Mittwoch, 21. August 2019

Nach goldenem Start sehr viel Regen

Zweitwärmster November in der lokalen Klimareihe / Ein Hauch von Winter zum Monatsende

Kreis Holzminden (07.12.15). „Dieser November will lieber ein Goldener Oktober sein“ titelte der TAH in seiner Ausgabe am 4. November – und in der Tat brachten die ersten Tage des Monats unserer Region außergewöhnlich viel Sonnenschein, der das Herbstlaub noch einmal in voller Farbenpracht leuchten ließ. Anschließend übernahmen aber atlantische Tiefdruckgebiete die Wetterregie und brachten vor allem um die Monatsmitte eine Menge Regen. Dazu war es in den ersten beiden Dekaden außergewöhnlich warm und es wurden mehrere Temperaturrekorde aufgestellt. Erst in der dritten Dekade sorgte deutlich kältere Luft aus polaren Breiten dann vorübergehend für jahreszeitgemäßeres Wetter und in den höheren Lagen auch zeitweise für einen weißen Anstrich. Unterm Strich landete der November 2015 sowohl bei der Temperatur als auch beim Niederschlag auf Platz zwei der lokalen Messreihe seit 1951.

Mit einer Mitteltemperatur von 8,5 Grad Celsius war es an der DWD-Station in Bevern 3,5 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1961 bis 1990; gegenüber dem Mittel der Periode von 1981 bis 2010 betrug die Abweichung 3,0 Grad. Nur einmal, im Jahr 2009, wurde vor Ort mit 8,6 Grad ein höherer Monatsmittelwert erzielt. Damit war der November in diesem Jahr nur ganz geringfügig um 0,3 Grad kälter als der Oktober. Im Durchschnitt beträgt der Unterschied zwischen diesen beiden Herbstmonaten 4,6 Grad, das ist gleichzeitig der größte Rückgang im Jahresgang der Temperatur. Nachdem es Ende Oktober und Anfang November eine längere trockene Phase gegeben hatte, regnete es ab dem 5. November fast täglich und dazu teilweise sehr ergiebig: So wurde mit einer Summe von 136,3 Millimetern nicht nur die Klimamittelwerte von 79,9 mm (1961-1990) beziehungsweise  83,5 mm (1981-2010) deutlich überschritten, es gab am zudem sehr stürmischen 14. November mit 29,8 mm in 24 Stunden auch den bisher mit Abstand regenreichsten Tag des Jahres. Zu beachten ist dabei, dass der maßgebliche Zeitraum für die Ermittlung des Niederschlags eines Tages nach den international üblichen Regelungen von 7 Uhr MEZ bis 7 Uhr MEZ des Folgetages ist (während der MESZ entsprechend eine Stunde später). Nur einmal, im Jahr 1992, wurde in unserer Region mit 148,3 mm noch mehr Regen in einem November gemessen.

Und auch beim Sonnenschein wurde das lokale Klimamittel recht deutlich übertroffen, auch wenn einem das nach den vielen trüben und regnerischen Tagen der letzten Wochen subjektiv ganz anders vorgekommen sein mag. Allerdings hängen die „Trauben“ im letzten meteorologischen Herbstmonat, der im Ruf steht, besonders grau und trüb zu sein (tatsächlich scheint die Sonne im Dezember und im Januar am wenigsten) mit gut 47 Stunden auch nicht allzu hoch, so dass der sehr sonnige Start an den ersten fünf Tagen mit rund 37 Stunden bereits den Großteil beigesteuert hatte. Am Ende waren es nach dem DWD-Schätzverfahren (das im kommenden Jahr übrigens erneut geändert wird) 58 Stunden und damit 23 Prozent mehr als im Mittel der Jahre 1961-1990.

Mehrere neue Wärmerekorde

Unter Hochdruckeinfluss startete der November 2015 mit viel Sonnenschein und überdurchschnittlichen Tagestemperaturen um 15 Grad, während es nachts ohne schützende Wolkendecke zu Ausstrahlung mit entsprechend deutlicher Abkühlung kam, so dass an den ersten fünf Tagen in Bevern jeweils Bodenfrost und am Morgen des 3. November auch leichter Luftfrost gemessen wurde. Anschließend gerieten wir in eine südwestliche bis südliche Strömung, mit der noch mildere und wolkenreiche Luftmassen herangeführt wurden, wodurch es nachts nun mit oft zweistelligen Tiefstwerten deutlich wärmer wurde. Am 7. November wurde trotz fast geschlossener Bewölkung mit 19,2 Grad zudem ein außergewöhnlich hoher Tageshöchstwert gemessen, es war der zweithöchste in einem November überhaupt, und noch nie war es in unserer Region an einem 7. November wärmer. Mit einer Tagesmitteltemperatur von 16,3 Grad wurde sogar ein neuer Novemberrekord in der lokalen Messreihe aufgestellt. Das Dekadenmittel der ersten zehn Tage lag bei 10,5 Grad, damit wurde der Höchstwert von 10,8 Grad aus dem Jahr 1977, der noch an der damaligen Holzmindener Station „Über dem Gerichte“ gemessen wurde, noch knapp verfehlt. Doch entgegen der üblichen Jahreszeitentwicklung wurde es in der zweiten Dekade nicht etwa kälter, sondern noch wärmer, so dass mit 11,1 Grad nicht nur der bisher höchste Mittelwert einer zweiten Dekade (9,5 Grad aus dem Jahr 1963) deutlich übertroffen wurde, sondern auch ein neuer Dekadenrekord für den gesamten November aufgestellt wurde.

Dass der Monatsrekord aus dem Jahr 2009 verfehlt wurde, lag an einer Umstellung der Großwetterlage, die sich ab 20. November vollzog: Über dem mittleren Nordatlantik breitete sich ein Hochdruckgebiet nach Norden aus und blockierte damit die Zufuhr milder Luftmassen aus Westen. Östlich davon bildete sich ein mit hochreichender Kaltluft aus polaren Breiten angefüllter Langwellentrog nach Mitteleuropa aus, in den mehrere Tiefdruckgebiete eingelagert waren, die in mittleren und höheren Lagen für Schneefälle sorgten, so dass sich im Solling zeit- und gebietsweise in der letzten Novemberwoche auch einmal eine Schneedecke ausbilden konnte. In den tiefen Lagen blieb es dagegen bei nasskaltem Schmuddelwetter und es mischten sich nur vereinzelt mal ein paar nasse Flocken unter. Kurzer Zwischenhocheinfluss sorgte am 27. immerhin noch einmal für einen sonnigen Tag in unserer Region, bevor im Laufe des Sonnabends (28.) dann eine erneute Westlage eingeleitet wurde, die weiteren ergiebigen Regen und auch wieder stürmischen Wind brachte. Auch die Temperaturen stiegen hinter einer sogenannten „maskierten Kaltfront“ ab Sonnabend wieder an.

Farbenpracht am Himmel

Gleich mehrere Fotos von spektakulären Sonnenauf- und Untergängen mit tiefrot gefärbtem Himmel oder rot leuchtenden Wolken konnte der TAH aus dem Leserkreis in den letzten Wochen präsentieren. Dieses Morgen- und Abendrot entsteht durch den langen Lichtweg bei aufgehender und untergehender Sonne, wenn der kurzwellige Anteil der Strahlung durch Streuung an Gasmolekülen und Staub- und Dunstpartikeln in der Atmosphäre herausgefiltert wird und der blaue Anteil des Lichts nicht mehr zum Beobachter auf der Erde durchdringt. Es dominiert dann der langwellige Rotanteil, der diese intensiven Himmelsfärbungen verursacht, und im Herbst und Winter ist dieser Effekt durch die flacher am Horizont stehende Sonne noch einmal verstärkt.

Dem sehr milden November stehen ein leicht unterkühlter September und ein recht kalter Oktober gegenüber. Unter dem Strich schloss der meteorologische Herbst an der Station in Bevern mit 10,2 Grad ab, das sind 0,8 Grad mehr als im Mittel der Jahre 1961-1990 und 0,4 Grad über dem Mittel der Periode 1981-2010.

Herbstbilanz: Etwas wärmer und nasser als im Mittel

Im Vorjahr war es mit 11,7 Grad deutlich wärmer, in der lokalen Messreihe seit 1951 landet der Herbst 2015 auf Platz 14 und damit im oberen Viertel. Auch beim Niederschlag „drehte“ der November die Bilanz und konnte das leichte Defizit der beiden Vormonate mehr als nur ausgleichen, so dass mit fast 239 mm erstmals seit 2010 wieder die Klimamittelwerte (1961-1990: 184 mm; 1981-2010: 210,3 mm) überschritten wurden. Vor fünf Jahren fiel in den drei Herbstmonaten noch etwas mehr Niederschlag (246,2 mm) – in den letzten Tagen des Novembers, als es einen nachhaltigen Wintereinbruch gab, bis in tiefe Lagen als Schnee.

Die Sonne schließlich zeigte sich rund 279 Stunden am Himmel und übertraf damit das Klimamittel leicht um etwa sechs Stunden.(Jürgen Höneke)

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