Sonntag, 18. August 2019

Gegen „unsittliche, unchristliche und unschöne Literatur“

120 Jahre Lese-Geschichte(n): Von der Holzmindener „Volksbibliothek“ zur Stadtbücherei Holzminden

Holzminden (21.09.15). Die heutige Stadtbücherei Holzminden ist in ihrer Geschichte seit dem Ausgang des 19. Jahrhunderts eng verbunden mit der Stadtentwicklung. Im damaligen Schriftverkehr hieß es, dass man unter Nutzung des „sozialen Einflusses“ gegen „unsittliche, unchristliche und unschöne Literatur“ kämpfen wolle. Die durch den Magistrat seit 1892 geplante Einrichtung einer „Volksbibliothek“ öffnete am 9. März 1895 ihre Pforten: Im Konfirmandenzimmer des Opfereigebäudes (Kirchplatz 5) begann die Ausgabe der Bücher. Der Bürgerschullehrer Nolte erklärte sich bereit, eine derartige Einrichtung zu verwalten. Grundlage für den Erstbestand an Büchern bildete das „Verzeichnis von Büchern für Arbeiter- und Volksbibliotheken“, herausgegeben von der Gsellius’schen Buchhandlung. Der Magistrat hatte den Ankauf von 93 Büchern zum Preis von 100 Mark bewilligt.

Eine Jahresgebühr wurde nicht erhoben. In den folgenden Jahren erhielt die Volksbibliothek finanzielle Zuschüsse des Kreises und des Staates. Anfang 1902 verfügte die Bücherei unter der Leitung des Lehrers Nolte über einen Bestand von 492 Büchern, zusammengestellt aus Schenkungen und Bücherkäufen. Die Leserzahlen schwanken zwischen 182 und 163 jährlich, im Jahre 1910 waren es nur noch 95 Leser. Nach 15 Jahren hatte der Buchbestand gelitten, er war veraltet und abgenutzt, Neuanschaffungen dringend erforderlich. Genutzt wurde vor allem Unterhaltendes, sogenannte „erbauliche und belehrende Schriften“ wurden jedoch wenig entliehen. Aufgrund der sinkenden Leserzahlen bestand dann auch seitens der Stadt kein Interesse mehr an der Reorganisation der Bücherei. Zudem brachte der Beginn des Ersten Weltkriegs andere Probleme mit sich. Zumindest bis 1918/19 war Lehrer Nolte noch mit der Bücherei beschäftigt.

In den späteren Jahrzehnten waren es jeweils immer Lehrer, die sich um die „Bücherausgabe“ kümmerten. Um 1930 war die Bücherei in der Schule Karlstraße, später im Torhaus am Katzensprung untergebracht. Damals sollen etwa 1.000 Bücher im Bestand gewesen sein.

Nach 1945 wurde die Bücherei zwecks „Säuberung“ kurzzeitig von der Besatzungsmacht geschlossen. In den Folgejahren war sie im Clubhaus und im Gebäude Bahnhofstraße 31 (von 1990 bis 2004 Stadtmuseum) untergebracht. Seit 1985 richtet sich die Stadtbücherei im ehemaligen Gebäude der Staatsbank (heute Nord/LB), Obere Straße 30, ein. Die allein von der Stadt Holzminden finanzierte Bücherei entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten zu einer modernen Bibliothek mit hauptamtlichem Fachpersonal  unter der Leitung von Renate Presser (von 1975 bis 2001) und seit 2001 Martina Kästner sowie einem Ankaufsetat zur ständigen Aktualisierung des Bestandes. Zudem ist sie eine gut besuchte kulturelle Einrichtung der Stadt Holzminden, die der Leseförderung von Klein an, der  Information, Unterhaltung und Kommunikation der Bürger Holzmindens und der Region dient.

Wer mehr zur Entstehungsgeschichte der Stadtbücherei Holzminden wissen möchte sei verwiesen auf das 1994 erschiene „Jahrbuch für den Landkreis Holzminden“ [Signatur: Del Jah 12/13], auf den Artikel „ Vor 100 Jahren eröffnet – Die Holzmindener ,Volksbibliothek‘“ von Matthias Seeliger. Alle Jahrbücher des Landkreises Holzminden befinden sich in der zweiten Etage der Stadtbücherei und sind natürlich auch entleihbar. (spe)

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