonne versteckte sich nach einem sehr sonnigen Freitag dann entgegen den Prognosen ab Sonnabend meist hinter dichten Wolken und daran änderte sich auch bis zum Monatsende kaum noch etwas: Lag die Sonnenscheinbilanz zur Monatsmitte noch über dem Mittelwert, brachten es die letzten neun Tage nur noch auf rund 23 Sonnenstunden – zur Einordnung: bei wolkenlosem Himmel wären zu dieser Jahreszeit an nur zwei Tagen bis zu 30 Stunden möglich.

Frühjahrsbilanz: Wenig Regen und recht sonnig

Auch wenn vor allem die sehr hohen Regenmengen der Sturm- und Orkantiefs zum Monatswechsel März/April mitsamt der späten Schneefälle noch in Erinnerung sind, brachte das Frühjahr insgesamt nur drei Viertel des langjährigen Niederschlags. In Bevern wurden 137,3 mm gemessen, das entspricht 75,1 % des Klimawerts von 182,9 mm. Beim Sonnenschein sorgte vor allem der April für einen Überschuss: Der DWD-Schätzwert lag bei rund 472 Stunden, womit das Klimamittel um etwa 39 Stunden oder 9 % übertroffen wurde. Die Frühjahrsmitteltemperatur lag bei 8,8° C, das sind 0,7 K mehr als im Mittel der Periode 1961-1990, aber 0,3 K weniger als im Zeitraum von 1981-2010. Nach dem sehr kühlen Frühling 2013 und dem sehr warmen des Jahres 2014 fällt die Temperaturbilanz also in diesem Jahr recht ausgeglichen aus – nicht zuletzt deshalb, weil es weder länger anhaltende warme Abschnitte noch ausgeprägte kalte Phasen gab. (Jürgen Höneke)

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