Sonntag, 18. August 2019

Kahlschläge, Waldeingriffe und Rückeschäden

Der BUND hat seinen Waldreport 2016 veröffentlicht / Es gibt Positives und Negatives zu berichten

Kreis Holzminden (15.02.16). Der 64-seitige „Waldreport 2016 – Schatten und Licht an Hand von 24 Fallbeispielen“ – des BUND-Bundesverbandes kritisiert bundesweit erhebliche Defizite in der Forstwirtschaft. Beispiele aus den verschiedenen Bundesländern decken auf, dass Kahlschläge und Bodenschäden auch in Schutzgebieten zu finden sind. Massive Holzeinschläge und die Fällungen von alten Habitatbäumen weisen Rechtsverstöße auf nationaler und europäischer Naturschutzgesetzgebung auf.

Zehn Negativbeispiele zeigen, dass den Anforderungen einer allseits umfassenden und umweltverträglichen Waldwirtschaft sehr oft nicht entsprochen wird. Die dauernd steigende Nachfrage nach Holz erhöht den Druck auf alle Waldbesitzarten. Die große Brennholznachfrage und die steigenden Holzpreise sind natürlich einerseits positiv zu sehen, dass der Wert des nachwachsenden Rohstoffes anerkannt wird, allerdings häufen sich gleichzeitig  die bundesweiten Meldungen von massiven Holzeinschlägen auch in der Schutzgebietskulisse. Durch diesen Druck werden häufig Mindeststandards außer Kraft gesetzt. In den Ländern fehlt es oft an Geboten oder Verboten, damit typische Waldbiotoptype und typische Waldarten dauerhaft erhalten und geschützt werden können.

Ehrenamtliche, aber auch hauptamtliche Waldschützer haben jeweils zehn negative und zehn positive Beispiele bundesweit zusammengetragen. Davon sind unter anderem auch offizielle Behörden betroffen, die den Wald eigentlich vorbeilhaft bewirtschaften sollen. Bürger und offizielle Entscheidungsträger sollen durch diese Ergebnisse aufgerüttelt werden und darauf hingewiesen werden, wo Fehlerquellen liegen, aber auch wie man es besser machen kann. Der BUND fordert eine Novellierung des Bundeswaldgesetzes, in dem entsprechende Standards festgelegt werden.

Voraussetzung sind ausreichend Personal, um die Umsetzung von Naturschutzaufgaben im Wald umsetzen zu können, aber auch um gegebenenfalls Verstöße  konsequent ahnden zu können. Wichtig ist zum Beispiel die Umsetzung der Ziele der Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung, bis zum Jahr 2020 in allen Wäldern fünf Prozent des Waldes  der natürlichen Entwicklung zu überlassen, in den öffentlichen Wäldern zehn Prozent. Das Gemeinwohl am Wald wie etwa Artenvielfalt, Klimaschutz und Erholung müssen Vorrang gegenüber wirtschaftlichen Interessen haben.

Zu den Negativbeispielen in Niedersachsen gehören ein Kahlschlag im Landschaftsschutzgebiet Timmerlaher Busch bei Wolfenbüttel, ein weiterer Kahlschlag im FFH- und Vogelschutzgebiet „Wälder zwischen Braunschweig und Wolfsburg“. Seit 2005 werden im betroffenen Forstamt Wolfenbüttel Kahlschläge zwischen 0,5 und 1,8 Hektar Größe angelegt. Die Waldflächen (Eichen-Hainbuchen-Wälder) wurden abgeholzt, komplett geräumt, ganzflächig befahren und die Biomasse einschließlich Laub vermarktet. Häcksler zerkleinern Baumreste inklusive Stuken, zerstören zum Teil den Humushorizont und nivellieren das Gelände. Teilweise werden außerdem ohne Rechtsgrundlage Entwässerungen vorgenommen und Wege ausgebaut. Als Begründung werden wirtschaftliche Erfordernisse genannt, um Eichenpflanzungen oder Saaten maschinell vornehmen zu können. Folgen solcher Kahlschlagsverfahren sind hohe Folgekosten durch Mäuseschäden, oft jahrelange Nachpflanzungen und damit betriebswirtschaftliche Verluste. Fachgutachten über vorkommende geschützte Mittelspecht-Populationen belegen, dass diese nach den Kahlschlägen abgenommen haben. Eine Änderung dieser Praxis ist nicht in Sicht. Ein ähnliches Vorgehen ist im FFH-Gebiet „Beienroder Holz“ zu sehen. Hier hat sogar die Untere Naturschutzbehörde das rechtswidrige Verhalten gegenüber der Landesregierung geäußert. Im Forstamt Liebenburg wurden im Frühjahr 2014 im Naturschutzgebiet und Vogelschutzgebiet „Finkenberg – Lerchenberg“ Höhlenbäume gefällt. Aber auch andere Bundesländer sind von Rechtsverstößen im Wald betroffen. Nachzulesen ist das im veröffentlichten BUND-Waldbericht 2016. Bundesweit gibt es naturschutzrechtliche Verstöße auf Bundes- und Europäischer Ebene.

Als positives Beispiel wird für Niedersachsen die Eilenriede bei Hannover aufgeführt. Kommunale Satzungen schützen den Grüngürtel. Moorflächen wurden als FFH-Gebiet ausgewiesen. Aber auch alte und uralte Bäume finden hier ihren Platz. Zehn Prozent des Stadtwaldes Hannover wurden aus der Nutzung genommen und damit das Ziel der Biodiversitätsstrategie erreicht. Auch im benachbarten Schleswig-Holstein im Stadtwald Lübeck wird eine Fläche von 5.000 Hektar nach dem Prinzip der minimalen Störung im Wald bewirtschaftet.

Auch in der hiesigen Region gibt es Fallbeispiele in positiver Hinsicht, wie die Entwicklung der Märchenwaldes im Stadtwald Einbeck, aber auch massive Waldeingriffe wie Rückeschäden durch unsachgemäßen Maschineneinsatz im Solling und die Aufarbeitung/Verkauf von gefällten wertvollen Habitatbäumen. Der BUND-Waldbericht soll anregen, wie in beispielhafter Weise auch positive Signale für den Waldnaturschutz umzusetzen sind. http://www.bund.net/waldreport2016.  (Henning Stadtler)

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