Mittwoch, 21. August 2019

Helfen, Heilen und Wehren

Der Deutsche Orden: Von Akkon über Marienburg bis nach Polle

Polle (24.08.15). Von Akkon im Heiligen Land nach Polle – es ist ein weiter Weg, den der Deutsche Orden gegangen ist. Ein Weg, der weder so geplant noch abzusehen war, aber der sehr spannend ist. Wer den Begriff „Deutscher Orden“ hört, denkt zuerst an die Kreuzzüge im Mittelalter und Preußen. Der „Deutsche Orden“ – oder wie er vollständig heißt der „Orden der Brüder vom Deutschen Haus St. Marien in Jerusalem“ –  blickt auf eine lange und ereignisreiche, über 800-jährige Geschichte zurück.

So wie der Johanniter- oder Malteserorden hat der Deutsche Orden seine Wurzeln in den Kreuzzügen. Im Jahr 1190, während des dritten Kreuzzuges, wurde der Deutsche Orden vor der Hafenstadt Akkon im Heiligen Land zunächst als Hospitalbruderschaft gegründet.

Seinen Anfang nahm der Orden mit einem Feldhospital von Kaufleuten aus Bremen und Lübeck während des Dritten Kreuzzuges um 1190 im Heiligen Land bei der Belagerung der Stadt Akkon. Nach der Erhebung der Spitalgemeinschaft zum geistlichen Ritterorden um 1198 engagierten sich die Mitglieder der ursprünglich karitativen Gemeinschaft während des 13. Jahrhunderts im Heiligen Römischen Reich, im Heiligen Land, im gesamten Mittelmeerraum sowie in Siebenbürgen. Bekannt ist auch das starke Engagement des deutschen Ordens bei der deutschen Ostkolonisation. Der Einfluss des Deutschen Ordens wurde im Osten so groß, dass Ende des 13. Jahrhunderts im Baltikum ein eigener Deutschordensstaat gegründet wurde. Er umfasste am Ende des 14. Jahrhunderts ein Gebiet von rund 200.000 Quadratkilometern. Die Marienburg in Ostpreußen ist eines der bekanntesten Beispiele für die zahlreichen Burgen und Schlösser, die von den Deutschordensrittern gebaut wurden. Im Hochmittelalter waren die Deutschordensritter eine echte Macht.

Nach der Niederlage in der Schlacht bei Tannenberg im Sommer 1410 gegen die Polnisch-Litauische Union sowie einen langwierigen Konflikt mit den preußischen Ständen in der Mitte des 15. Jahrhunderts beschleunigte sich der um 1400 einsetzende Niedergang sowohl des Ordens als auch seines Staatswesens. Im Zuge der Reformation im Jahre 1525 und der damit verbundenen Umwandlung in ein weltliches Herzogtum übte der Orden in Preußen und nach 1561 in Livland keinen nennenswerten Einfluss mehr aus. Er existierte jedoch im Heiligen Römischen Reich mit erheblichem Grundbesitz, vor allem in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz weiter. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts blieben nach der Säkularisierung und den napoleonischen Kriegen nur noch die Besitzungen im Kaiserreich Österreich. Mit dem Zerfall der Habsburger Donaumonarchie nach dem Ersten Weltkrieg ging neben dem Verlust erheblicher Besitztümer auch die ritterliche Komponente in der Ordensstruktur verloren. Seit 1929 wird der Orden von Ordenspriestern geleitet und somit nach kanonischem Recht in der Form eines klerikalen Ordens geführt.

Ein Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg

In Deutschland – nach der Säkularisation existierte der Orden hier nicht mehr – ist er seit 1945 wieder tätig. Seine Hauptträger sind Priester mit feierlicher Profess; zu ihrer Gemeinschaft zählen auch Laienbrüder mit einfachen ewigen Gelübden. Diesem männlichen Zweig ist die Kongregation der Deutschordensschwestern mit einfachen ewigen Gelübden derart zugeordnet, dass Hochmeister und Generalkapitel zugleich ihre Oberen sind. Das Institut der Familiaren, das im allgemeinen aus Laien besteht, ist dem Orden geistlich angegliedert; seine Mitglieder legen jedoch keine Ordensgelübde ab.

Den Neubeginn markierte dann ein Ereignis im März 1945. Pater Walter Horny OT (Abkürzung für Ordo Teutonicus), ein aus dem Sudetenland stammendes Mitglied des Ordens, wurde aus dem KZ Dachau befreit. Da ihm die Rückkehr in die sudetendeutsche Heimat verwehrt war, machte er sich zusammen mit Pater Mauritius Feistenhammer OT auf die Suche nach einer neuen Heimat in Deutschland. Durch die Vertreibung 1946 kamen weitere Ordensbrüder hinzu. Einer von ihnen war Pater Ildefons Pauler OT, der von 1970 bis 1988 Hochmeister des Deutschen Ordens war. Der Bischof von Mainz gestattete 1948 die Gründung eines Provinzhauses in Darmstadt. So kehrte der Orden nach 140 Jahren wieder nach Deutschland, in sein ursprüngliches Stammland, zurück. Am 8. Oktober 1958 erwarb der Deutsche Orden dann die zerstörte ehemalige Kommende Frankfurt/Sachsenhausen zurück. Die historischen Außenmauern wurden restauriert; im Innern errichtete der Deutschherrenbund einen neuen Gebäudekomplex.

Im Jahre 1990 gründete die Deutsche Brüderprovinz dann anlässlich des 800-jährigen Bestehens des Deutschen Ordens das Deutsch-Ordens-Hospitalwerk, eine gemeinnützige GmbH, durch die an die alte Tradition des Ordens als Träger und Betreiber sozial-karitativer Einrichtungen angeknüpft wurde. 1998 wurde der Deutschen Brüderprovinz dann vom Freistaat Bayern der Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts verliehen, weshalb der Provinzsitz nach Weyarn bei München verlegt wurde und die Einrichtung des Deutsch-Ordens-Hospitalwerk in das direkte Eigentum der Brüderprovinz überging. Heute zählt die Deutsche Brüderprovinz 40 Brüder und ist im Altersdurchschnitt die jüngste Ordensgemeinschaft Deutschlands. Die Brüder sind vorwiegend in der Pfarrseelsorge tätig. Der Orden hat insgesamt in Deutschland, Österreich, Italien, Tschechien, Slowakei, Slowenien und Belgien 1.100 Mitglieder, darunter 100 Priester und 200 Ordensschwestern, die sich vorwiegend karitativen Aufgaben widmen. Der Hauptsitz befindet sich in Wien.

Der Orden ist Träger zahlreicher sozial-karitativer Einrichtungen im Bereich der Alten-, Behinderten, Sucht- und Jugendhilfe, die organisatorisch unter der Bezeichnung Deutschordenswerke geführt werden. Damit findet der Deutsche Orden auch den Weg in den Landkreis Holzminden. Denn der Orden hat eine Einrichtung in Polle. Dort gibt es die Suchthilfeeinrichtung Haus Eckberg des Deutschen Ordenswerkes, die seit 1998 unterhalten wird und in der ehemaligen Jugendherberge seinen Platz gefunden hat. Diese Einrichtung hilft suchtkranken Menschen und ist damit für einige die letzte Rettung.

Die Ordenswerke unterhalten insgesamt zehn Pflegeeinrichtungen der vollstationären Altenpflege mit Tagespflege und Kurzzeitpflege, zwei Einrichtungen der Jungen Pflege, drei Einrichtungen für Betreutes Wohnen im Alter, drei Einrichtungen der Behindertenhilfe, zwölf Fachkliniken der stationären Rehabilitation in der Suchthilfe, 17 soziotherapeutische Einrichtungen in der Suchthilfe und vier Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. Dazu geben die Ordenswerke mit zahlreichen ambulanten, Nachsorge-, Integrations- und Qualifizierungsangeboten täglich für über 3.000 Patienten Heimat, Orientierung und Zukunftsperspektive. Insgesamt arbeiten 2.500 Menschen für die Einrichtungen des Deutschordenswerkes.

In diesem Jahr feiert der Deutsche Orden seinen 825. Geburtstag. Gleichzeitig wird auch der 50. Geburtstag des Familiarenstatuts gefeiert. Der Deutsche Orden mit den Familiaren fühlt sich dem Ordensleitsatz „Helfen, Heilen, Wehren“ verbunden. (fhm)

Helfen, um uneigennützig dem Nächsten beizustehen. Heilen, um Wunden zu versorgen und Frieden zu stiften. Wehren, um aktiv für den Glauben einzutreten.

 

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