Mittwoch, 21. August 2019

Sommer-Abschied mit einem schwülheißen Finale

Drittwärmster August seit Messbeginn / Viel Sonne zu Beginn und am Ende des Monats

Kreis Holzminden (05.09.15). Ein denkwürdiger Sommer liegt hinter uns: Nach einem verhaltenen Auftakt im Juni hatte der Juli bereits mit Rekordhitze, sehr viel Regen und einem ausgewachsenen Sturmtief Schlagzeilen gemacht. Der August ließ dann viele hochsommerliche Tage folgen und war in der Schlussbilanz der wärmste und sonnigste Monat des meteorologischen Sommers, der am Montag mit Hitze von fast 34°C zu Ende ging.

Mit einer Mitteltemperatur von 19,9°C war es im August 2015 an der DWD-Station in Bevern um 3,3°C wärmer als im langjährigen Mittel der Klimareferenzperiode von 1961-1990. Auch gegenüber dem höheren Vergleichsmittel der Jahre 1981-2010 fällt die Abweichung mit 2,2°C deutlich positiv aus. Nur zweimal, im „Jahrhundertsommer“ 2003 und 1997, war es in unserer Region in einem August noch wärmer. Mit 21 meteorologischen Sommertagen mit einem Höchstwert von mindestens 25°C wurde zudem der Rekord aus dem August 1997 eingestellt, selbst 2003 waren es weniger. Dazu machte die Sonne vor allem in der ersten Woche Überstunden: Zwischen dem 1. und 7. wurden etwas über 80 Stunden registriert, auch die letzte Dekade ab dem 21. brachte viele sonnenscheinreiche Tage, so dass am Ende mit rund 220 Stunden das Klimamittel der Jahre 1961-1990 um etwa 43 Stunden übertroffen wurde. Im Gegensatz zum Vormonat blieb es an vielen Tagen trocken, in den ersten zwei Wochen sogar fast komplett, und in der zweiten Monatshälfte konzentrierte sich  der Niederschlag im Wesentlichen auf drei Tage. Mit 56,3 mm wurden insgesamt nur drei Viertel des Augustmittels von 74,5 mm erzielt.

Erste Monatshälfte: 14 Sommertage und eine tropische Nacht

Nachdem der Start in die Sommerferien Ende Juli wechselhaft und überwiegend kühl verlaufen war, brachte Hochdruckgebiet „Finchen“ pünktlich zum Monatswechsel den Sommer zurück. Bei viel Sonnenschein stiegen die Temperaturen ab dem 3.8. mehrfach über die 30-Grad-Marke, bevor es ab der zweiten Woche unter leichtem Tiefdruckeinfluss wolkiger und etwas weniger heiß, dafür aber zunehmend schwül wurde. Zunächst blieb es dabei noch trocken und warm: An den ersten 15 Tagen wurde die 25-Grad-Marke nur einmal knapp verfehlt und am 14.8. gab es mit einem Tiefstwert von 21,3°C die wärmste je in Bevern gemessene Nacht. Auch an der früheren Holzmindener Station ist kein höheres nächtliches Minimum dokumentiert, dort war das Thermometer am 4.8.1986 ebenfalls nicht unter 21,3°C gesunken. Schon am 5. Juli hatte es eine so genannte tropische Nacht mit einem Tiefstwert nicht unter 20°C gegeben. Im Holzmindener Stadtgebiet wurden sogar insgesamt fünf dieser für unsere Region seltenen Tropennächte registriert, zwei im August und drei im Juli.

Ein kurzer Blick über den regionalen Tellerrand hinaus zeigt übrigens am 7.8. die Einstellung des erst wenige Wochen zuvor aufgestellten bundesweiten Allzeitrekords von 40,3°C – und zwar erneut in Kitzingen am Main in der Nähe von Würzburg.

Dann aber legte sich zur Monatsmitte eine Luftmassengrenze diagonal über Deutschland und brachte in einem Streifen, der die nach Nordosten gedrängte feuchte und sehr warme Luft von trockenerer und kühlerer im Südwesten trennte, ergiebige Regenfälle und leitete ausgerechnet während des Holzmindener Schützenfestes einen Wetterwechsel ein.

Bei uns im Landkreis Holzminden fiel zwar insgesamt deutlich weniger Niederschlag als es viele Wettermodelle vorausberechnet hatten, in den Nachbarkreisen nach Westen und Süden war es gebietsweise aber deutlich mehr Regen. Somit hatten Teilnehmer und Zuschauer des traditionellen Schützenumzugs am Festsonntag letztlich Glück im Unglück: Zwar ging ab etwa 13 Uhr ein kräftiger Schauer über der Stadt nieder, am Nachmittag blieb es dann aber bei gelegentlichem leichtem Getröpfel, und die nächsten stärkeren Regenfälle beschränkten sich auf die späten Nachtstunden zum Montag. Auch beim Katerfrühstück am Montag Vormittag blieb es zumindest von oben trocken.

Zweite Monatshälfte: Nur vorübergehend trüb und kühl

Nachfolgend verschob sich das Niederschlagsfeld nach Osten, uns blieb aber noch eine dichte Wolkendecke erhalten, die für eine weitere Einstellung einer historischen Marke in der lokalen Klimastatistik sorgte: Vom 16. bis 18.8. ließ sich die Sonne an drei aufeinanderfolgenden Tagen überhaupt nicht sehen – eine solch trübe Phase hatte es vor Ort zuvor in einem August erst einmal im Jahr 1981 gegeben.

Zum Start in die dritte Dekade führte dann aber ein umfangreiches Hochdruckgebiet über Skandinavien trockene Festlandsluft heran und bescherte uns nach kühlen Nächten mehrere spätsommerlich warme Tage. Zur Wochenmitte bildete sich dann erneut eine Luftmassengrenze und teilte das Land in zwei deutlich unterschiedlich temperierte Hälften (siehe Abbildung), bevor der Sommer vor allem an den letzten beiden Tagen auch bei uns noch einmal groß aufspielte mit Höchstwerten von deutlich über 30 Grad – das sind zu diesem späten Zeitpunkt außergewöhnlich hohe Werte. Insgesamt acht Tage oberhalb der 30-Grad-Marke wurden in diesem Monat gezählt, nur im legendären August 2003 gab es mehr solcher Hitzetage, damals sogar 13 an der Zahl. Hohe Taupunkte von bis zu 22°C sorgten dabei vor allem am Sonntag für große Schwüle und hohe Wärmebelastung, bevor die Luft am Montag Nachmittag dann spürbar abtrocknete. Am Sonnabend hatte allerdings zäher Nebel bis in die Vormittagsstunden schon einen deutlichen Hinweis auf den nahenden Herbst gegeben.

Sommerbilanz: Insgesamt sehr warm, lange Zeit unbeständig

Deutlich launischer als der August hatten sich die ersten beiden Sommermonate gezeigt, so dass die Gesamtbilanz eher gemischt ausfällt. In Erinnerung bleibt vielen zwar vor allem die Rekordhitze Anfang Juli, gleichwohl gab es immer wieder auch die in unseren Breiten üblichen Phasen mit maritimer Luft und wechselhafter Witterung, wobei es ausgerechnet Ende Juli zu Beginn der Hundstage ungewöhnlich kühl wurde.

Unterm Strich bedeutet dies, dass sowohl die Anzahl der heißen Tage (mindestens 30°C) als auch die der kühlen Tage (unter 20°C) über den Durchschnittswerten der jüngeren Vergangenheit lagen.

Das Übergewicht fand sich aber ab Ende Juni auf der warmen bis heißen Seite, was sich sowohl an 41 meteorologischen Sommertagen, darunter 15 heißen Tagen, als auch an der Mitteltemperatur zeigt: Mit 18,2°C war es der siebtwärmste Sommer der letzten 65 Jahre, und das Klimamittel der Periode von 1961-1990 wurde um immerhin 1,8°C übertroffen. Gegenüber dem Mittel der Jahre 1981-2010 fällt die Abweichung mit 0,9°C deutlich geringer aus, darin dokumentiert sich sehr anschaulich der Erwärmungstrend jüngeren Vergangenheit. Während in unserer Region Sommer mit Mitteltemperaturen über 17°C bis Anfang der 1990er Jahre nur vereinzelt vorkamen und 18°C nur äußerst selten erreicht wurden, hat sich das Blatt seither gewendet: Der letzte Sommer unterhalb der 17-Grad-Marke liegt mittlerweile 15 Jahre zurück und die 18er-Marke wurde seither gleich neunmal übertroffen.

Beim Sonnenschein liegt der Schätzwert dieses Sommers bei etwa 614 Stunden, das sind zwar rund 15 Prozent mehr als im langjährigen Mittel der Jahre 1961-1990, im bundesweiten Vergleich aber einer der niedrigsten Werte abseits der Gebirge. Nur ganz im Nordwesten des Landes zeigte sich die Sonne im Tiefland seltener. Eine genaue Einstufung in eine lokale Klimastatistik ist aufgrund der unvollständigen und ungenauen Datenlage leider nicht möglich, sicher ist aber, dass es erst vor zwei Jahren rund 30 Sonnenstunden mehr gegeben hat. Unauffällig war der Sommer 2015 beim Niederschlag: Zwar gab es auch bei uns sehr trockene Phasen im Juni und August, der nasse Juli verhinderte aber größere Schäden in der Natur – im Gegensatz zu anderen Regionen, in denen die Böden teilweise so trocken waren wie seit 50 Jahren nicht mehr. Insgesamt fielen 241,4 mm Regen an der Station in Bevern und damit geringfügig mehr (vier Prozent) als im Mittel. Der höchste Tageswert wurde mit 20,5 mm am 27.8. gemessen.

Nur wenige Stunden nach Beginn des meteorologischen Herbstes am 1. September und einer weiteren tropischen Nacht sorgte dann eine markante Kaltfront für einen nachhaltigen Temperatursturz und beendete den Sommer 2015 fast schon überpünktlich.  (Jürgen Höneke)

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