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Dienstag, 18. Mai 2021

Die Edelherren von Homburg

Stadtoldendorf (22.02.16). Mit der Gesichte der Edelherren der Homburg hat sich die Historikerin Dr. Gudrun Pischke eingehend befasst. Auf Einladung des Homburg-Fördervereins stellte sie ihre Erkenntnisse und Forschungen vor. Die Edelherren von Homburg, die sich über Jahrhunderte hinweg eine Herrschaft zwischen Weser und Leine aufgebaut haben, gehören zu den prägenden Faktoren der norddeutschen Geschichte.

Die Edelherren von Homburg sind über einen Zeitraum von knapp 300 Jahren über acht Generationen mit mehr als 50 Angehörigen nachzuweisen. Ausgehend von der Homburg, die dem Adelsgeschlecht auch seinen Namen gegeben hat, haben die Edelherren im 13. und 14. Jahrhundert im Bereich von Vogler, Hils und Ith einen Herrschaftsbereich aufgebaut, der um 1400 – und damit sehr früh – verwaltungsmäßig organisiert war. Mittelpunkte oder Zentren dieser als Vogteien – auch Gerichte, später Ämter – bezeichneten Bereiche waren Burgen wie die Homburg.

Die Homburg und die Homburger gehörten von Anfang an zusammen. Die wohl kurz zuvor gebaute Burg wird 1129 erwähnt und die ersten Homburger – Berthold und Bodo – um diesselbe Zeit. Sie waren Besitzer – Inhaber – der Burg, jedoch nicht deren Eigentümer. Dies waren die Edelherren während der knapp 400 Jahre des Bestehens ihres Geschlechts nie. Die ersten drei Generationen mit den Hauptvertretern Berthold I., Bodo II. und Bodo III. besaßen die Homburg zunächst als Lehnleute oder auch Afterlehnleute, das sind Lehnleute von Lehnnehmern, von Grafen und einem Herzog.

Erbauer der Homburg war Siegfried von Northeim, der letzte Vertreter der Grafen von Northeim. Die Homburg war die jüngste der Northeimer Burgen. Zwar nicht in Northeim, wohl aber anderswo besaßen die Northeimer Grafen Burgen wie Desenberg, Hanstein und Boyneburg. Die Homburg war die jüngste Burg des letzten Grafen von Northeim; er ist auch nach ihr benannt worden wie auch nach der Boyneburg.

Die neu erbaute Homburg sollte wohl das von Siegfried IV. auf seinem Eigenbesitz in Amelungsborn 1123/35 gegründete Zisterzienserkloster schützen – und dies auch, weil sich in unmittelbarer Nähe die namengebende Burg der Grafen von Everstein befand. Am Bau des Klosters waren auch Berthold und seine Frau Sophia beteiligt. Die Edelherren blieben bis zu ihrem Aussterben Förderer dieses von ihnen mitbegründeten Klosters Amelungsborn. Die Homburg gab Siegfried in die Obhut von Berthold und Bodo, die nun als von Homburg benannt worden sind. Mit dem Tod Siegfrieds IV. änderten sich die Eigentums- und Besitzverhältnisse auf der Homburg.

Das Erbe des letzten Northeimers kaufte Graf Hermann von Winzenburg. Er war der neue Eigentümer und beließ die Burg in Händen der Homburger. Damit änderte sich auf der Burg selbst nichts, die Edelherren waren nunmehr Lehnleute/Vasallen des Winzenburgers. Weil Hermann von Winzenburg die Homburg 1150 dem Bischof von Hildesheim überlassen musste und sie vom neuen Eigentümer als Lehen zurückerhielt, wurden die Edelherren von Homburg, die im Besitz der Burg blieben, Afterlehnsleute, immer noch in Diensten des Winzenburgers. Mit dessen Ermordung 1152 änderten sich die Besitzverhältnisse wieder: Eigentümer blieb der Bischof von Hildesheim, sein neuer Lehninhaber wurde Heinrich der Löwe. Damit waren die Edelherren von Homburg, die auf der Burg blieben, Lehnleute des Sachsenherzogs und standen in dessen Diensten.

Dies änderte sich mit dem Sturz Heinrich des Löwen 1180, durch den er nicht nur seine beiden Herzogtümer, Sachsen und Bayern, verlor, sondern auch alle seine Lehen. Mit der Homburg belehnte der Hildesheimer Bischof nunmehr die Edelherren von Homburg direkt, und zwar Bodo und Berthold aus der zweiten Generation, allerdings lediglich zur Hälfte, während er die andere Hälfte an die Grafen von Dassel gab. Jetzt gab es auf der Homburg Mitinhaber neben den Edelherren, beide direkt vom Eigentümer belehnt.

Obwohl Heinrich dem Löwen seine Lehen 1180 aberkannt worden sind, hat er an etlichem festgehalten – wohl auch an der Homburg. Denn für diese ließ Kaiser Friedrich Barbarossa 1181 feststellen, dass sie dem Bischof von Hildesheim zurückzugeben war. Danach erhielten sie die Edelherren von Homburg als bischöflich-Hildesheimer Lehen.

Die Homburg war nicht die einzige Burg im Besitz der Edelherren von Homburg. Weitere Burgen waren die Burg Spiegelberg und die Burg Lauenstein. Mit der Burg Lauenstein näherten sich die Homburger stark dem welfischen Interessensgebiet. Um von dieser Seite keine Beeinträchtigung zu erleiden, begab sich Heinrich von Homburg 1247 nach Celle und übergab seine neue Burg an Otto, erster Herzog von Braunschweig und Enkel Heinrichs des Löwen. Otto hatte 1241 die welfische Herrschaft im nicht allzu weit von Lauenstein entfernten Hannover wiederhergestellt. Heinrich erhielt die Homburg als herzogliches Lehen zurück.

Nachdem die Homburger mit Lauenstein im Norden ihr Grenzmal gesetzt hatten, griffen sie mit dem Erwerb der Weserinsel, dem Werder, nach Westen. Die Weser hatten sie mit Konrad als Propst von Kemnade Anfang des 13. Jahrhunderts bereits erreicht. Der Werder in der Weser galt als Kemnader Besitz, der mit der Übertragung des Kanonissenstifts 1147 an das Kloster Corvey zum Besitz dieses Kloster zählte. Mit dem Kloster Corvey standen sie seit 1156 als Zeugen in Urkunden des Abtes, durch Lehnnahme, mit Übertragungen und auch als Schiedsmann in Verbindung. Über die Weserinsel und dem oppidum, der Stadt, darauf war es zwischen beiden Seiten zu Unstimmigkeiten gekommen, die dadurch beigelegt wurden, dass der Abt von Corvey Heinrich von Homburg 1245 mit dem oppidum Werdere belehnte. Damit kontrollierten die Homburger einen Weserübergang. Das neue Besitztum erhielt in Erinnerung an ihren ermordeten Vater Bodo III. den Namen Bodos Werder. Daraus wurde Bodenwerder.

1247, das Jahr, in dem sie die Burg Lauenstein dem Herzog von Braunschweig aufgetragen hatten, war die Burg Homburg wieder zur Gänze in der Hand der Edelherren. Nur wenige Jahre später gründeten sie unterhalb ihrer Burg unter Einbeziehung des wohl seit Karolingerzeit bestehenden Dorfes mit dem 1150 erwähnten Gut ihre Stadt Oldendorf und erteilten ihr Stadtrecht nach dem Vorbild der Stadt Holzminden. Dies war der Beginn der Stadt Stadtoldendorf, die neben der Homburg zu ihrem wichtigsten Aufenthalt wurde.

In Lüthorst, ihrer vierten Erwerbung zum Herrschaftsausbau, bauten die Edelherren um 1383 eine weitere Burg, die vierte nach Lauenstein, Bodenwerder und Greene. Außer Lehen, die die Herrschaft Homburg ausmachten, verfügten die Edelherren von Homburg noch über Pfandbesitz. Im Gegensatz zu lebenslangen und generationsübergreifenden Lehnsbesitz war Pfandbesitz auf wenige Jahre befristet, konnte durch Erneuerung zu langfristigem Besitz werden.

Zu diesem Pfandbesitz gehörten unter anderem die Stadt Lügde, die von den Grafen von Pyrmont 1240 angelegt wurde, Gieselwerder und Everstein. 1363 gelangten die Homburger in den Pfandbesitz der Burg Everstein. Sie war 1285 in den Besitz Herzog Heinrichs des Wunderlichen gelangt und gehörte mit der welfischen Teilung 1285 zum Fürstentum Grubenhagen. Dessen Herzöge verpfändeten die Burg zunächst auf drei Jahre an Siegfried von Homburg. Es folgten immer wieder Verlängerungen, zuletzt 1405. Die Homburger ihrerseits verpfändeten den Everstein befristet weiter, zunächst an das Kloster Amelungsborn, dann an die Herren von Salder.

Weitere Pfandbesitze waren Ohsen, Münder, Hallermunt, Hachmühlen und Holzminden. Gegen Ende der homburgischen Herrschaft gab es auch Herrschaftsbeteiligung an Holzminden. Die ursprünglich eversteinische Stadt war seit langem in anderen und wechselnden Händen. Außerdem wurde sie als Vergeltung vom Edelherrn von der Lippe belagert. Deshalb tat sich eine Fürsten- und Adelskoalition zusammen, bestehend aus dem Abt von Corvey, dem Herzog im Fürstentum Göttingen, dem Grafen von Everstein und dem Edelherrn von Homburg. Nach erfolgreicher Einnahme hatten Burg und Stadt vier Herren, einer davon war Heinrich von Homburg. Sein Viertel an Holzminden überließ er bald dem Abt von Corvey und erhielt eine Hälfte davon als Lehen zurück, besaß also ein Achtel von Burg und Stadt Holzminden als Corveyer Lehen.

Weil abzusehen war, dass der letzte Edelherr von Homburg Heinrich keine legitimen Erben haben würde, erging er sich in verschiedenen Möglichkeiten der Nachfolge. Schließlich überließ er seine im Laufe von mehreren Generationen entstandene und aus verschiedenen Teilen bestehende Herrschaft Homburg Herzog Bernhard von Braunschweig-Lüneburg im Fürstentum Braunschweig – und dies gegen eine lebenslange Jahrespension. Allerdings kam der Herzog nicht in die Verlegenheit zahlen zu müssen, denn Heinrich von Homburg starb etwa vier Wochen nach Vertragsabschluss Anfang November 1409.

Insgesamt hinterließen die Edelherren von Homburg den Welfen nach Erbkauf und durch Heirat der Witwe des letzten Homburgers mit Herzog Otto von Grubenhagen (1415) ein wohlhabendes und lebenskräftiges Territorium, das sechs Burgen, drei Städte und etwa 200 Dörfer umfasste. Die Homburg blieb in braunschweigisch-lüneburgischem Besitz und diente als fürstlicher Amtssitz, vorwiegend zu Verwaltungs- und Wohnzwecken. Der letzte Amtmann Wilken Klenke verließ die Homburg 1535. (r/fhm)

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