Mittwoch, 21. August 2019

Reisen, Reisen und nochmals Reisen!

Holzminden (16.01.16). Als die Scheinwerfer unseres Autos die Dunkelheit brechen und das Ortsschild Holzmindens beleuchten, wird mir klar, dass ich zurück bin. Raus aus Shanghai, raus aus China, zurück in der Heimat. Ich muss ehrlicherweise sagen, dass ich nicht sehr viel vermisst habe in den drei Monaten, die ich in Shanghai gewohnt und gearbeitet habe. Na klar, die Familie und die Freunde, die man in Deutschland zurücklässt, fehlen einem nach einer gewissen Zeit schon, die aufregenden neuen Eindrücke in der Weite überspielen dies aber größtenteils.

Die Rückreise war anstrengend genug, da bleibt mir wenig Konzentration, um darüber nachzudenken, ob ich nun glücklich oder traurig bin. Am nächsten Tag sieht das schon wieder ganz anders aus. Ich bin relativ ausgeschlafen, und der Jetlag trifft mich nicht so hart wie erwartet. Ich stelle mir die Frage also noch einmal: Glücklich oder traurig? Naja, irgendwie etwas von beidem.

Aber erst einmal alles von vorn:

In Shanghai war ich für drei Monate. Gearbeitet habe ich bei einer großen Hotelkette und auch recht gutes Geld verdient – genug zumindest, um nicht sparen zu müssen. In dem Hotel hätte ich die normale Zimmer-Rate bezahlen müssen, deshalb habe ich für die Zeit eine kleine Wohnung angemietet. „Klein“ ist dabei vielleicht noch etwas übertrieben – winzig trifft es schon besser. Aber es hat mir voll und ganz gereicht. Besonders schön für mich – ich habe zum ersten Mal ganz allein gewohnt – ich konnte das essen, was ich wollte, und tun, was und wann ich es mochte. Ein ganz klarer Punkt für die Zeit im Reich der Mitte ist also die Freiheit, die ich genießen konnte. China wird oft als „das Land des Lächelns“ bezeichnet. Ein Punkt, den ich nur wenig nachvollziehen kann. So toll meine Zeit in China auch war, so viele Menschen ich auch kennengelernt habe, die meisten Chinesen sind sehr schüchtern und abgewandt. Ob das nun nur so ist, weil ich Ausländer bin, eine andere Sprache spreche und anders aussehe, kann ich nicht beurteilen. Aber die meisten Chinesen habe ich als sehr verschlossen empfunden. Natürlich aber nicht alle. Es gibt genauso weltoffene Personen, wie es sie überall gibt – jedoch nicht viele. Einen weiteren Pluspunkt gibt es für die Möglichkeiten, die man in einer Stadt wie Shanghai hat. Es sind nicht nur tägliche Großveranstaltungen oder die riesige Anzahl an Bars und Kneipen, sondern auch viele Reiseorganisationen, die das Leben dort wirklich abwechslungsreich und spannend gestalten. Besonders ausgelegt für Ausländer, bieten sie Kurztrips zu nahegelegenen Orten, aber auch in andere Provinzen und Länder. Ich bin zweimal mit der selben Organisation gereist. Einmal zum Paragliding in eine nahegelegene Stadt und ein weiteres Mal zu den „Yellow Mountains“, ein überwältigend anderes Gebirge, was wir in dieser Form hier so nicht haben.

Ich habe aber auch Reisen auf eigene Faust unternommen. Zum Beispiel habe ich die „Junhe Rice Terraces“ besucht – von Shanghai aus ging es mit einem Zug nach Lixui, acht Stunden hat das gedauert. Die Sitze waren unbequem, die Gänge dreckig, die Leute laut. Und niemand, wirklich niemand, kann sich mit einem unterhalten. Ich als blonder Europäer werde selbstverständlich von allen Seiten angestarrt. Während einer Fahrt mit dem Zug sah ich aus dem Augenwinkel, dass die Frau neben mir ein Foto von mir aufgenommen und gepostet hatte. Als ich versuchte, sie darauf anzusprechen, kam nichts. Ich selber bin erstaunt, dass so wenige Menschen in China englisch sprechen – von der Wirtschaftsmacht Nr. 1 der Welt hätte ich das wirklich nicht erwartet. Wie dem auch sei, von Lixui aus ging es mit drei Bussen und einem Taxi weiter. Dann das letzte Stück noch zu Fuß. Da stand ich an einer Lichtung ziemlich weit oben an einem Berg. Vor mir die Reisterrassen – ein Anblick, den ich noch nie erlebt habe. In dem Moment fiel der gesamte Stress der Reise von mir ab. Es war extrem schwer, nach Junhe zu gelangen, da wirklich niemand, den ich um Rat gefragt habe, Englisch sprechen konnte. Eine Nacht habe ich sogar auf der Straße geschlafen, weil mich niemand zu einem Hotel lotsen konnte. Ich möchte so eine Nacht nie wieder erleben, trotzdem war es den Aufwand voll und ganz wert. Der Moment, an dem man realisiert, dass man es geschafft hat, allein, wer weiß wie viele Kilometer von Shanghai entfernt, den genießt man und blendet alles andere um sich herum aus.

Auch nach Peking bin ich für ein paar Tage gereist. Ich hatte das Glück, dass ein chinesischer Freund mich begleitet hat und ich somit den Reiseführer direkt an meiner Seite hatte. Was mich dabei sehr beeindruckt hat ist, dass jeder Ort in China anders ist. So gibt es zum Beispiel riesige Unterschiede zwischen Peking und Shanghai. Aber auch andere Städte und Provinzen unterscheiden sich grundlegend. Ob das die Lebensweise, das Essen oder die Kultur im Allgemeinen sind, China ist unglaublich vielfältig. Es lohnt sich also sehr, aus seiner Komfortzone auszubrechen und andere Teile des Landes zu bereisen.

Allgemein kann ich sagen: Egal wie weit ein Land entfernt ist, es gibt immer günstige Flüge, Mittel und Wege, um seinen Horizont zu erweitern. Jeder, der die Möglichkeit hat, eine solche Erfahrung zu machen, sollte sie unbedingt annehmen. Auch wenn der Weg Herausforderungen bereithält, das ist es wert. Sei mutig, es lohnt sich.  „A winner is a loser, who tried it one more time“. Was ich damit sagen möchte? Wenn etwas auf der Reise mal nicht klappt, mich jemand nicht versteht, oder etwas schief geht, einfach noch einmal versuchen. Am Ende wird es sich auszahlen – mit einer Erfahrung, die einem keiner mehr nehmen kann. Einige weitere Bilder auf leonardmueller.de    (Leonard Müller)

 

Kontakt

Telefon: 05531/9304-0
E-Mail: info@tah.de

 

Öffnungszeiten
Montag bis Freitag:
8.00 bis 16.00 Uhr
Samstag:
8.00 bis 11.00 Uhr