Mittwoch, 21. August 2019

Ein Monat der Kontraste

Das Wetter im Oktober 2015: Sonnige und trübe Phasen wechselten sich ab / Kalte Monatsmitte mit frühem Wintergruß

Kreis Holzminden (07.11.15). Trockenwarm und sonnig zum Start, außergewöhnlich kalt in der zweiten Dekade mitsamt dem ersten Schnee in den höheren Lagen bereits zur Monatsmitte und zum Ende hin zumindest phasenweise in farbenfrohem, goldenem Gewand – so präsentierte sich der Oktober 2015 in unserer Region. Mit einer Mitteltemperatur von 8,8° C war es an der DWD-Station in Bevern 0,8 Grad kälter als im Mittel der Jahre 1961-1990; gegenüber dem Mittel der Periode von 1981-2010 betrug die Abweichung -1,0 Grad Celsius. Im Vergleich zum warmen Oktober des Vorjahres lag die Differenz immerhin bei dreieinhalb Grad, und nur zweimal (1997 und 2009) wurde in den letzten 20 Jahren ein tieferes Monatsmittel registriert.

Dabei begann der zweite meteorologische Herbstmonat alles andere als unterkühlt: Hoch „Netti“, das bereits Ende September für sonnige und recht warme Tage gesorgt hatte, hielt auch in den ersten Oktobertagen noch durch und ließ die Temperaturen nach kalten Nächten mit den ersten Nachtfrösten des Winterhalbjahres noch einmal auf angenehme Tageswerte von fast 20 Grad ansteigen, am Feiertag zur Deutschen Einheit wurde diese Marke, ab der man von einem „warmen Tag“ spricht, sogar noch einmal knapp überschritten – vermutlich zum letzten Mal in diesem Jahr.Anschließend zog „Netti“ nach Osten weiter und von Westen her übernahmen die Tiefdruckgebiete „Quirin“ und „Rolf“ die Wetterregie: Sie führten milde, aber auch wolkenreiche und feuchte Luft mit sich und sorgten für eine Reihe von trüben Tagen, an denen die Sonne kaum oder gar nicht zu sehen war. Nachts wurde es unter der vor Ausstrahlung schützenden Wolkendecke wieder deutlich milder, tagsüber gingen die Temperaturen zunächst kaum zurück, erst mit den kräftigen Regenfällen am 8. und 9. blieb es dann tagsüber unter 15 Grad Celsius.

Ein erster Besuch des Winters

Nachfolgend rückte das mächtige Hochdruckgebiet „Oldenburgia“ ins Zentrum des Geschehens. Es hatte zuvor über  der Nordsee und Skandinavien gelegen und breitete sich anschließend über das Baltikum nach Russland aus. Die Wetterentwicklung bei uns stand dabei zunächst auf der Kippe: Manche Wettermodelle hatten die Zugbahn des Ex-Tropensturms „Joaquin“ über dem Atlantik weiter nördlich berechnet, was zu einer milden West- bis Südwestströmung geführt hätte. Tatsächlich aber wurde dieses Tief nicht in die nordatlantische Frontalzone eingebunden, sondern bewegte sich langsam auf die Iberische Halbinsel zu und konnte keinen direkten Einfluss auf das Wettergeschehen in Mitteleuropa nehmen. Relativ kleine Änderungen in der Zugbahn atlantischer Tiefs können durchaus deutliche Auswirkungen auf unser Wetter haben und traditionell tun sich die numerischen Wettermodelle, die vereinfacht gesagt versuchen, die physikalischen Prozesse unserer Atmosphäre mit Hilfe komplexer mathematischer Gleichungen zu berechnen, besonders zur Tropensturmsaison im Spätsommer und Herbst schwer mit diesen Zyklonen und ihren Auswirkungen auf die Wetterentwicklung.Mit der südlicheren Zugbahn dieses Tiefs wurde bei uns am Rande des kräftigen Hochdruckgebiets der Weg frei für den Zustrom trockener und kalter kontinentaler Luftmassen aus Nordosten – das bedeutete zumindest anfangs (ab 10.) wieder deutlich mehr Sonne, aber auch niedrigere Temperaturen: trotz der Sonnenunterstützung wurden ab 11. keine zehn Grad mehr erreicht und nachts gab es am 11. und 12. die erste leichten Luftfröste. Hochdruckrandlagen sind allerdings häufig anfällig für Kaltlufttropfen, das sind nur in höheren Luftschichten ausgeprägte Tiefdruckgebiete (dieses Thema wurde im April-Rückblick ausführlicher erläutert), die sich im Bodendruckfeld nicht abbilden, keine Fronten haben und gemäß der Regularien der FU Berlin (siehe hierzu: www.wetterpate.de) auch namenlos bleiben, gleichwohl aber sehr wetterwirksam sein können.

So auch in diesem Fall: Zum 14. Oktober platzierte sich der Kaltlufttropfen als klassisches „Ei“ über dem Westen und Südwesten Deutschlands und Teilen Belgiens bis ins Elsass. Warmluftadvektion auf seiner Vorderseite führte in der Nacht zunächst zu Niederschlägen im Osten des Landes und nachfolgend sorgten Hebungsprozesse auch in unserer Region für einsetzenden Regen in den Morgenstunden. Aufgrund der niedrigen Temperaturen in der Grundschicht und bedingt durch weitere Niederschlagsabkühlung kam es dann ab etwa 200m zu Schneeregen, in den höheren Lagen des Sollings, auf dem Ith und dem Hils sogar zu Schneefällen, so dass sich dort vorübergehend eine dünne Schneedecke ausbilden konnte – an einem 14. Oktober ein auch für diese Regionen ungewöhnliches Ereignis, über das der TAH am Folgetag ausführlich berichtete.Auch wenn der Schnee nur eine Angelegenheit von ein paar Stunden blieb: Die gesamte Witterungsphase in diesen Tagen um die Monatsmitte ist als außergewöhnlich kalt einzustufen – weniger,  was die nächtlichen Tiefstwerte angeht als vielmehr aufgrund der niedrigen Tageswerte: Zwischen dem 11. und 19. ging es an neun Tagen in Folge nicht über zehn Grad hinaus, ein Novum in der lokalen Wetterhistorie, deren Daten bis 1951 zurückgehen. Und immerhin an drei Tagen, am 13., 14. und 16., gab es neue Minusrekorde bei den Höchstwerten, wobei der Tiefpunkt am 14. erreicht wurde, als nur  4,5°C erreicht wurden.Anschließend wurde es dann zwar wieder zögernd etwas wärmer, der sprichwörtliche goldene Oktober wollte sich jedoch (noch) nicht einstellen, es blieb oft ganztägig trüb oder bei nur wenigen Sonnenminuten am Tag, zwischen dem 13. und 22. wurden an zehn Tagen ganze drei (!) Sonnenstunden registriert. Regen fiel in der zweiten Monatshälfte kaum noch, da sich nach Abzug des Kaltlufttropfens langsam wieder Hochdruckeinfluss durchsetzen konnte, der aber zu dieser Jahreszeit nicht gleichbedeutend mit sonnigem Wetter ist, da die Neigung zu Nebel- und Hochnebelbildung zunimmt und dieser sich gerne einmal hartnäckig halten kann, wenn Wind fehlt.

Doch noch ein paar „goldene“ Tage zum Monatsende

Erste längere Lichtblicke gab ab dem 23.10., als sich die Sonne zumindest zeitweise wieder am Himmel gegen die Wolken durchsetzen konnte. Nach einem weiteren Durchhänger am Sonntag startete die letzte Oktoberwoche sogar mit viel Sonnenschein, bevor erneut hochnebelartige Bewölkung  die Oberhand gewann, diesmal aber nur für zweieinhalb Tage, so dass es zum letzten Wochenende und zum Monatswechsel in den November unter dem Einfluss von Hoch „Sophie“ nach rascher Auflösung flacher Nebelfelder unter südöstlicher Strömung für viele Sonnenstunden reichte, unter deren Licht sich die herbstliche Natur in voller Farbenpracht präsentieren konnte. Dieser versöhnliche Abschluss sorgte für eine sehr ausgeglichene Klimabilanz bei Niederschlag und Sonnenschein: Mit 96 Stunden schien die Sonne exakt so lange wie im langjährigen Mittel der Jahre 1961-1990, und  die gemessene Regenmenge in Bevern lag mit 50,5 mm nur geringfügig unter dem Mittel dieses Bezugszeitraums (52,6 mm), während das Defizit gegenüber dem Mittel der Jahre 1981-2010 mit 14,4 mm beziehungsweise 23 % deutlicher ausfiel, da der Oktober (wie alle Monate des Winterhalbjahres) im Vergleich der beiden 30-Jahres-Klimaperioden vor Ort im jüngeren Bezugszeitraum eine Zunahme des Niederschlags aufweist. In diesem Oktober hielten sich trockene Tage und solche mit messbarem Niederschlag mit 16:15 die Waage, wobei fast zwei Drittel der Monatssumme an drei Tagen fielen. (Jürgen Höneke)

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