Sonntag, 20. Oktober 2019

Wie Höxter Holzminden vereinnahmen konnte

Höxter (02.01.2016). Es war das letzte Mal in der jahrhundertelangen Geschichte Corveys, dass dem Stift ein territorialer Gewinn gelang. Und das bei einer Stadt, die für Corvey und Höxter in seiner Geschichte immer eine Rolle gespielt hat. Corveys Abt Bodo von Pyrmont 1389 schaffte es, dass das Kloster Mitbesitzer von Burg und Stadt Holzminden wurde. Seit der Gründung des Klosters im 9. Jahrhundert gehörte Höxter zum Gebiet des geistlichen Territoriums. Anfangs verfügten die Mönche über großen Grundbesitz an Weser und Diemel, bei Osnabrück und Meppen und sogar im Rheinland. Doch dieser Besitz wurde nach und nach den Kirchenmännern weggenommen – oder wurde verkauft.

Die Edelherren, die immer stärker wurden…

Abt Bodo wollte die landesherrschaftliche Stärke seines Stiftes wieder verbessern und suchte danach, Land zu gewinnen. Holzminden, vor den Toren Höxters und Corveys gelegen, bot dazu die passende Gelegenheit. Die Grafen von Everstein hatten Holzminden gegründet. Später gehörten Burg und Stadt dem Erzbischof von Köln, der diesen Besitz dann an die Edelherren von Lippe verpfändete. Diese Edelherren wurden im 14. Jahrhundert im Bereich rechts und links der Weser zu einer immer stärkeren Macht und zur Konkurrenz für die bestehenden Machtblöcke.

1389 schlossen sich dann die Grafen von Homburg und Everstein, der Abt von Corvey, der Paderborner Bischof und die Braunschweiger zusammen, um die Edelherren von Lippe in die Schranken zu weisen. Sie sollten aus Holzminden vertrieben werden. Das Militärbündnis war erfolgreich, denn aus dem Jahr 1393 gibt es eine Urkunde, die einen Vertrag zwischen Hermann von Everstein und Abt Bodo von Pyrmont über den Burgfrieden in Holzminden bezeugt. Und diesen Burgfrieden konnten nur diejenigen schließen, die Eigentümer von Burg und Stadt waren. Dem Corveyer Abt war es also gelungen, Mitbesitzer von Holzminden zu werden. Damit war Abt Bodo gleichzeitig Herr über Höxter und Holzminden. So konnte Höxter Holzminden vereinnahmen, genauer gesagt Corvey als Herrschaftsort von Höxter.

Immer wieder hatten Höxter und Holzminden in den vergangenen Jahrhunderten miteinander zu tun. Wenige Kilometer auseinander waren diese Beziehungen zwangsläufig, obwohl beide Städte gänzlich anderen Territorien angehörten und später auch unterschiedliche Konfessionen hatten.

Das Spätmittelalter wird auf 838 Seiten beleuchtet

Nachzulesen sind die Geschichten über Höxter im Band zwei der Höxteraner Stadtgeschichte, der jetzt im Paderborner Bonifatius-Verlag erschienen ist, und ab sofort im Buchhandel erhältlich ist. Die Autoren Stadtarchivar Michael Koch, Stadtarchäologe Andreas König und Gerhard Streich vom Institut für Historische Landesforschung der Universität Göttingen haben gemeinsam mit weiteren Co-Autoren das Spätmittelalter für Höxter, die umliegenden Ortschaften und Corvey beleuchtet. Einen Großteil der Kosten trägt die Stiftung der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold.

Auf insgesamt 838 Seiten wird die Geschichte Höxter vom späten 13. Jahrhundert bis 1533 erzählt. Die Abhandlungen sind kundig, wissenschaftlich fundiert und umfassend. Zahlreiche Abbildungen, Karten und Skizzen bereichern das Werk. Im ersten Abschnitt des Bandes stellt Professor Hans-Georg Stephan in einem grundlegenden Artikel die Siedlungsgeschichte im Oberweserraum dar. Die umfassende Darstellung gibt nicht nur einen sehr guten Überblick, sondern macht auch Zusammenhänge und Verbindungen deutlich, die noch heute eine Rolle spielen.

Gerhard Streich schreibt über die Entwicklung der Territorialgeschichte Höxters und Corveys im Spätmittellalter. In diesem Abschnitt werden auch die Beziehungen über die Weser hinweg und die räumlichen Entwicklungen vorgestellt.

Auch Stahle und Lüchtringen sind im Buch zu finden

Die Kirchengeschichte und spätmittelalterliche Frömmigkeit ist das Thema von Michael Koch, der aufzeigt, wie vielfältig und umfassend die Rolle der Kirche in der Geschichte der Region war. Andreas König stellt nicht nur die archäologischen Ergebnisse der Untersuchungen von Höxter vor, sondern schreibt auch über Stadtbild und Hausbau im Spätmittelalter. Er versucht eine Antwort auf die Frage zu geben, wie Höxter damals ausgesehen hat. Die Antwort ist nicht nur gut zu lesen, sondern gibt durch spannende Details Auskunft über das Leben vor 500 Jahren. Ein Pluspunkt des Werkes ist, dass sich die Stadtgeschichte nicht nur auf Höxter und Corvey beschränkt. Auch die Orte um Höxter herum wie Stahle und Lüchtringen werden im Buch behandelt und dargestellt.

Das Werk endet mit dem Jahr 1533, als Höxter sich der Reformation anschließt und protestantisch wird. Es ist der Höhepunkt der Loslösung Höxters von Corvey. Sie wird den Höxteranern allerdings nicht so gelingen, wie sie es damals wollten. Damit wird der dritte Band der Höxteraner Stadtgeschichte beginnen. Allerdings wird es noch etwas dauern, bis dieser Band dann erscheinen wird. Insgesamt ist die Stadtgeschichte Höxters, die Darstellung der Historie eines der ältesten Städte Norddeutschlands auf vier Bände angelegt. (fhm)