Mittwoch, 21. August 2019

Ein Wintermonat mit vielen Gesichtern

Das Wetter im Januar 2016: Milde Phasen und frostige Abschnitte mit Schnee im Wechsel

Kreis Holzminden (08.02.16). Nach dem mal herbstlichen, mal frühlingshaften und rekordwarmen Dezember entsprach die Witterung im zweiten meteorologischen Wintermonat deutlich mehr der Jahreszeit: Zwar ging auch der Januar 2016 als insgesamt recht milder Monat in die lokale Klimastatistik ein, dennoch durften sich Freunde verschneiter Landschaften zumindest in den höheren Lagen über zwei winterliche Abschnitte freuen. Vor allem nach Monatsmitte konnten Schlitten und Ski vorübergehend aus dem Keller hervorgeholt und auf verschneiten Wegen und Hängen zum Einsatz gebracht werden. Dazu zauberte sonniges Hochdruckwetter einen tiefblauen Himmel über die frische Schneedecke und animierte viele TAH-Leser, die reizvollen optischen Eindrücke dieser Tage mit der Kamera festzuhalten, bevor sich der Winter schließlich erneut einer atlantischen Westströmung beugen musste.

Mit einer Mitteltemperatur von 1,9 °C war der Januar 2016 an der Station des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Bevern 1,3 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1961 bis 1990; gegenüber dem Klimamittel der Jahre 1981 bis 2010 waren es +0,5 Grad.

Die Niederschlagsmenge lag mit 78,7 mm um 11,1 mm oder 16,4 Prozent über dem langjährigen Mittel des Zeitraums von 1961-1990, während das höhere Mittel der Jahre 1981 bis 2010 von 79,2 mm fast exakt erreicht wurde . Am verregneten letzten Sonnabend (30. Januar) fiel mit 18,5 mm fast ein Viertel der Monatssumme an nur einem Tag aus dem wolkenverhangenen Himmel.

Die Sonne zeigte sich rund 48 Stunden lang, davon entfiel mehr als die Hälfte auf die kalte Hochdruckphase nach Monatsmitte; an 15 Tagen war die Sonne überhaupt nicht zu sehen. Die klimatologische Einordnung hängt auch bei diesem Wert von der verwendeten Referenzperiode ab: Wurde das ältere 30-Jahres-Mittel um immerhin rund elf Stunden oder 29 Prozent übertroffen, entspricht die Sonnenscheinsumme fast genau dem jüngeren Mittelwert von 46 Stunden. Insgesamt fügt sich der Januar 2016 gut in den langfristigen Trend hin zu mehr Niederschlag und Sonnenschein sowie höheren Mitteltemperaturen ein – was Abschnitte mit Frost und Schnee keinesfalls ausschließt, aber mit einer Abnahme von Dauer und Intensität hochwinterlicher Witterungsphasen einhergeht.

Eine Schneedecke gab es in Bevern, stellvertretend für vergleichbare Höhenlagen unserer Region, an elf Tagen, die maximale Höhe betrug dabei lediglich 5 cm und wurde am Morgen des 21. Januar gemessen, dem zugleich kältesten Tag des Monats. In den höheren Lagen gab es deutlich mehr Schnee: Im Solling kamen gebietsweise etwas über 15 cm zusammen, aber auch die Niederschlagsstation des DWD in Eimen-Vorwohle auf 265 m Höhe meldete bis zu 12 cm. Auf einen Blick können Interessierte diese und andere Daten auf der Seite kachelmannwetter.com/de/messwerte abrufen – seit ein paar Tagen sind dort auch die historischen Daten des DWD eingepflegt. Klickt man sich zum Beispiel zurück in den Januar 1985, findet man nicht nur Schneehöhen bis über 40 cm im Solling, sondern auch eine Reihe von mittlerweile längst geschlossenen Standorten mit Wetterstationen in der Umgebung, so in Silberborn, am Forsthaus Winnefeld, in Scharfoldendorf, Negenborn und Stahle.

Ein Streifzug durch den Monat

Während es bei uns zum Start ins neue Jahr mit 6 °C am Neujahrstag noch recht mild blieb, stiegen die Werte im Nordosten des Landes kaum noch über den Gefrierpunkt.  Zwei Tage später hatte sich eine scharfe Luftmassengrenze über Deutschland gelegt, die zu bemerkenswerten Temperaturgegensätzen führte: Am Rande eines Hochdruckgebiets über Nordosteuropa wurde sehr kalte Festlandsluft ins Landesinnere gesteuert, gleichzeitig hielten Tiefs über dem Atlantik mit milder Meeresluft im Westen und Südwesten dagegen.

So wurden am 3. Januar am Rhein bis zu 9 Grad plus gemessen, gleichzeitig betrugen die Höchstwerte in Teilen Vorpommerns und Brandenburgs ebenfalls um 9 Grad – mit einem Minuszeichen davor.  An diesem Sonntag war kalte Kontinentalluft in abgeschwächter Form bis in unsere Region vorangekommen und brachte erste leichte Schneefälle bis in tiefe Lagen und den ersten Eistag (ein Tag, an dem Dauerfrost herrscht) des Winters. Im Solling konnte sich dabei bereits eine Schneedecke ausbilden, während es weiter unten bei leichter Anzuckerung blieb. Ursprünglich sollte es bereits am nächsten Tag wieder milder mit Regenfällen werden, tatsächlich hatten die meisten Vorhersagemodelle die genaue Lage der Luftmassengrenze ebenso falsch eingeschätzt wie die Hartnäckigkeit der Kaltluft. So traf die wärmere Luft mit Regen erst dreieinhalb Tage später am Donnerstag Abend ein.

Nachdem die erste Woche des Monats nahezu durchgängig trüb verlaufen war, gestaltete sich das nachfolgende Wochenende trocken und freundlich mir recht viel Sonnenschein, bevor erneut Tiefdruckgebiete mit dichten Wolken und Regen die Wetterregie übernahmen. Dabei waren zunächst milde Luftmassen vorherrschend, bevor auf der Rückseite des Tiefs „Emma“ ab 17. Januar Luft aus polaren Breiten zu uns gelangte und einen hochwinterlichen Abschnitt mit Schnee und Frost einleitete. Dabei sorgten die Hochs „Benno“ und „Claudius“ für den bereits erwähnten Sonnenschein, dazwischen zog zur Wochenmitte ein kleines Niederschlagsgebiet mit weiteren Schneefällen über unsere Region hinweg. In dieser Phase herrschte im Solling durchweg Dauerfrost und in Bevern wurden vier weitere Eistage registriert. Zweimal ging es nachts beziehungsweise am frühen Morgen sogar in den strengen Frostbereich (unter –10 Grad). Am 19. Januar wurde mit -11,2 °C der tiefste Wert seit fast drei Jahren gemessen und am 21. betrug der Höchstwert nur -4,1 °C – dies war das niedrigste Maximum seit dem 10. Februar 2012.

Zwei Tage später leitete der erste Ausläufer aus einer Reihe nachfolgender Tiefs vom Atlantik einen erneuten und kräftigen Wetterumschwung ein. Anders als zu Monatsbeginn leistete die Kaltluft auch in der bodennahen Schicht diesmal kaum Widerstand und wurde rasch nach Osten abgedrängt. In feuchter Luft taute der Schnee bereits am Wochenende (23./24. Januar) weitgehend ab, bevor die letzte Januarwoche den mildesten Witterungsabschnitt des Monats mit häufig zweistelligen Höchstwerten und frostfreien Nächten brachte, wobei die Großwetterlage mit einem Hochdruckgebiet vom Ostatlantik über Südwesteuropa bis ins östliche Mittelmeer schon wieder an den vorausgegangenen Dezember erinnerte.

Den Schlusspunkt unter einen abwechslungsreichen Wettermonat setzte schließlich Tief „Marita“ mit auffrischendem Wind, viel Regen und wieder etwas zurückgehenden Temperaturen.  (Jürgen Höneke)

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