Sonntag, 18. August 2019

Durchschnittskost nach abruptem Sommerende

Viele recht kühle Tage mit Regen prägten den September / Sonniger Abschluss dank Hoch „Netti“

Kreis Holzminden (10.10.15). Nach den Temperaturrekorden in den letzten Augusttagen hatte es der Sommer mit seinem Abschied aus unserer Region sehr eilig: Anders als in vielen Jahren zuvor blieb uns ein spätsommerlicher Nachschlag in diesem September verwehrt, stattdessen prägten viele Wolken, eine Reihe von Regentagen und vergleichsweise niedrige Temperaturen das Bild des Monats, der gerne auch als „Mai des Herbstes“ bezeichnet wird. Diesem Ruf konnte er dann dank Hoch „Netti“ zum Monatsende zumindest noch in Sachen Sonnenschein ein wenig gerecht werden, mit starker Abkühlung in den Nächten und tagsüber kaum noch 17 Grad blieb der Witterungscharakter aber klar herbstlich. Der klassische Altweibersommer blieb im September aus.

Die Mitteltemperatur an der DWD-Station in Bevern betrug im September 2015 13,3°C und lag damit um 0,2°C unter dem Mittel der Klimareferenzperiode von 1961-1990. Nach dem Mai war es in der lokalen Jahresbilanz der zweite Monat, der knapp unterhalb des Mittels abschloss, deutschlandweit sogar der erste nach zuvor zwölf Monaten in Folge mit einer positiven Abweichung. Gegenüber dem aktuelleren Vergleichsmittel der Jahre 1981-2010 fällt die Abweichung mit -0,7°C etwas deutlicher aus. Trotz dieser insgesamt als unauffällig einzustufenden Bilanz waren nur vier der letzten 20 Septembermonate vor Ort noch kühler ausgefallen. Zumindest gefühlt dürfte der September bei vielen Menschen auch in unserer Region lange Zeit einen regnerischen Eindruck hinterlassen haben – gemessen stimmt das jedoch nur teilweise: Zwar blieb es nur an zehn Tagen des Monats trocken und nachdem bereits die erste Woche sieben Regentage gebracht hatte, folgte ab dem 11. sogar eine Phase mit 13 Tagen mit messbarem Niederschlag am Stück – dennoch blieb die Regensumme mit 52,1 mm um 8,5 mm oder rund 14% unter dem Mittel der Jahre 1961-1990 und sogar um 28% unter dem Mittel der Periode 1981-2010. Mit anderen Worten: es regnete in diesem September zwar oft, aber meist nur wenig – mit einer Ausnahme:  Gleich am 1. September hinterließ der Sommerrausschmeißer in Gestalt von Tief „Jonas“ immerhin 15 mm im Beveraner Messbecher. Beim Sonnenschein hinkten die Messwerte lange Zeit den jahreszeitlich üblichen Werten hinterher, bevor das kräftige Hochdruckgebiet Netti zum Monatsende die Bilanz noch deutlich aufpolierte. Am Ende lag der DWD-Schätzwert bei rund 130 Stunden und damit sogar geringfügig über dem Klimamittel, das bei rund 126 Stunden liegt.

Noch eine Tropennacht am Monatsanfang

Auf das ungewöhnlich heiße Augustende folgte in den ersten Stunden des Septembers eine ebenso außergewöhnlich warme Nacht: Im maßgeblichen Messzeitraum bis um acht Uhr am Morgen fiel die Temperatur in Bevern nicht unter 20°C – der Tiefstwert von 20,1°C bedeutete eine weitere tropische Nacht und einen neuen lokalen Rekord – noch nie war es so spät im Jahr nachts so warm geblieben. Doch damit hatte der Sommer sein Pulver dann endgültig verschossen: Der Höchstwert am 1. September von 21,2°C lag bereits fast 13 Grad unter dem des Vortages und nur noch an vier weiteren Tagen des Monats wurde die 20-Grad-Marke noch überschritten. Das Monatsmaximum wurde am 12. mit vergleichsweise bescheidenen 23,3°C erzielt. Insgesamt bewegten sich die Höchstwerte im Monatsverlauf überwiegend in einem engen Korridor zwischen 17 und 20 Grad, richtig kühl wurde es zumindest tagsüber also auch noch nicht. Auch die Tiefstwerte zeigten zunächst nur eine geringe Amplitude und pendelten lange Zeit um die 10°C herum, bevor die Auskühlung in den wolkenarmen Nächten unter dem Einfluss des Hochs „Netti“ die Werte zum Monatsende bis auf unter 4°C absinken ließ, so dass die ersten Heizungen im Landkreis wohl in Betrieb genommen wurden. Dafür blieb Nebel, der sich bei windschwachen Lagen gerade im Wesertal gerne bildet, in diesem September die Ausnahme. Und zum Glück für alle nächtlichen Beobachter blieb auch bei uns die Sicht auf die Mondfinsternis mit dem sogenannten Blutmond am frühen Morgen des 28. September frei, so dass der TAH am folgenden Tag eine Reihe von beeindruckenden Bildern des Naturschauspiels aus dem Leserkreis veröffentlichen konnte. Damit ist die Geschichte eines weitgehend unspektakulären Wettermonats bereits erzählt, was uns die Gelegenheit gibt, das Thema (lokale) Wetterdaten im Internet etwas ausführlicher zu behandeln.

Lokale und weltweite Wetterdaten im Internet

Gefühlt bereits eine Ewigkeit, tatsächlich aber erst gut ein Jahr her ist die Zeit, in der die meisten Daten der DWD-Stationen noch geheime Verschlusssache waren und lediglich 78 von ihnen zur Grundversorgung gehörten, die jedermann via Internet zugänglich waren. Das Umdenken des staatlichen Wetterdienstes mit der Freigabe auch der Messwerte der vielen anderen Stationen zum 1. Juli 2014 hat diese TAH-Kolumne übrigens rechtlich erst möglich gemacht. Den etwas mehr an der Materie interessierten Lesern soll nachfolgend ein Überblick verschafft werden, wo man sich aktuelle und historische Wetter- und Klimawerte im Netz anschauen kann.  Am umfassendsten ist das Angebot des DWD selbst, der Zugang zu Messdaten ist allerdings recht versteckt und auch nicht gerade übersichtlich. Am einfachsten klickt man sich unter www.dwd.de über die Reiter und Links „Klima und Umwelt“ > „Klimadaten“ > „Klimadaten-online-frei“ auf die Übersichtsseite und von dort aus in die verschiedenen Unterkategorien. Dort wird auch auf den ftp-Dienst der Grundversorgung verwiesen, der sich an Nutzer mit gewissen Vorkenntnissen richtet:

Unter ftp://ftp-cdc.dwd.de/pub/CDC/observations_germany/climate/daily/kl/recent/ erhält man Zugang u.a. zu zip-Dateien aller aktuellen Stationen des DWD-Haupt- und Nebenamts. Die Messwerte werden jeweils im Laufe eines Tages für den Vortag aktualisiert. Dazu gibt es interessante Informationen zur jeweiligen Stationshistorie, den verwendeten Messinstrumenten und weitere Details. Die Station Bevern hat übrigens die Nummer 2323.

Fast ebenso umfangreich, aber deutlich komfortabler zu bedienen ist das private Angebot www.sklima.de. Dort werden die DWD-Rohdaten täglich in einer sehr großen Datenbank verarbeitet und den Nutzern diverse Möglichkeiten gebeben, ohne Vorkenntnisse auf Daten zuzugreifen und eigene Auswertungen zu erstellen, vom lokalen Jahresrückblick bis zum eigenen Geburtstagswetter und vielem mehr. Hier sind auch die Werte beendeter Messreihen wie die der Station Silberborn (zuvor Neuhaus) zu finden.  Die täglichen Höchst- und Tiefstwerte der Station Bevern findet man auch unter www.wetterkontor.de, dort ist bei den Tagesextremwerten fast jede Station des DWD mit Temperaturmessungen vertreten. Deutlich bekannter dürfte die Seite www.wetteronline.de sein, die allerdings nur Messwerte aus dem hauptamtlichen Netz des DWD nutzt (dazu gehören etwas über 200 Stationen) und für unsere Region die Werte aus dem benachbarten Lügde-Paenbruch heranzieht. Diese Station (siehe Foto) liegt sehr frei und zudem auf fast 260 Metern Höhe, daher ist es dort bei den meisten Wetterlagen rund zwei Grad kälter als in vielen Orten unserer Region, sieht man von den Hochebenen und vom Solling, der aber wieder ein anderes Mikroklima hat, einmal ab.

Recht neu ist die aktuelle Webpräsenz von Jörg Kachelmann. Die ebenfalls kostenfreie Seite unter kachelmannwetter.com/de/ ist derzeit das wohl innovativste Wetterangebot im Netz. Sehr übersichtliche Karten zeigen aktuelle Mess- sowie Tageswerte der einzelnen Stationen an, indem man mit der Maus über die Karte fährt, ein Klicken ist also nicht notwendig. Dabei sind auch viele der reinen Niederschlagsstationen des DWD, die sonst kaum Beachtung finden, aus unserer Region unter anderem aus Ottenstein und Eimen-Vorwohle.

Übrigens: Der DWD sucht nach wie vor einen ehrenamtlichen Beobachter für die Fortsetzung der Niederschlagsmessungen in Polle. Daher auch an dieser Stelle noch einmal der Hinweis an alle Interessierten, sich an den DWD, Regionale Messnetzgruppe in 20304 Hamburg, e-Mail: Rmg.Hamburg@dwd.de zu wenden. Direkte Ansprechpartnerin ist Frau Siert, Telefon 069/8062-6580. Es wäre doch sehr schade, wenn nach Silberborn nun demnächst eine weitere lokale Messreihe beendet würde.     Jürgen Höneke

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