Dienstag, 22. Oktober 2019

Eine Foto-Love-Story der anderen Art

Der Tier- und Naturfotograf Jürgen Borris legt sein neues Buch vor: „Lüneburger Heide – Natur zwischen Heidekraut und Wacholder“

Kreis Holzminden (02.10.15). Eher durch Zufall verschlug es Jürgen Borris vor gut 15 Jahren für einen Kurzurlaub mit der Familie in die Lüneburger Heide, den Kopf voller Vorurteile und Klischees über diese urdeutsche Landschaft, über blühende Heide, ziehende Heidschnuckenherden mit Schäfern und Busse voller betagter Touristen an den obligatorischen Ausflugszielen. Im „Praxistest“ wichen diese Bilder schnell einer differenzierten Begeisterung, die über die Jahre angewachsen ist und bis heute anhält. Jürgen Borris, der Mann aus dem Solling, ist längst zum begeisterten Heide-Freund geworden, hat diese Landschaft mit ihren vielen Besonderheiten und Charakteren für sich entdeckt, lieben gelernt. Seit seiner ersten Begegnung kehrt er regelmäßig zurück, um Urlaub zu machen, vor allem aber um als Tier- und Naturfotograf stundenlang „anzusitzen“. Mindestens zehn Jahre lang hat er für sein neuestes Buchprojekt fotografiert, es ist eine bildgewaltige Hommage geworden: „Lüneburger Heide – Natur zwischen Heidekraut und Wacholder“.

Dieses Buch ist eine Liebeserklärung an die Lüneburger Heide, wie sie der Buchmarkt bislang nicht kannte, es lebt von Borris’ grandiosen Aufnahmen von Landschaft, Natur und Tier, von hier wirtschaftenden und urlaubenden Menschen. Die Geduld des Fotografen, der Blick fürs Detail, das geschulte Auge des erfahrenen Naturbeobachters und das Gespür für den richtigen Augenblick, auf den Auslöser zu drücken, beweisen sich in jedem Bild dieses opulenten Bandes (erschienen im Verlag Tecklenborg, ISBN 978-3-944327-28-0). Der Betrachter bleibt an jeder Seite förmlich kleben, lässt sich nur zu gern von einer geheimnisvollen Magie gefangen nehmen. Natürlich zeigt Borris auch das leuchtend violette Farbenmeer  der Heideblüte, natürlich die sanft geschwungenen Hügel im Morgennebel, den Totengrund bei Wilsede und wassergefüllte Torfstiche, doch seine Fotos haben nichts Klischeehaftes, sie sind kraftvoll und ehrlich. Borris zeigt die Lüneburger Heide im Wechsel der Jahreszeiten, ihre vielfältigen faszinierenden Lebensräume, rückt Sumpfohreule, Birkhahn und Kranich ganz nah aufs Gefieder, und dokumentiert die Heide als das, was sie ist: eine 5.000 Jahre alte, von Menschenhand geprägte oder gar gestaltete Kulturlandschaft in ihrer klassischen Schönheit. Seine Botschaft kommt an: „Die Heide ist mehr als die Farbe Lila und Heidschnucken.“ Das Buch ist der Beweis. Und der Mensch darf gern in ihr vorkommen, er wird nicht ausgesperrt.

Absolut einzigartig sind die Fotos, die Jürgen Borris auf dem Truppenübungsplatz Munster gelungen sind. Eine Sondergenehmigung zum Betreten bot dem Fotografen immer wieder freien Zugang zu sonst gesperrten Bereichen. Das Kapitel „Natur im Kanonendonner“ zeigt Wildtiere neben Panzern in Aktion und Munitionsschrott, dokumentiert aber auch eine enorme Dichte von Arten gerade hier. Jäger und Gejagte treffen im Kapitel „Wolf und Rotwild“ aufeinander. Borris fotografierte neugierig lugende Jungwölfe und einen Wolf an seinem Riss.

Den Textautorinnen Iris Schaper und Anke Benstem gelingt es, stimmungsvoll und fachlich versiert in kurzen Kapiteln Basiswissen und Hintergrundinformationen von der Entstehung dieser Landschaft bis zu ihrer touristischen Nutzung zu liefern. Doch Jürgen Borris Fotos sind es, die Geschichten erzählen. (spe)